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    Nürnberg

    Experte: Dauerbaustelle Hartz IV

    Die vor zehn Jahren von Peter Hartz angestoßene Arbeitsmarktreform hat nach Einschätzung von Experten bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen weiterhin Nachbesserungsbedarf. „Es gibt noch einige Baustellen. Mit der Hartz-IV-Reform sind wir zwar auf dem richtigen Weg, der Weg muss jetzt aber konsequent weitergegangen werden“, sagte der stellvertretende Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Ulrich Walwei.

    Ulrich walwei, stellvertretender Direktor des IAB.
    Ulrich walwei, stellvertretender Direktor des IAB.
    Foto: dpa

    Das IAB ist die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit. Mehr als sieben Jahre nach dem Start der Hartz-IV-Reform fällt Walweis Bilanz gemischt aus.

    Viele Langzeitarbeitslose hätten selbst in der vergleichsweise guten konjunkturellen Situation nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zudem gebe es Menschen, die nur für kurze Zeit einen Job hätten. „Bei diesen Menschen reicht es nicht, ihnen einen Job zu vermitteln. Manche brauchen eine individualisierte Betreuung, teils auch mit sozialpsychologischer Beratung und einer längeren Begleitung“, erläuterte der Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Das erfordere auch von den Jobcentern künftig eine weitere Professionalisierung.

    Dass man sich solcher „komplexer Probleme“ inzwischen viel mehr bewusst sei als früher, ist in den Augen Walweis ein Verdienst der Hartz-IV-Reform. Denn mit der Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe habe die vom ehemaligen VW-Manager Hartz angestoßene Reform für mehr Transparenz gesorgt. „Die Hartz-IV-Reform hat Wahrheit und Klarheit in die Statistik gebracht und damit offenbart, welche Beschäftigungsprobleme wir hatten“, sagte der Arbeitsmarktforscher. Vor der Hartz-IV-Reform sei weitgehend unklar gewesen, welche Sozialhilfeempfänger arbeitsfähig waren.

    Die Hartz-Reformen haben nach Walweis Einschätzung auch einen wesentlichen Beitrag zu dem aktuellen Jobaufschwung geleistet. So sei der seit 1990 anhaltende Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit im Jahr 2005 gestoppt und schließlich sogar umgekehrt worden. „Es gibt klare Indizien dafür, dass sich der Beschäftigungstrend mit den Hartz-Reformen verbessert hat“, unterstrich Walwei. Allein das Wirtschaftswachstum oder die demografische Entwicklung hätten dies nicht vermocht. „Der drohende Abstieg in die Grundsicherung hat bewirkt, dass sich Betroffene intensiv um Arbeit bemühen und auch bereit sind, weniger attraktive Tätigkeiten aufzunehmen.“

    Zusätzlich zur Hartz-IV-Reform sind nach Walweis Ansicht verstärkte bildungspolitische Anstrengungen in Deutschland erforderlich. Noch immer gebe es zu viele Arbeitslose ohne Schul- oder Berufsabschluss.

    „Wir müssen um jeden Preis alles tun, um schon junge Menschen für den Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu machen“, rät Walwei. „Später wird es extrem schwer und teuer, Menschen ohne entsprechende Schul- und Berufsbildung in Arbeit zu vermitteln.“ Zudem müssten mehr Menschen mit einer geringfügigen Beschäftigung Aufstiegsmöglichkeiten geboten werden. „Wir müssen den Menschen eine langfristige Orientierung geben, damit wir sie (in den Jobcentern) möglichst nicht wiedersehen“, fügte Walwei hinzu.

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