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    Idar-Oberstein

    Helmut Kohl: Namensgeber für Idar-Obersteiner Europaplatz – Reaktionen

    CDU-Fraktionschef Armin Korpus standen zwar immer noch Schweißperlen auf der Stirn, aber er betonte nach der Abstimmung erleichtert: „Ich freue mich riesig.“ Mit 18 Ja- bei 12 Nein-Stimmen und drei Enthaltungen folgte der Rat am Mittwochabend einem entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion. Der Europlatz wird künftig den Namenszusatz „Helmut Kohl“ erhalten. Der Abstimmung war eine kontroverse Diskussion vorausgegangen. Weite Teile der SPD, die LUB- und die Linke-Fraktion stimmten gegen die Umbenennung.

    Nach kontroverser Diskussion beschloss der Stadtrat: Der Europaplatz erhält den Namenszusatz „Helmut Kohl“. Die Kosten für die neue Beschilderung übernimmt die CDU-Fraktion, die sich wünscht, dass die offizielle Einweihung zeitnah erfolgt.
    Nach kontroverser Diskussion beschloss der Stadtrat: Der Europaplatz erhält den Namenszusatz „Helmut Kohl“. Die Kosten für die neue Beschilderung übernimmt die CDU-Fraktion, die sich wünscht, dass die offizielle Einweihung zeitnah erfolgt.
    Foto: Hosser

    Die Stadt Idar-Oberstein ist somit die erste in Rheinland-Pfalz, die beschlossen hat, einen Platz nach dem früheren Kanzler Helmut Kohl zu benennen. Der Mainzer Stadtrat entscheidet erst Ende November über den gleichen Sachverhalt. In Frankenthal ist ein entsprechender Beschluss zurückgenommen worden.

    Foto: Frei

    Facebook-Reaktionen

    Im Netzwerk Facebook wird die Entscheidung für den Helmut-Kohl-Europaplatz unter anderem auf der Seite der NZ diskutiert. Die Contra-Stimmen überwiegen eindeutig.

    • Birgit Hönig: Idar-Oberstein hat also jetzt einen Helmut-Kohl-Europaplatz. Der erste in Rheinland-Pfalz. Ob die Einweihung in aller Stille mit der Witwe stattfindet? Oder mit viel Tamtam und Medienspektakel? Ob der eher unschöne, wenig frequentierte Platz dadurch gewinnt? Oder ungewollt zur Satire wird?
    • Hellmuth Welker: Wie lange wird es wohl dauern, bis man für einen wirklich verdienten und engagierten Bürger der Stadt eine Straße oder einen Platz umbenennen wird: Alfred Peth zum Beispiel?
    • Reiner Gräber: Wieso wundert mich das nicht? Eine typische Idar-Ober-steiner Entscheidung: voll am Willen der Bürger vorbei!
    • Daniel Köhler: Wenn Helmut Kohl in Oberstein ist, muss ein Bruce-Willis-Platz nach Idar ...
    • Anna Ga: Mir persönlich ist es egal, wie der Platz genannt wird. Als Frau kann man da ja eh nicht mehr ohne Begleitung ab einer bestimmten Uhrzeit drüberlaufen.
    • Elisabeth Bleisinger: Gibt es in Idar-Oberstein sonst keine Probleme? Pure Geldverschwendung.
    • Frederik Grüneberg: Sehr gut. Der Europaplatz wird nach einem der größten Europäer der Geschichte benannt.

    Die Idee, den Platz „Auf der Idar“ nach Helmut Kohl zu benennen, habe zu kontroversen Diskussionen, aber auch zu sachlicher Kritik und Anregungen bis hin zu Alternativvorschlägen, auch im Ältestenrat, geführt. Korpus weiter: „Wir haben die Bedenken der Bürger und der Ratskollegen sehr ernst genommen, respektieren diese und sind nicht zuletzt deswegen von unserer ursprünglichen Idee abgerückt.“ Die Bezeichnung „Platz auf der Idar“ sei eine mit Tradition und solle in der Tat unverändert bleiben.

    Aber er habe auch viel Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten: „Dies hat uns bestärkt, an unserer Idee festzuhalten.“ Und so wurde nun der aus CDU-Sicht sogar noch besser geeignete Europaplatz in unmittelbarer Nähe zum Platz Auf der Idar“ gewählt. Die Kosten für die Beschilderung werde die CDU-Fraktion übernehmen. Die Stadt müsse kein Geld in die Hand nehmen.

    Marco Loch (SPD) kommentierte: „Sicherlich hat Helmut Kohl einen Platz in den Geschichtsbüchern verdient, aber deswegen muss man nicht kulthaft Plätze nach ihm benennen, zumal die Historiker sich nicht einig sind. Es ist einfach zu früh dafür.“ Zuallererst stehe dies Menschen zu, die sich nachweisbar und hilfreich für die Stadt eingesetzt haben – etwa Otto Decker, Willy Schmeyer oder auch Peter Caesar. Loch: „Was jedoch am wichtigsten ist: Die Bevölkerung selbst will keinen Helmut-Kohl-Platz.“ Ein deutliches Indiz dafür sei die Umfrage der Nahe-Zeitung auf Facebook gewesen. Dieses Argument griff auch sein Parteikollege Stefan Worst auf: „Wir sollten nicht gegen den Willen der Bürger entscheiden. So entstehen Gräben.“ Sein Antrag auf Vertagung des Antrages wurde mehrheitlich abgelehnt.

    Korpus, der den Antrag formuliert hatte, räumte ein, dass sein Vorstoß im Juni, den Platz „Auf der Idar“ umzubenennen, verfrüht gewesen sei. Gespräche hätten gezeigt, dass es sich bei „Auf der Idar" um eine traditionelle Bezeichnung handele, die die Bürger nicht aufgeben wollten. Das Vorpreschen im Juni habe auch daher gerührt, dass er und seine Mitstreiter (nicht alle CDU-Fraktionsmitglieder standen hinter Korpus' Vorschlag) den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, ins Auge gefasst hatte, um die Umbenennung vorzunehmen. Daher sei aus seiner Sicht Eile geboten gewesen, was sich aber rasch als Nachteil herausgestellt habe.

    SPD-Fraktionschef Josef Mähringer sagte: „Wir tun uns schwer. Wir erkennen Kohls Errungenschaften an, sehen aber auch die Zeit danach.“ Zudem habe der im Juni Verstorbene keine tragende Verbindung zur Stadt. Er betonte ausdrücklich, es gebe keine Abstimmungsvorgabe in der Fraktion. Sonja Gottlieb (Die Linke) kommentierte: „Die Stadt braucht diesen Platz nicht.“ Kohl sei definitiv eine „umstrittene Persönlichkeit“. Auch Verena Buschbaum (LUB) argumentierte: „Wenn Namensgebungen, dann bitte mit Blick auf lokale Persönlichkeiten wie zum Beispiel Alfred Peth.“

    1993 eröffnete der damalige Kanzler Helmut Kohl (rechts) – ein Mineraliensammler, wie Armin Korpus betonte – die Intergem.  Foto: Hosser (Archiv)
    1993 eröffnete der damalige Kanzler Helmut Kohl (rechts) – ein Mineraliensammler, wie Armin Korpus betonte – die Intergem.
    Foto: Hosser (Archiv)

    FDP-Fraktionschef Bernhard Zwetsch ist der Ansicht, dass der frühere Kanzler eine Würdigung seines Lebenswerks verdient habe: Man stimme geschlossen für den CDU-Antrag. Auch Thomas Engel (Freie Liste) sagte, er habe keine Probleme mit der Namensgebung. Elisabeth Jost (SPD) präsentierte die Idee, man könne dem Mineralienfreund Kohl ein noch unbenanntes Mineral zuordnen und ihm den Namenszusatz Helmut Kohl verleihen. Sie blickte zurück: „Die Platzierung des Otto-Decker-Gedenksteins, der sich ja auch auf dem Europlatz befindet, war schon damals eine Verlegenheitslösung.“

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    KOMMENTAR Eher eine emotionale Frage

    Daran besteht kein Zweifel: Die Stadt hat dringlichere Themen zu behandeln als die Frage, ob sie einen Helmut-Kohl-Platz erhält oder nicht. Andererseits: Viele Historiker und Politikwissenschaftler reihen Helmut Kohl in die Reihe großer deutscher Kanzler – Reichskanzler Otto von Bismarck, Willy Brandt, Konrad Adenauer – ein.

    Vera Müller
    Vera Müller

    In vier Legislaturperioden hat Kohl die Politik der Bundesrepublik geprägt. Wie außergewöhnlich das war, sehen wir aktuell: In Europa trieb er zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand den Ausbau der Europäischen Union voran. Der größte Verdienst Helmut Kohls ist aber fraglos die Umsetzung der Wiedervereinigung Deutschlands (Weichen stellten andere): „Ein Glücksfall der Geschichte“, wie die CDU-Bundesvize Julia Klöckner gestern bei ihrem Besuch in Idar-Oberstein treffend kommentierte.   

    Fernab aller sachlichen Gründe: In der Frage, ob man die Würdigung Kohls in einer Namensgebung für einen öffentlichen Platz in Idar-Oberstein ausdrückt oder nicht, geht es so früh nach dem Tod des Ex-Kanzlers eher um Emotionen als um historisch korrekte Bewertung – sofern es diese überhaupt jemals gibt. Wie Kohl Generationen später gesehen wird, wissen wir nicht: vermutlich tatsächlich als großer Europäer und Kanzler der Einheit.

        Mit Blick auf Josef Mähringers Kommentar zum Thema fällt einem ein Zitat des Philosophen Charles de Montesquieu ein: „Wo es den Rednern an Tiefe fehlt, da gehen sie in die Breite.“ Die Aussagen des SPD-Fraktionschefs wirkten recht verwaschen. Und eines muss man ja mal ganz klar sagen: Willy Brandt, seit 1993 Namensgeber für den Bahnhofsvorplatz (auch wenn das nur wenige wissen), war ganz sicher kein Gutmensch auf ganzer Linie und bekanntlich auch nicht über jeden Zweifel erhaben. Damals hielt die CDU-Fraktion den Ball flach und trampelte nicht auf einem Herzenswunsch der SPD-Kollegen herum. Da sollte man sich gegenseitig auch mal lassen können.

    E-Mail an vera.mueller@rhein-zeitung.net

    Ist jetzt auch ein Bruce-Willis-Platz nötig?

    Idar-Oberstein. Moritz Forster bezieht für die Jusos der Stadt Stellung und bedient sich dabei satirischer Mittel: „Bruce Willis, welcher erwiesenermaßen schon öfter in der Stadt weilte als der durch die Umbenennung eines Platzes nun gewürdigte Helmut Kohl, hat ebenso eine Würdigung in Form der Umbenennung eines Platzes verdient. Ihn können wir nämlich sogar noch öffentlichkeits- und pressewirksam einladen – Bruce Willis ist ein weltweit bekannter Schauspieler, der internationale Anerkennung erfährt.“

    Willis sei sicher auch „ein Mineralienfreund in irgendeiner Weise. Wenn es nun nicht höchste Zeit ist, ihn zu würdigen, dann weiß ich auch nicht. Was würde er sich wohl mehr wünschen als die Anerkennung seiner Heimatstadt? Man sollte nicht warten und pietätlos gefühlte drei Tage nach seinem Ableben erst daran denken, wie die CDU-Fraktion es im Falle von Helmut Kohl getan hat. Bruce Willis hat sogar nach der Zeit seiner Kindheit nochmals seine Heimatstadt besucht.“

    Die Tatsache, dass Bruce Willis Sonderbotschafter der Stadt ist, könne nur zu einem Schluss führen: Der Marktplatz im Stadtteil Idar im Schatten der Marktschule müsse unverzüglich in „Bruce-Willis-Platz“ umbenannt werden.

    Nun bleibe offen, wie die Bevölkerung die Umbenennung des Europaplatzes auffasst, schreibt Forster weiter. Auch fraglich bleibe, ob es nicht vergleichbar mit Frankenthal zu einem schnellen Umdenken der Antragsteller aufgrund der schlechten Akzeptanz in der Bevölkerung komme.

    Forster weiter: „Gut war die Entscheidung zur Umbenennung nicht – eher ein symbolischer Akt der politischen Verzweiflung und der Inhaltsleere der CDU-Fraktion, welcher damals zu Zeiten der ersten Antragstellung Bewegung in den Bundestagswahlkampf der CDU bringen sollte. Es gibt wohl wichtigere Themen in der Stadt, die gelöst werden wollen. Themen, die die Zukunft der Jugend betreffen, und nicht die, ob nun ein Platz nach einem Mann der Geschichte benannt werden soll.“ vm

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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