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Erpel

Panzer und Queen sollen verschwinden – Freizeitpark vor dem Aus

Ein britischer 52-Tonnen-Panzer, die Hütte des Rebellen Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, rote Telefonkabinen und englische Autos zeugen im Kreis Neuwied vom skurrilen Humor eines eingewanderten Briten.

Der Brite Gary Blackburn steht vor seinem Centurion-Kampfpanzer in seinem Vorgarten und hält eine Friedenstaube aus Ton in der Hand.
Der Brite Gary Blackburn steht vor seinem Centurion-Kampfpanzer in seinem Vorgarten und hält eine Friedenstaube aus Ton in der Hand.
Foto: Thomas Frey/dpa

Gary Blackburn, Chef eines Baumpflegedienstes, hat das kleine Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände als Antwort auf die ihm unliebsame Brexitentscheidung aufgebaut. Der Eintritt ist gratis. „60.000 Leute fahren hier jedes Jahr mit der Kasbachtalbahn vorbei und sehen bei einem Fotostopp „Little Britain““, sagt Blackburn. Den Weg über sein Grundstück zum Rheinsteig nutzten nochmals mindestens genauso viele Wanderer: „Die sind begeistert.“ Doch jetzt soll Schluss damit sein: Laut einer Verfügung der Kreisverwaltung Neuwied sind die Exponate „sofort zu entfernen“ – mangels Baugenehmigung.

In dem Schreiben vom 6. Juli heißt es weiter, das frei zugängliche Gelände in Erpel nahe der nordrhein-westfälischen Landesgrenze sei abzusperren und die Werbung für die britischen Kuriositäten einzustellen. Der Eigentümerin, Blackburns Ehefrau Monika, droht die Bauaufsicht an: „Sollten wir bis spätestens 10.08.2018 keine weitere Mitteilung Ihrerseits erhalten, so sehen wir uns gezwungen, die Beseitigung der Anlagen anzuordnen.“ Bei Nichtbefolgung der Verfügung erwarte Monika Blackburn ein Zwangsgeld von zunächst bis zu 3000 Euro. Die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens werde geprüft – mit einer Geldbuße bis zu 50 000 Euro. Auch die der Deutschen Presse-Agentur vorliegende mehrseitige Verfügung selbst kostet Gebühren: 117 Euro.

Gary Blackburn, sechsfacher Vater, ist am Donnerstag geschockt: „Das hat mich völlig überrascht.“ Er werde sich zwar keinen Anwalt nehmen, aber Widerspruch einlegen. Schon lange bemühe er sich um die nötigen Genehmigungen bei den Behörden. Von seinem Freizeitpark gingen keine Gefahren aus. Der 54-Jährige verweist auf Einträge in seinem Gästebuch. „Ein skurriler, aber interessanter Ort zu Beginn einer schönen Wanderstrecke“, heißt es dort beispielsweise. Oder mit Blick auf eine lebensgroße Statue: „Ein Picknick mit der Queen hatten wir bisher noch nie – vielen Dank!“

Blackburn sieht „Little Britain“ als Beitrag für die deutsch-englische Freundschaft. „Ich fühle mich diskriminiert“, klagt er. Käme wirklich das Aus für „Little Britain“, ginge er ins echte Britannien zurück – nach mehr als 30 Jahren in Deutschland. „Dann würden meine Kinder hier den Betrieb weiterführen.“

Die Bürgermeisterin von Erpel, Cilly Adenauer, sagt zu „Little Britain“: „Ich habe sehr viele positive und sehr viele negative Stimmen gehört.“ In der Verfügung der Kreisverwaltung ist die Rede vom „Interesse der Allgemeinheit an einer geordneten baulichen Entwicklung des Gemeindegebiets“. Blackburn habe daher von der Gemeinde Erpel kein grünes Licht für seine Bauanträge bekommen. Adenauer erklärt: „Wir haben versucht, Herrn Blackburn goldene Brücken zu bauen.“ Aber für eine Ausstellungsfläche müsse der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Das ist die Frage, ob das da oben im Waldgebiet zu realisieren ist.“

Eigene Schlagzeilen hat Blackburns Panzer aus den 50er Jahren gemacht – nun als „Mahnmal für Frieden und Freiheit“ mit Friedenstauben und Mohnblumen aus Plastik geschmückt. Für seine Nachbarn Andrea und Matthias Oppermann, Therapeuten mit Kursen wie „Innere Wirklichkeit“ und „Was die Seele bewegt“, ist der Panzer ein rotes Tuch. Matthias Oppermann hat einst von „einer Verhöhnung der Menschen, die durch Kriegserlebnisse belastet und traumatisiert sind“, gesprochen.

Als Werbeanlage oder Denkmal hat Blackburn keine Genehmigung für den Centurion-Panzer bekommen. Ein möglicher Ausweg: Jedes Jahr ein paar Meter Bewegung – schon wäre das Stahlungetüm offiziell kein Bauwerk mehr. Mit der alten Kupplung und womöglich klemmenden Gängen will der Baumchirurg aber nicht fahren – deshalb hat er den Einbau eines Elektroantriebs in den 52-Tonnen-Koloss in Auftrag gegeben.

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