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    Fluterschen: Anwältin der Tochter zu Medienrummel und Details in Akten – "Ekelhaft"

    Seit das Missbrauchsdrama publik wurde, steht bei Sandra Buhr das Telefon nicht mehr still. "Es ist unglaublich!", staunt die 39-Jährige. "Es gibt wohl keine Zeitung und keine TV-Sender, die nicht bei mir angerufen haben." Sie vertritt ab Dienstag im Prozess in Koblenz eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer - die 18-jährige Tochter von Detlef S. Dabei ist sie von den Dimensionen des Falles auch betroffen: "Ich habe mich durch Hunderte Akten gelesen. So etwas Ekelhaftes kannte ich bisher nicht. Oft musste ich eine Pause machen, weil es nicht mehr ging."

    Rechtsanwältin Sandra Buhr.
    Rechtsanwältin Sandra Buhr.

    Fluterschen - Seit das Missbrauchsdrama publik wurde, steht bei Sandra Buhr das Telefon nicht mehr still. "Es ist unglaublich!", staunt die 39-Jährige. "Es gibt wohl keine Zeitung und keine TV-Sender, die nicht bei mir angerufen haben." Sie vertritt ab Dienstag im Prozess in Koblenz eines der mutmaßlichen Missbrauchsopfer - die 18-jährige Tochter von Detlef S.

    Während dem Gespräch mit unserer Zeitung erhält sie ständig Anrufe. Drei Mal unterbricht sie, spricht kurz auf einer anderen Leitung. Ihr Alltag ist stressig wie nie. Aber sie nimmt sich Zeit, bleibt ruhig und höflich. Dabei ist sie von den Dimensionen des Falles auch betroffen: "Ich habe mich durch Hunderte Akten gelesen. So etwas Ekelhaftes kannte ich bisher nicht. Oft musste ich eine Pause machen, weil es nicht mehr ging."

     

    Wie geht es Ihrer Mandantin?

    Sie hätte nie gedacht, dass ihr Fall bundesweit solche Wellen schlägt. Das geht ihr alles sehr nahe. Es nagt an ihrer Substanz. Aber ich habe großen Respekt davor, wie souverän sie mit alldem umgeht.

    Wird sie psychologisch betreut?

    Nein, bisher nicht.

    Wie geht sie mit dem riesigen Medienrummel um?

    Der erschlägt sie. Sie ist schockiert, wie hinterhältig und rücksichtslos manche Medien versuchen, an Informationen zu kommen. Ihr Wohnhaus in Fluterschen wurde rund um die Uhr von Fernsehteams belagert. Darum ist sie geflüchtet.

    Wie bitte? Geflüchtet?

    Ja. Ihr blieb nichts anderes übrig. Einige Journalisten errichteten vor ihrem Haus eine Art Lager aus riesigen Übertragungswagen. Sie lungerten vor ihrer Haustür herum. Sobald sie einen Schritt auf die Straße machte, wurde sie bedrängt. Darum haben wir sie an einen sicheren Ort gebracht. Sie braucht Ruhe. Sie muss Kraft sammeln für den Prozess.

    Ihre Mandantin hat ihrem Vater einen Brief geschrieben...

    ...und damit alles ins Rollen gebracht, ja. Aber sie wollte Detlef S. nicht anzeigen. Es war kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Sie wollte ausziehen, weg aus Fluterschen, weg von ihrem Vater. Aber sie wollte ihm auch die Meinung sagen, ihn mit ihren Vorwürfen konfrontieren. Den Brief hat ihre Stiefschwester gefunden. Eine Kopie davon landete dann beim Jugendamt. Kurz später kam S. in Haft.

    Will Ihre Mandantin, dass ihr Vater verurteilt wird?

    Das ist sehr schwierig für sie. Einerseits will sie es, weil er ihr furchtbare Dinge angetan hat. Andererseits will sie es nicht, weil er ihr Vater ist. Mit diesem Zwiespalt haben viele Missbrauchsopfer zu kämpfen.

    Warum ist Ihre Mandantin nicht früher zur Polizei gegangen?

    Das ist für Außenstehende nicht zu verstehen. Ihr Vater baute unfassbaren psychischen Druck auf. Er drohte allen Familienmitgliedern - oft schlug er auch zu. Er schaffte es, meine Mandantin einzuschüchtern. Darum ließ sie die sexuellen Handlungen mit ihm und fremden Männern über sich ergehen. Sie wollte das nicht. Niemals.

    Hat das Jugendamt in Altenkirchen alles unternommen, um Ihre Mandantin zu schützen?

    Nein. Es gab klare Hinweise, dass in der Familie etwas nicht stimmt. Da hätte das Jugendamt mit mehr Druck nachforschen müssen und sich nicht an der Haustür abwimmeln lassen dürfen. In der Familie wurden so viele Kinder in so kurzer Zeit geboren. Und nie wusste man recht, wer der Vater war. Das stinkt doch zum Himmel!

    Das Drama von Fluterschen schockiert ganz Deutschland. Wie geht es Ihnen persönlich?

    Ich habe mich durch Hunderte Akten gelesen. So etwas Ekelhaftes kannte ich bisher nicht. Oft musste ich eine Pause machen, weil es nicht mehr ging.

    Das Gespräch führte Hartmut Wagner

    Fluterschen-Drama: Sextäter weiter flüchtigFür 35.000 Euro: Missbrauchshaus von Fluterschen ist versteigertMissbrauchsfall Fluterschen: Gutachter entlastet Jugendamt Fall Fluterschen: Gutachter entlastet JugendamtHeute kommt Gutachten zur Rolle des Jugendamtes im Fall Fluterschenweitere Links
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