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    Idar-Oberstein

    Mit Alfred Peth verschwindet ein Stück altes Oberstein

    Alfred Peth ist tot, er starb am Montag im Alter von fast 85 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Mit ihm ging nicht nur einer der fundiertesten Kenner der Heimatgeschichte, speziell der Obersteiner Historie, sondern es endet auch die Geschichte einer Familie, die die Stadt geprägt hat.

    So lange es seine Gesundheit zuließ, betätigte sich Alfred Peth als kundiger und unterhaltsamer Stadtführer durch Oberstein.
    So lange es seine Gesundheit zuließ, betätigte sich Alfred Peth als kundiger und unterhaltsamer Stadtführer durch Oberstein.
    Foto: Jörg Staiber

    Von unserem Reporter Jörg Staiber

    Fast 200 Jahre bestand das Bekleidungshaus Treibs, ehe sich nach sechs Generationen im Familienbesitz Ende 2007 die Ladentür zum letzten Mal schloss. Bis wenige Tage vor seinem Tod gehörte Peth zum Stadtbild Obersteins, oft begegnete man ihm in der Fußgängerzone, jeden kennend, immer bestens informiert über das städtischen Geschehen, für jeden ein paar freundliche Worte parat – entsprechend dem Gegenüber auf Hochdeutsch oder Platt.

    Geboren wurde Alfred Peth am 2. November 1931, der Vater kam als Soldat in russische Kriegsgefangenschaft, der drei Jahre ältere Bruder musste 16-jährig als Luftwaffenhelfer an die Front. Peth machte 1950 am Göttenbach-Gymnasium Abitur. Zwei große Leidenschaften hatte er schon als Schüler: Mineralogie und Geschichte, beide Fachrichtungen hätte er gern studiert, aber er entschied sich für die Fortführung des elterlichen Geschäfts. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung in der Spinnerei Lampertsmühle in Otterbach, dann studierte er in Reutlingen Textilkunde. Tätigkeiten in größeren Textilhäusern in Mannheim und Frankfurt folgten, bevor er – zunächst mit der Mutter – die Leitung des elterlichen Betriebes übernahm. Peth gehört zu den Mitbegründern der Verkehrs- und Werbegemeinschaft Idar-Oberstein, dem Vorläufer der Interessengemeinschaft.

    Trotz allen beruflichen Engagements ließen Peth die frühen Leidenschaften nicht los. 1962 wurde er Mitglied bei den Heimatfreunden Oberstein, 1964 in den Vorstand gewählt, dem er 38 Jahre angehörte, davon 32 Jahre als Vorsitzender. Eng mit Peths Wirken verknüpft ist die Entwicklung des einstigen Heimatmuseums zur Topadresse für Mineralienfreunde aus aller Welt mit vielen seltenen und ungewöhnlichen Steinen, die spektakulärsten in dem unter Peths Leitung errichteten Kristallsaal.

    Mehr als 100 Sonderausstellungen, die von Oberstein oft in andere deutsche oder europäische Museen wanderten, hat Peth zusammengestellt und betreut. Hinzu kommen zahlreiche Fachpublikationen, an denen er als Autor oder verlegerisch mitwirkte. Die von Peth an das Museum gestiftete Sammlung "Mineralien auf Briefmarken" gehört zu den weltweit umfassendsten ihrer Art.

    Beinahe noch bedeutender ist Peths Wirken als Stadthistoriker. Seine Führungen durch Oberstein, die er bis ins hohe Alter anbot, waren ein intellektuelles Vergnügen, ebenso spannend wie unterhaltsam verknüpfte er seine profunden historischen Kenntnisse mit einem schier unerschöpflichen Schatz an Geschichten und Anekdoten rund um die Stadt, ihre Architektur und ihre Bewohner. Ähnlich war es mit den Vorträgen etwa über Herkunft und Einflüsse der heimischen Mundart, die er noch bis vor wenigen Wochen hielt. Rege beteiligte er sich auch am Vereinsleben, war lange Jahre Vorstandsmitglied des Burgenvereins, gehörte zu den Mitbegründern des Kunstvereins Obere Nahe. Peths Wirken wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. 1982 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Band, zuvor den Landesverdienstorden und Ehrungen von Stadt und Kreis.

    Besonders gefreut hat er sich über den Kulturpreis der Stadt für sein Lebenswerk, mit dem er im Januar dieses Jahres ausgezeichnet wurde. Das Preisgeld hat Alfred Peth für die Errichtung eines Glockenturms am Friedhof Almerich bestimmt. Er soll die einst vom Idar-Obersteiner Ehrenbürger Otto Decker gestiftete Glocke der früheren Baracken-Kirche Struth aufnehmen, die Peth vor der Zerstörung bewahrte. Alfred Peth wird am Donnerstag auf dem Friedhof Almerich beigesetzt.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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