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Neuwied

Poetry Slam: Nachwuchspoeten wetteiferten in Neuwied um die Affenmütze

Christina Nover

Des Künstlers Lohn ist der Applaus. Und manchmal auch eine Affenmütze. Bei den Poetry-Slams in der Kulturkuppel Neuwied ist es nämlich guter Brauch, dass die Zuschauer eine Plastiktüte mit Geschenken für den Sieger füllen. Geld, Bonbons und Kondome finden sich in der Regel am häufigsten in der Tüte, die durch die Reihen gegeben wird. Doch zwischendrin finden sich hin und wieder auch Besonderheiten – wie eine Plüschmütze im Affen-Design. So passiert am Montagabend beim Nachwuchs-Spezial der Deichstadt Dichterschlacht.

Ella Anschein (Mitte) konnte sich im Finale der Deichstadt Dichterschlacht gegen Julian Meerländer und Dilara Yüksek durchsetzen.
Ella Anschein (Mitte) konnte sich im Finale der Deichstadt Dichterschlacht gegen Julian Meerländer und Dilara Yüksek durchsetzen.
Foto: Christina Nover

Insgesamt fünf junge „Slammer“, von denen keiner älter als 21 Jahre war, wetteiferten um die Zuschauergunst. Moderiert wurde der Abend wie üblich von Felix Bartsch. Als erstes kletterte Dilara Yüksek aus Münster auf die Bühne und zog das Publikum mit einem Text über einen Wanderzirkus in den Bann. Mit kraftvoller Stimme schilderte sie den Kontrast des Zirkus zu seinem Villengespickten Umfeld, wo „Geld auf Rädern steht“ und das Wort Familie „nur eine Floskel auf dem Klingelschild“ ist.

Isabelle Klaes war aus Bad Honnef gekommen, um ihren „Brief an den Alltag“ vorzulesen, der von Freundschaft, Liebe und entschwundenen magischen Momenten berichtete. Auch Sarah Wilbert aus Asbach hatte etwas mitzuteilen, von großen und kleinen Träumen sowie guten und schlechten Tagen. Klaes und Wilbert konnten die Zuschauer jedoch nicht ganz so fesseln, wie die restlichen Nachwuchs-Poeten. Sie fielen nach der ersten Abstimmung raus.

Neben Yüksek schafften es auch Julian Meerländer (aus Kassel) und Ella Anschein ins Finale. Hatte der einzige männliche Teilnehmer in der Vorrunde noch mit einem Text über positives Denken viele Lacher geerntet, versuchte er es im Finale mit einem nachdenklicherem Stück. Statt kurioser Vergleiche wie: „Wenn du auf die Fresse gefallen bist: Denk positiv. Andere fallen in eine Kreissäge“ gab es einen Vortrag über Mut und Angst.

Die Bonnerin Ella Anschein, die der ein oder andere Zuschauer schon von einem früheren Poetry-Slam in der Kulturkuppel bekannt war, hatte zwar einen etwas holprigen Start, konnte mit ihrem gesellschaftskritischen Text zu 1,99 Euro-Schnitzeln dennoch genug Stimmen absahnen, um dann im zweiten Anlauf als Gangster-Rap-Oma zu überzeugen. Wie es der Zufall so wollte, sprach auch Dilara Yüksek als alte Frau in ihrem zweiten Beitrag zum Publikum – nur gab es bei ihrem Rückblick aus dem Atombunker heraus nicht ganz so viel zu lachen.

Über die Affenmütze und den restlichen Inhalt der Gewinnertüte konnte sich schließlich Ella Anschein freuen, die von den Zuschauern zur Siegerin gekürt wurde. In ihrem letzten Text schlug sie dann noch mal ruhigere Töne an und zeigte damit, dass sie all das vereinte, was den Dichternachwuchs in der Kulturkuppel an diesem Abend auszeichnete: Mal schräg, mal nachdenklich, mal gesellschaftskritisch – aber dabei immer wortgewandt. Dies lässt auf viele weitere vielseitige Poetry-Slams hoffen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)
Von unserer Redakteurin Christina Nover

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