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Neuwied/Koblenz

Albtraum wird wahr: Sohn (20) lässt Vater im Schlaf überfallen

Hartmut Wagner

Es ist der Albtraum jedes Menschen: Ein Neuwieder (20) ließ seinen schlafenden Vater (56) nachts im Bett überfallen. Er holte um 3.30 Uhr zwei Maskierte ins Haus, gab ihnen einen 120 Zentimeter langen Axtstiel, legte sich ins Bett und ließ es geschehen. Die Maskierten richteten ein Blutbad an, prügelten auf den Vater ein – der erlitt eine Schädelfraktur, Rippenbrüche und Frakturen des Nasen- und Jochbeins.

Symbolfoto: dpa
Symbol
Foto: dpa

Jetzt, gut ein halbes Jahr nach der furchtbaren Tat, steht der Sohn vor dem Landgericht Koblenz und behauptet: „Ich liebe meinen Vater!“ Er gestand am zweiten Prozesstag, dafür verantwortlich zu sein, dass sein Vater fast totgeschlagen wurde. Doch er verstrickte sich immer weiter in Widersprüche – bis der Vorsitzende Richter Andreas Groß die Frage aufwarf, ob er dem Gericht vielleicht „gerade die Hucke volllügt“? Der Sohn behauptete: Ja, er schaltete nachts die Überwachungskamera am Haus seines Vaters ab, ließ die Täter hinein, gab ihnen Handschuhe und den Axtstiel. Aber nein, er habe nicht gewusst, dass sie seinen Vater verprügeln. Er sei davon ausgegangen, dass sie ihn nur zur Rede stellen wollen.

Der Sohn und seine beiden mutmaßlichen Komplizen (27, 42) stehen seit Ende Oktober vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gefährliche Körperverletzung vor. Den beiden Mitangeklagten außerdem einen heimtückischen Mordversuch. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen drohen lange Gefängnisstrafen.

Wer ist dieser Mann, der seinen eigenen Vater im Schlaf überfallen ließ? Er lebte nur die ersten Monate seines Lebens bei seinen Eltern, wuchs dann in einer Pflegefamilie auf, zog aber einige Zeit vor der Tat wieder zu seinem Vater. Er hat einen Hauptschulabschluss, begann drei Lehren, schloss aber keine ab. „Ich bin nicht so der einfache Mensch“, sagte er im Prozess. „Ich habe manchmal ein paar Fehler.“

So kam es laut seiner Aussage zum nächtlichen Überfall mit dem Axtstiel: Anfang 2017 haben Vater und Sohn oft Streit. Der 56-Jährige wirft dem 20-Jährigen vor, dass er zu wenig im Haushalt hilft, zu viel Alkohol trinkt und ihm 50 Euro gestohlen hat. Am 22. April eskaliert der Konflikt. Der Sohn besucht am Abend eine Kneipe in Neuwied-Engers, trinkt in großer Runde etliche Whiskeycola und erzählt einem Bekannten (42) vom Streit mit seinem Vater. Als die Kneipe gegen Mitternacht schließt, fahren beide mit anderen Kneipengästen zur Mutter des Bekannten und trinken weitere Whiskeycola. Dann beschließen sie, dem Vater einen Denkzettel zu verpassen. Sie überreden einen Kumpel (27) mitzumachen, laufen zu dritt gegen drei Uhr los und kommen nach ein paar Kilometern an das Haus des Vaters. Dort übernimmt der 42-Jährige das Kommando. Der Sohn schildert dies im Prozess so: „Er ging direkt ins Schlafzimmer und haute drauf.“

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein: Der Vater lag schwer verletzt im Schlafzimmer. Die beiden Maskierten flüchteten. Und der Sohn weckte seinen Bruder, der ebenfalls im Haus schlief. Sie riefen die Polizei. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Maskierten viermal zuschlugen. Der Vater überlebte den Angriff nur mit viel Glück: Durch den Schädelbruch drang ein Knochensplitter in sein Gehirn ein. Durch die Rippenbrüche entstand ein Pneumothorax, es gelangte Luft ins Vakuum zwischen Lunge und Brustwand. Beide Verletzungen waren lebensgefährlich.

Auch ein Mitangeklagter (27) sagte am zweiten Prozesstag aus: Er gestand, dass er bei der Bluttat dabei war. Aber auch er behauptet, nicht gewusst zu haben, dass eine Gewalttat geplant war. Der zweite Mitangeklagte (42) schweigt bisher. Der Prozess geht am 30. November weiter. Ein weiterer Prozesstag findet am 7. Dezember statt.

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

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