40.000
Aus unserem Archiv
Krummenau

Wenn der Karnevalsorden bis nach Chicago geht: Zu Gast beim Hunsrücker Ordenhersteller Zinnhannes

Birgit Reichert und 
Andreas Egenolf

Kein Karnevalsorden ist wie der andere: Sie sind rund oder eckig, bunt oder grau – mit Schrift, Bildern, Wappen oder Steinchen verziert. Aber alle machen was her. Narren tragen sie zu Fastnacht an einer Kordel um den Hals gehängt als Schmuck und Auszeichnung. Dabei gibt es bei den glänzenden Stücken regionale Unterschiede. „Man kann generell sagen, dass die Orden in Köln größer sind als die in Mainz“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, in Krummenau im Hunsrück. Und er muss es wissen: Seine Firma stellt jedes Jahr rund 170 000 Orden und Ehrenzeichen für Jecken auch in den Hochburgen Köln und Mainz her.

Ludmilla Rast (links) und Elena Gass bemalen in den Geschäftsräumen der Firma Zinnhannes Karnevalsorden für die aktuelle Session.
Ludmilla Rast (links) und Elena Gass bemalen in den Geschäftsräumen der Firma Zinnhannes Karnevalsorden für die aktuelle Session.
Foto: dpa/Harald Tittel

„Also diese Wucht, die sich einfach in Größe und Gewicht niederschlägt, die schätzt man in Köln“, sagt der 55-Jährige. „Während man in Mainz eher darauf achtet, dass der Orden handwerklich oft sehr filigran ausgearbeitet ist, und dann darf der auch ein bisschen kleiner sein.“. Im Schnitt seien die Hingucker der närrischen Saison so um die 100 Gramm schwer. „Letztes Jahr hatten wir in Köln einen Orden, der wog mehr als 300 Gramm.“

Rund 1000 Kunden hat Zinnhannes, darunter auch etliche prominente Adressen: Seit acht Jahren fertigt der Betrieb mit 18 Mitarbeitern und etlichen Saisonkräften die Orden, Pins und Abzeichen für das Kölner Festkomitee. „Da sind wir natürlich stolz drauf“, sagt Schneider. Unter dem diesjährigen Motto „Mer Kölsche danze us der Reih“ (Wir Kölner tanzen aus der Reihe) ist ein Orden entstanden, dessen äußerer Rahmen beweglich ist – innen wackeln Figuren an Federn.

Auch für den 1. FC Köln hat das Haus Zinnhannes zum diesjährigen 70-Jährigen des Fußballvereins ein Exemplar in Form eines Spielfelds gefertigt. Die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) hat sich im Jahr des 200. Geburtstages des Trierer Sohnes Karl Marx neben der Porta Nigra den weltberühmten Philosophen auf den Orden anbringen lassen. Auch die Orden für das Koblenzer Prinzenpaar und die Rheinischen Karnevals-Corporationen (RKK) stammen aus Krummenau. Papst Benedikt XVI. sowie Papst Franziskus hätten vom Kölner Festkomitee bereits den Orden aus dem Hause Zinnhannes bekommen.

Eine Mitarbeiterin bemalt in den Geschäftsräumen der Firma Zinnhannes Karnevalsorden. Die Firma stellt jedes Jahr rund 170 000 Orden und Ehrenzeichen für Jecken auch in den Hochburgen Köln und Mainz her.
Eine Mitarbeiterin bemalt in den Geschäftsräumen der Firma Zinnhannes Karnevalsorden. Die Firma stellt jedes Jahr rund 170 000 Orden und Ehrenzeichen für Jecken auch in den Hochburgen Köln und Mainz her.
Foto: dpa/Harald Tittel

„Orden haben immer einen ideellen Wert für jeden Karnevalisten. Sie werden ja auch nicht einfach verschenkt, sondern verliehen“, sagt RKK-Präsident Hans Mayer. „Die Orden drücken eine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus.“ Den einen Karnevalsorden gibt es allerdings nicht beim RKK: Neben einem Sessionsorden der Dachorganisation, der in diesem Jahr Wahrzeichen aus allen fünf Bundesländern der Mitgliedsvereine zeigt, gibt es unter anderem auch spezielle Orden der jeweiligen Vereine oder den Freundschaftsorden des RKK. Alle Orden des Karnevalistenverbandes mit Sitz in Koblenz stammen unterdessen aus der Werkstatt der Firma Zinnhannes. „Uns verbindet eine jahrelange Partnerschaft“, erklärt Hans Mayer. 1996 wurde beispielsweise von beiden Seiten der Zinnhannes Kulturpreis initiiertet, mit dem seitdem engagierte Karnevalisten Jahr für Jahr ausgezeichnet werden. Die Orden der Hunsrücker Firma bezeichnet RRK-Präsident Hans Mayer unterdessen als qualitativ hochwertig und die Zusammenarbeit mit der Ordenmanufaktur werde vor allem durch Verlässlichkeit geprägt. Wie viele Karnevalsorden der RKK Jahr für Jahr in Krummenau bestellt, will Mayer nicht verraten. Er sagt nur so viel: „Es sind rund 1000 bis 1500 pro Session.“

Die 1969 gegründete Hunsrücker Firma, die rund 90 Prozent ihres Geschäftes mit dem Karneval macht, hat auch Kunden in Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und in den USA. Das seien Nachkommen von Deutschen, die in den 1950er Jahren dorthin ausgewandert seien und das närrische Brauchtum weiter pflegten, erzählt Zinnhannes-Chef Wolf Schneider,. „Das Prinzenpaar aus Chicago war zwei Mal hier, um die Orden zu besprechen.“ Das sei ein kleiner, aber interessanter Markt, weil es in den USA keinen Hersteller von Karnevalsorden gebe.

Der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, steht in den Geschäftsräumen des Unternehmens inmitten von Karnevalsorden, die an der Wand hängen. Laut Schneider gehört Zinnhannes zu den fünf größten Herstellern von Karnevalsorden in Deutschland.
Der Geschäftsführer des Unternehmens Zinnhannes, Wolf Schneider, steht in den Geschäftsräumen des Unternehmens inmitten von Karnevalsorden, die an der Wand hängen. Laut Schneider gehört Zinnhannes zu den fünf größten Herstellern von Karnevalsorden in Deutschland.
Foto: dpa/Harald Tittel

Angefangen hat die HZG Hunsrücker Zinnwarenhandelsgesellschaft, wie das Unternehmen offiziell heißt, mit traditionellen Gegenständen aus Zinn, wie Bechern, Tellern, Kerzenleuchtern. Als das nicht mehr gut lief, entdeckte die Zinngießerei in den 1970er und 1980er Jahren den Markt mit den in Rheinland-Pfalz stationierten US-Amerikanern. „Wir haben für die alle möglichen Plaketten gemacht, das war der Sprung in Richtung erste Karnevalsorden“, sagt Schneider. Auch Wappenteller aus Zinn waren beliebt. Aber auch dieser Markt war irgendwann weg.

Heute fließt die Zinnlegierung vor allem in Orden. „Es ist sehr viel Handarbeit dabei“, erläutert Schneider. Die Stücke werden nach dem Entwurf gegossen, geschliffen, poliert, galvanisch veredelt und dann per Hand bemalt. Laut Schneider gehört Zinnhannes zu den fünf größten Herstellern von Karnevalsorden in Deutschland. Solche Orden wurden erstmals im 19. Jahrhundert als Persiflage auf die militärischen Orden der Preußen verliehen.

RKK-Präsident Hans Mayer geht unterdessen davon aus, dass er schon vor dem Start in das Karnevalswochenende rund 120 Orden in der aktuellen Session von den Vereinen verliehen bekommen hat. Alle tragen kann er sie ohnehin nicht, denn um seinen Hals hängt die von Zinnhannes angefertigte Präsidentenkette. „Wenn man einen Orden verliehen bekommt, dann trägt man ihn aber auch bei Terminen vor Ort“, versichert Mayer.

Von Birgit Reichert und 
Andreas Egenolf

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
  • Lokalticker
  • Regionalsport
  • Newsticker
Das Wetter in der Region
Mittwoch

11°C - 24°C
Donnerstag

10°C - 20°C
Donnerstag

°C - °C
Donnerstag

°C - °C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!