40.000
Aus unserem Archiv
Kaisersesch

Mit Knöllchen, die nichts kosten, ist es jetzt vorbei

Petra Mix

So mancher Falschparker, vor allem in der Stadt Kaisersesch, wird sich nach dem ersten Ärger über ein Knöllchen an der Windschutzscheibe verwundert die Augen gerieben haben: Im März hat der neue kommunale Vollzugsbeamte der Verbandsgemeinde (VG) Kaisersesch in gerade einmal zehn Tagen im Außendienst zwar 197 Mal registriert, dass eine Verwarnung angebracht gewesen wäre – gekostet hat das aber nichts. Seit April wird ernst gemacht. Schon in den ersten Tagen hatte der Beamte 23 echte Knöllchen verteilt. Und dabei auch Wiederholungstäter entdeckt, die auf die Null-Euro-Aktion offenbar nicht angesprungen sind.

Wer in der Verbandsgemeinde Kaisersesch falsch parkt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Seit einigen Wochen überwacht ein Vollzugsbeamter den ruhenden Verkehr. Er setzt aber in der Tat auf die Einsicht der Falschparker.
Wer in der Verbandsgemeinde Kaisersesch falsch parkt, muss mit einem Knöllchen rechnen. Seit einigen Wochen überwacht ein Vollzugsbeamter den ruhenden Verkehr. Er setzt aber in der Tat auf die Einsicht der Falschparker.
Foto: Kevin Rühle

„Glück gehabt“, stand im März auf dem Knöllchen. Kein Scherz, sondern eine vorbeugende Maßnahme mit entsprechender, ernst gemeinter Botschaft: Das Fahrzeug sei nicht entsprechend den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) abgestellt gewesen. Man hoffe, dass sich der Falschparker zukünftig an die Regelungen der StVO hält und damit ein Verwarngeld vermieden wird. Darunter waren Grüße der Verbandsgemeinde und die Höhe des Verwarngeldes von 0,00 Euro zu lesen. Damit ist es nun vorbei. Zwischen 10 und 30 Euro sind je nach Sachlage fällig. Erwähnenswert: Parken kostet in der Stadt Kaiseresch und den Orten der VG nichts. Lediglich eine Parkscheibe ist nötig. Ein Parkkonzept, das es in der Form im Kreis nur noch in der VG Ulmen gibt.

Auf die Null-Euro-Aktion war der neue Vollzugsbeamte, der vorher zehn Jahre als Justizvollzugsbeamter gearbeitet hat und seinen Namen nicht nennen möchte, aufmerksam geworden. „In Unkel wird das so ähnlich gehandhabt. Es ging uns auch darum, einen vernünftigen Übergang zu finden, um nicht direkt kostenpflichtig verwarnen zu müssen.“ In der VG Unkel am Rhein (Kreis Neuwied) hat die Verwaltung zum Beispiel kostenfreie Neujahrsknöllchen verteilt, um die Bürger zu sensibilisieren.

Denn hinter der Aktion steckt ein Anliegen: „Der dringliche Appell an die Bürger in der Verbandsgemeinde, ihr Parkverhalten in und um Kaisersesch zu verbessern“, heißt es vonseiten der Verwaltung. Der Vollzugsbeamte ist viel draußen unterwegs, kommt aus einem Ort in der VG und kennt auch in der Stadt die Stellen, „wo es auch einmal brenzlig werden kann“. Er hat in den ersten Wochen draußen viel mit Bürgern und Anwohnern gesprochen. Dass er jetzt Knöllchen verteilt, das dürfte nicht jedem gefallen. „Die Resonanz war aber durchaus positiv, denn viele sehen ein, dass die Situationen mitunter gefährlich sind. Es gibt aber auch Leute, die sind ärgerlich und sagen mir das auch sehr deutlich.“ Und wieder andere ignorieren die Regelung offensichtlich. „Wiederholungstäter, die ein Stück weit unbelehrbar sind und immer wieder an derselben Stelle falsch parken, die gibt es natürlich auch“, sagt der Beamte.

Eine typische Situation aus dem Alltag: Wer hat das nicht schon einmal getan? Schnell rechts ranfahren, kurz zum Bäcker oder zum Bankautomaten. Und sich keine Gedanken darüber machen, was in dieser kurzen Zeit alles passieren kann. Mütter mit Kinderwagen, alte Menschen mit Rollatoren, Kinder sind latent gefährdet, wenn sie auf die Straße ausweichen müssen oder ganz einfach nicht gesehen werden. Vor allem in der Stadt Kaisersesch gibt es einige Stellen wie die Poststraße, wo das gehäuft vorkommen kann. Nicht aus Parkplatznot, sondern aus Bequemlichkeit. „Denn Parklätze gibt es genug, nur 100 Meter laufen wollen nicht alle“, meint der Vollzugsbeamte.

Gravierende Verstöße der Straßenverkehrsordnung mussten von der Aktion ausgenommen werden. Überall da, wo es zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer kommt, reicht eine Verwarnung ohne Verwarngeld nicht mehr aus. Gefährlich wird es dann, wenn jemand beispielsweise aus Bequemlichkeit auf dem Gehweg parkt. Hier werden Fußgänger behindert und zum Teil genötigt, den Gehweg zu verlassen und auf die Straße auszuweichen. Fußgängerüberwege werden zu potenziellen Unfallstellen, wenn der Gehweg wegen parkender Fahrzeuge nicht einsehbar ist. „Wir erhoffen uns von der Aktion, dass sich die Bürger offen mit den Themen Parken und Straßenverkehrsordnung auseinandersetzen und in positiver Weise sensibilisiert werden, das eigene Verhalten im Straßenverkehr zu überdenken und wenn nötig zu ändern“, erklärt Albert Jung, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kaisersesch.

Übrigens: Am ersten Tag der Aktion wurden innerhalb von nur zweieinhalb Stunden 27 Null-Euro-Verwarnungen ausgestellt. Hiervon entfielen die meisten Verwarnungen auf Fahrzeuge, in denen keine Parkscheibe ausgelegt war. Übrigens: An Aufklärung mangelt es nicht. Was zu beachten ist, können Interessierte übrigens in einem Park-Knigge nachlesen, den der Vollzugsbeamte als Flyer verteilt.

Von unserer Redaktionsleiterin Petra Mix

Was kostet Parken ohne Parkscheibe?

Parken auf dem Gehweg ohne Behinderung: 20 Euro

 

Parken auf dem Gehweg mit Behinderung:30 Euro

 

Trotz Ausschilderung ohne Parkscheibe geparkt (oder falsch eingestellt)

... für bis zu zehn Minuten: 10 Euro

... für bis zu eine Stunde: 15 Euro

... für bis zu zwei Stunden: 20 Euro

... für bis zu drei Stunden: 25 Euro

... für mehr als drei Stunden: 30 Euro

 

Quelle: Bußgeldkatalog

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Donnerstag

16°C - 30°C
Freitag

10°C - 22°C
Samstag

9°C - 19°C
Sonntag

14°C - 20°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach