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Cochem-Zell

Fürs Landleben wichtig: Dorfläden bringen Schwung in den Ort

Eigentlich bergen die Zahlen einer neuen Nahversorgungsstudie von Handwerkskammer (HwK) und Industrie- und Handelskammer (IHK) keine Überraschung: Im Kreis Cochem-Zell gibt es nur in weniger als der Hälfte der Ortsgemeinden Einzelhandelsgeschäfte, die Versorgung erfolgt hauptsächlich durch Bäckereien und Metzgereien. Supermärkte und Discounter sind lediglich in sieben Gemeinden vorhanden. Und doch zeigen sie eines deutlich: Der Einzelhandel zieht sich aus der Fläche zurück.

In Illerich ist man froh, sich im Dorfladen versorgen zu können. Zurzeit gibt es drei Dorfläden im Kreis, in Klotten ist ein weiterer geplant. Foto: Archiv Kevin Rühle
In Illerich ist man froh, sich im Dorfladen versorgen zu können. Zurzeit gibt es drei Dorfläden im Kreis, in Klotten ist ein weiterer geplant.
Foto: Archiv Kevin Rühle

„Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen eigentlich nur das, was wir kennen und schon länger wahrnehmen“, sagt Knut Schneider, der Cochem-Zeller Regionalgeschäftsführer der IHK. Es sei nicht nur so, dass sich der Einzelhandel als Nahversorger aus dem ländlichen Raum zurückziehe, auch der Onlinehandel grabe den lokalen Anbietern zunehmend das Wasser ab, gibt er zu bedenken. „Aber das ist nichts, was wir erst jetzt feststellen. Die Entwicklung beobachten wir ja schon länger“, betont er.

Dennoch sind die Zahlen der aktuellen Studie deutlich: 77 Gemeinden im Kreis haben sich an der Befragung beteiligt. Die meisten von ihnen (35,5 Prozent) stellen seit 2000 eine negative Entwicklung fest. Fast die gleiche Zahl (33 Prozent) berichtet von einer gleichbleibenden Entwicklung, während bereits knapp ein Viertel der Ortsgemeinden schon seit 17 Jahren keine Nahversorgung mehr hat.

Eine Verbesserung der Entwicklung gab es nach Angaben der befragten Bürgermeister lediglich in zwei Kommunen. Laut Studie weisen nur Cochem, Ulmen, Zell und Kaisersesch eine vollständige Versorgungsstruktur auf, in zwei weiteren Gemeinden (Lutzerath und Büchel) ist der Handel noch in vier oder mehr Kategorien vertreten. Dagegen weisen viele Orte gerade im Hunsrück und in der Eifel weiße Flecken auf, was den Einzelhandel angeht. Und die Hälfte der befragten Kommunen im Kreis erwarten keine Veränderung, 36 Prozent sehen die Zukunft sogar kritisch, während nur zehn Prozent, vor allem in der VG Cochem, positiv in die Zukunft schauen.

„Diese Studie könnte nun der Aufschlag sein für einen Masterplan“, hofft Knut Schneider. Jetzt müssten alle Beteiligten, Kommunen wie Wirtschaft, an einen Tisch und sich Gedanken machen über eine Strategie, um dem Verlust der Nahversorgung im ländlichen Raum entgegenzuwirken. „Es müssen neue Ideen entwickelt werden, es muss aber auch über die kommunalen Grenzen hinausgeblickt werden“, macht der IHK-Regionalgeschäftsführer deutlich. Die aktuellen Zahlen der Studie würden die Ist-Analyse liefern, jetzt gelte es, eine positive Stimmung zu erzeugen, damit es Änderungen gebe. „Es gibt immer noch viele Anbieter, die eher einem alten Denken verhaftet sind. Manche tun sich schwer, neue Dinge auszuprobieren“, bedauert er. Dabei gebe es Möglichkeiten, ist er überzeugt.

Eine davon sind Dorfläden, die auch im Kreis Cochem-Zell entstanden sind. Einer lernt seit dem vorigen Jahr in Illerich „das Laufen“. Ortsbürgermeister Helmut Braunschädel ist zuversichtlich. „Wir haben es nie bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben“, meint er gegenüber der RZ. Für das Dorf sei der Laden ein großer Gewinn, betont Braunschädel, der auch Vorsitzender des Vereins Dorfladen ist. „Die Nachfrage ist da, die Kunden kommen nicht nur aus Illerich, sondern auch aus umliegenden Dörfern. Und es trägt sich“, erzählt der Bürgermeister. Natürlich mache das viel Arbeit, aber es lohne sich. „Hier in Illerich kann sich jeder mit allem Notwendigen versorgen, die Grundversorgung wird hier gewährleistet“, unterstreicht Braunschädel.

Der Dorfladen ist eine wichtige Anlaufstelle im Ort. „Hier gibt es Gesprächsmöglichkeiten, hier kann man sich austauschen und treffen. Auch das ist für ein Dorf sehr wichtig“, ist Braunschädel überzeugt. Er könne anderen Gemeinden nur Mut machen, wenn es dort Überlegungen für einen Dorfladen gebe. „Ich bin jeden Tag froh damit“, sagt der Ortschef.

2011 wurde im Kreis in Greimersburg der erste Dorfladen eröffnet, 2017 folgte Illerich, in diesem Jahr dann Bremm. Für Klotten liegt eine Machbarkeitsstudie vor.

Von unserem Mitarbeiter
Dieter Junker

Cochem Zell
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