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    Schneppenbach

    Eigentlich trafen sie sich nur auf ein Bier

    „Schreiben war für mich mal eine Nebenbeschäftigung, mittlerweile ist es mein Beruf“, sagt der 64-jährige Schriftsteller Reiner Engelmann aus Schneppenbach. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Lebensgrundsatz spiegelt sich auch in meinen Büchern wider“, sagt Engelmann weiter, dessen Erstlingswerk 1992 erschien, bisher folgten 34 weitere. Das neueste Buch, „Anschlag von rechts“, ist soeben erschienen.

    Reiner Engelmann aus Schneppenbach mit seinem frisch erschienen Buch  Foto: Günter Weinsheimer
    Reiner Engelmann aus Schneppenbach mit seinem frisch erschienen Buch
    Foto: Günter Weinsheimer

    Alle Engelmann-Bücher haben einen realistischen Hintergrund. „Bücher, die vom Nationalsozialismus handeln, sind für mich von besonderer Bedeutung, weil sie einen Einblick geben in das unvorstellbare Leid der Menschen, die von den Nationalsozialisten ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden“, sagt er.

    Für das Buch „Der Fotograf von Auschwitz“ hat Reiner Engelmann übrigens den 29. Jugendmedienpreis „Das Rote Tuch“ der SPD Charlottenburg-Willmersdorf erhalten. Außerdem wurde Engelmann als Dank und Anerkennung für seine besonderen Verdienste im Kampf „Wider das Vergessen“ kürzlich zum Ehrenmitglied des Freien Deutschen Autorenverbands ernannt.

    Die Geschichte in „Anschlag von rechts“ spielt irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland. Drei Freunde treffen sich auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp. Engelmann recherchierte die Hintergründe dieser Tat, analysierte die Beweggründe und befragte die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: Rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeachtet geblieben.

    Der 184 Seiten umfassende Roman – auch als E-Book erhältlich – beruht auf wahren Begebenheiten. „Die Tat, die hier beschrieben wird, wurde so tatsächlich verübt. Taten wie diese gab und gibt es viele in Deutschland“, sagt Reiner Engelmann, der die betroffenen Geflüchteten in langen Gesprächen befragte, jedoch ihre Namen und auch Teile ihrer Geschichten leicht veränderte, um sie zu schützen. „Der Kern von dem, was sie mir anvertraut haben, wird in dem Buch wiedergegeben“, sagt er. Der Autor hat mit seinen Recherchen auch tiefe Einblicke in die Psychologie der Täter und ihrer Familienangehörigen gewonnen.

    „Fiktion und Realität greifen ineinander über, geben einen Einblick in die Gedankenwelt von Tätern und erklären, warum Menschen ihre Heimat verlassen, um in einem anderen Land Schutz für das eigene Leben und das der Familie zu suchen“, sagt Engelmann im Gespräch mit unserer Zeitung.

    Engelmanns berufliches Engagement gilt vor allem der Gewaltprävention, der Menschenrechtsbildung und der Leseförderung. Sein erstes Buch erschien 1992 zu einem damals wie heute brisanten Thema: Fremdenfeindlichkeit. Seither sind zahlreiche Jugendbücher von ihm, insbesondere zu sozialen Brennpunktthemen, erschienen, darunter auch viele Menschenrechte-Lesebücher.

    1969 gründete Engelmann zusammen mit Freunden die erste Gruppe von Amnesty International im Hunsrück. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert er regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Die nächste Studienfahrt für Erwachsene findet Ende April 2018 mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Simmern statt.

    Reiner Engelmann hat sein nächstes Werk bereits geplant. Es soll im Frühjahr 2018 unter dem Titel „Der Buchhalter von Auschwitz“ erscheinen und dreht sich um die konkrete Person Oskar Gröning. Dafür hat Engelmann in Auschwitz und Budapest recherchiert. Gröning wurde voriges Jahr im Alter von 95 Jahren zu vier Jahren Haft verurteilt wegen Beihilfe zum 300.000-fachen Mord in Auschwitz. Dort fing der gelernte Bankkaufmann im Sommer 1944 Ungarntransporte an der Rampe in Auschwitz-Birkenau ab und verwaltete die Geldsachen und Wertgegenstände der Opfer.

    „Anschlag von rechts“ ist im cbj-Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

    Von unserem Mitarbeiter Günter Weinsheimer

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