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Montabaur/Westerburg

Gericht: Angestellter beteuert nach Überfall auf Spielothek seine Unschuld

Michael Wenzel

Ist der Spielhallenangestellte, der sich am Amtsgericht in Montabaur verantworten muss, Opfer oder Täter? Drei Männer und eine Frau stehen derzeit wegen eines nächtlichen Überfalls auf eine Westerburger Spielhalle vor einem Schöffengericht in Montabaur unter dem Vorsitz von Richter Ralf Tries. Zwei Männer im Alter von 32 und 49 Jahren sollen laut Anklage die Tat begangen, eine 32-jährige Frau vor der Spielhalle Schmiere gestanden haben.

War der Überfall auf die Spielothek in Westerburg eine fingierte Sache? Ein Gericht in Montabaur muss es jetzt klären. Foto: Röder-Moldenhauer
War der Überfall auf die Spielothek in Westerburg eine fingierte Sache? Ein Gericht in Montabaur muss es jetzt klären.
Foto: Röder-Moldenhauer

Der vierte im Bunde ist der Spielhallenangestellte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat er den Überfall fingiert. Dieser jedoch beteuert vehement seine Unschuld: „Ich gebe nicht zu, was ich nicht getan habe“, sagt er.

Auf die Angeklagten wartet im Fall einer Verurteilung wegen Raubes eine langjährige Haftstrafe, sollten sie lediglich wegen Diebstahls belangt werden, weil die Sache mit dem Spielhallenangestellten abgekartet war, fällt das Strafmaß weitaus niedriger aus. Ist das ein möglicher Grund, warum der Angestellte belastet wird? Der 34-Jährige war zum Tatzeitpunkt in der Spielothek als Aufsicht beschäftigt. „Er war mein bester Mitarbeiter“, sagt die Filialleiterin. Doch laut Anklage soll er sich als Opfer des Überfalls inszeniert haben. Die Mitangeklagten belasten den Spielhallenangestellten schwer, er soll ihnen Tipps gegeben und sich am Aufbrechen der Spielautomaten beteiligt haben. BTM-Vorwürfe, die ebenfalls gegen ihn erhoben werden, gesteht der Angestellte ein. Sie wurden durch das Gericht von dem Verfahren abgetrennt.

Nach Angaben der Spielhallenaufsicht spielte sich der Überfall auf die Spielothek am 31. Juli 2017 wie folgt ab: Um 18.30 Uhr hatte er seinen Dienst begonnen. Gegen 1.40 Uhr verließen die letzten Gäste die Spielhalle. Die Türen sind abgeschlossen. Er füllt einen Eimer mit Wasser, will die Spielgeräte abputzen, da wird er plötzlich zu Boden und nach hinten gezogen. Mit Kabelbinder auf dem Rücken gefesselt, liegt er in der Nähe der Theke, während die Täter die Automaten knacken. Irgendwann geht ein Alarm los, die Unbekannten suchen das Weite. Der Angestellte robbt zum Telefon und wählt den Notruf. Dann öffnet er die im unteren Bereich der Außentür befindliche Schließvorrichtung und wartet mit der Zeugin, die vom Marktplatz hinzukommt, auf die Polizei.

Und was sagen die anderen Angeklagten? Die Frau (32) im Quartett stellt das, was in der Tatnacht geschah, wie folgt dar: Gegen 1 Uhr geht sie in Westerburg allein zum Marktplatz, setzt sich auf eine Bank und wartet. Sie steht Schmiere, während in der Spielothek die Automaten geleert werden. Da taucht eine Passantin auf dem Marktplatz auf. Es werden ein paar Worte gewechselt, die Frau geht, kommt mit einem Hund zurück und setzt sich zur Mitangeklagten auf die Bank. Dann schrillt in der Spielhalle ein Alarm. Die 32-Jährige macht sich Dünne. Sie fährt zur Wohnung des Freundes. Gegen 4.30 Uhr kommt angeblich die Spielhallenaufsicht und holte sich ihren Anteil ab. 14 Tage vor der Tat tauchte die „glorreiche Idee“ erstmals in der Runde auf, berichtet ihr Freund. Aus einer Spinnerei wird harte Realität. Er zieht einen Bekannten aus Koblenz hinzu. Gegen 1.30 Uhr kommt in der Tatnacht angeblich die Nachricht des Angestellten, dass der letzte Kunde gerade raus sei. Die Angeklagten betreten das Gebäude durch eine nicht verschlossene Bistrotür.

Wie viele Automaten letztlich aufgebrochen wurden, weiß er nicht mehr. Alles verläuft offenbar recht dilettantisch, er verletzt sich am Finger, verliert die Handschuhe. Die Beute aus den Automaten kippen sie in eine großen Tasche, in der sich zuvor das Tatwerkzeug befand. Dann sehen die nächtlichen Besucher, was sich auf dem Marktplatz tut. Sie fesseln laut Aussage den Angestellten für die Kamera und verlassen die Spielhalle über den Notausgang. Dabei geht die Alarmanlage los. Die Täter suchen mit 4500 Euro Beute das Weite. Versprochen hatten sie sich mehr.

„Der Spielhallenangestellte zeigte uns, welche Bereiche mit Kameras bestückt sind, wo Sicherungen rausgemacht werden müssen und wie es sich mit den internen Alarmen an den Automaten verhält“, sagt der weitere Mitangeklagte aus Koblenz. „In der Spielothek haben wir ihn in eine Ecke gezogen und gefesselt“, schildert er das weitere Vorgehen. „Später haben wir die Kabelbinder gelöst, dann half er mit, die Automaten aufzubrechen und zu leeren. “Die Polizei kam über eine Funkzellendatenauswertung auf die Spur der Angeklagten. Dabei fielen zwei Handynummern auf. Eine stammte aus dem gleichen Ort, den die Mitangeklagte der Spaziergängerin unvorsichtigerweise in der Tatnacht auf der Bank am Alten Markt genannt hatte. Eine Durchsuchung ihrer Wohnung führte zu den beiden mutmaßlichen Mittätern. Das Kuriose: Ursprünglich war die 32-Jährige für den „Schmiere-Job“ gar nicht vorgesehen, doch ein anderer habe sich einfach zu blöde angestellt“, meint ihr Freund.

Der Prozess wurde ausgesetzt. An einem noch zu bestimmenden Termin zwischen April und Juni soll es weitergehen.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

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