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    Bundestagswahlkampf: Ist medizinische Versorgung auf dem Land gefährdet?

    Etwa die Hälfte der niedergelassenen Ärzte in Deutschland gehen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig wollen immer weniger junge Mediziner eine Praxis auf dem Land betreuen. Ein massiver Einbruch in der medizinischen Grundversorgung droht. Auch im Kreis Neuwied, wie der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel hervorhebt, der in Berlin Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages ist, wo ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit die medizinische Versorgung auf dem Land ist.

    Erwin Rüddel und Dr. Markus Bleckwenn beleuchteten das Thema<br />Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Foto: Sabine Nitsch
    Erwin Rüddel und Dr. Markus Bleckwenn beleuchteten das Thema
    Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum.
    Foto: Sabine Nitsch

    Im Gespräch mit dem Linzer Hausarzt Dr. Markus Bleckwenn und der Rhein-Zeitung beleuchtet er die aktuelle Lage und die Möglichkeiten, den aufziehenden Problemen in der Zukunft zu begegnen. „Wir haben derzeit eine optimale Versorgung, die wir behalten wollen. Deswegen sind Kooperationen und Vernetzung wichtig. So können personelle Ressourcen sinnvoller genutzt werden, und Patientenströme entsprechend verteilt werden“, umreißt er Rüddel Lösungsansätze, bevor er zusammen mit Bleckwenn ins Detail geht.

    Ein Problem, warum der Hausarztberuf nicht so attraktiv bei angehenden Medizinern ist, seien die langen Arbeitszeiten von 60 und mehr Stunden in der Woche. „Es muss sich endlich mal um die Leistungserbringer gekümmert werden. Viele geben auf, weil sie ein Burn-out haben“, meint Bleckwenn. Ärzte müssten gefragt werden, wie man ihnen das Leben erleichtern kann. „Es braucht ein verstärktes Qualitätsmanagement“, fordert er.

    Vernetzung sei das Zauberwort der medizinischen Versorgung der Zukunft, meint Rüddel. „Ziel muss eine verzahnte Versorgungsplanung sein. Disziplinübergreifende Medizinische Versorgungszentren (MVZ) werden in Verbindung mit Krankenhäusern und gut ausgebildeten Gemeindeschwestern das Rückgrat der Versorgung bilden“, ist Rüddel überzeugt. „Hausärzte müssen mit Krankenhausärzten ebenso zusammenarbeiten, wie mit Pflegekräften und dabei neueste Erkenntnisse der Gesundheitsforschung nutzen“, unterstrich er.

    Hierbei sei die digitale Vernetzung mit Apotheken, anderen Leistungserbringern im Gesundheitssektor und Pflegeeinrichtungen ebenfalls unerlässlich. Die elektronische Patientenakte oder das elektronische Rezept würden hier für eine bessere Versorgung und zu mehr Patientensicherheit beitragen. Ärzte brauchen auch finanzielle Anreize und Zuschüsse für die Einführung der technischen Voraussetzungen, meint Rüddel der in diesem Zusammenhang auf die Chancen der Telemedizin hinwies. Mit ihrer Hilfe könnte die Vernetzung und damit eine gute medizinische Versorgung in allen Regionen des Landes entwickelt werden.

    Eigentlich müssten bereits 20 Prozent mehr Ärzte ausgebildet werden, um bestehende Lücken zu füllen, meint Rüddel, der hier Versäumnisse in der Vergangenheit feststellt.

    „Wir brauchen deutlich mehr Medizinstudienplätze“, fordert er. Zudem führe das derzeitige Auswahlverfahren für das Medizinstudium dazu, dass die Tendenz zur Spezialisierung im Angestelltenverhältnis gestärkt wird, zulasten der Allgemeinmedizin in der Freiberuflichkeit. „Hier sind alle Länder gefordert. Wir brauchen erleichterte Zugangsbedingungen. Auch junge Menschen mit einem 2er-Abitur können gute Ärzte werden.“ Wir bräuchten Bewerbungsinterviews an den Hochschulen und Vergabe von Studienplätzen anhand einer „psychosozialen Quote“ die die Motivation des Bewerbers berücksichtigten. Wir bräuchten eine „Landarztquote“. Und: „Wir brauchen auch morgen noch das Krankenhaus und den Arzt um die Ecke“, betont Rüddel und ergänzt: Da die Versorgung im ländlichen Bereich aufwendiger sei als in großen Städten, sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) „endlich auch eine zusätzliche Vergütung für Landärzte umsetzen“. Sabine Nitsch

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