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Mosel

Die Tragödie von Kobern-Gondorf wirkt nach: Wie gefährlich ist die Mosel?

Thomas Brost

Die Tragödie von Kobern-Gondorf beschäftigt die Menschen in der Mosel-Region Tage danach noch immer. Auch Heinz Berg ist bestürzt. „Für mich ist das ein Schock ohne Ende.“ Ein Mann (69) und seine Enkelin (4) sind am vergangenen Dienstag bei Kobern-Gondorf ertrunken, wahrscheinlich aufgrund eines Unglücksfalles, wie Polizeisprecher Friedhelm Georg sagt.

Kerzen und Blumen liegen am Koberner Moselvorgelände. In der Nähe sind ein Großvater und seine vier Jahre alte Enkeltochter bei Kobern-Gondorf in der Mosel ertrunken.
Kerzen und Blumen liegen am Koberner Moselvorgelände. In der Nähe sind ein Großvater und seine vier Jahre alte Enkeltochter bei Kobern-Gondorf in der Mosel ertrunken.
Foto: Sascha Ditscher

Heinz Berg, ehemaliger Ortsbürgermeister von Bremm, kennt die Tücken der Mosel allzu gut. Beim Blick aus seinem Fenster sieht er auf der anderen Calmontseite eine beliebte Strandfläche gleich unterhalb der Klosterruine Stuben. „Da gehen die Leute einfach ins Wasser, obwohl die Schifffahrtsrinne dort sehr eng ist.“ Doch wie soll man sich an der Mosel verhalten? Wo bestehen Bade- und Schwimmverbote? Was tut man am besten, wenn man unvermittelt in den Fluss fällt? Wer kommt zu Hilfe? Die RZ nach nachgefragt.

Verhalten bei einem Unglücksfall: Marco Vogt warnt vor „heldenhaftem Aktionismus“, falls jemand ins Wasser gestürzt ist. Der erfahrene Strömungsretter von der DLRG Andernach empfiehlt, sofern es geht, kühlen Kopf zu bewahren. „Das Wichtigste zuerst: Rettungskräfte unter Telefon 112 anrufen“, sagt Vogt, der im DLRG-Landesverband für die Kommunikation zuständig ist. Dann sollte man vom sicheren Ufer aus mit einem Ast oder einen Stock versuchen, dem Verunglückten Halt zu geben oder – noch besser – mit einem Rettungsring. Binnen 8 bis 15 Minuten nach der Alarmierung treffen die Rettungskräfte ein. „Die sollte man einweisen, wobei häufig das größte Problem der genaue Verbleib des Verunfallten ist.“

Ausrüstung der Rettungskräfte: Für einen Unglücksfall, bei dem Menschen in der Mosel in Not sind, sind alle freiwilligen Feuerwehren am Strom gewappnet, betont Kreisfeuerwehrinspekteur Berthold Berenz (Cochem-Zell). „Jede Wehr dort besitzt ein Rettungsboot, das über eine eigene Slipanlage zu Wasser gelassen werden kann.“ Sobald bei der Feuerwehr die Einsatzmeldung „Kind im Wasser“ oder „Person im Wasser“ eingeht, „wird die Alarmschleife vergrößert und Nachbarwehren werden mitalarmiert“. Mit ein oder zwei Mann besetzt, bringt man so schnell wie möglich ein kleines Rettungsboot ins Wasser gebracht. Nachalarmiert wird jedoch in jedem Fall ein größeres Mehrzweckboot. In Cochem-Zell besitzen die Feuerwehren Treis, Cochem und Senheim eines. „Sie sind talseitig an den Schleusen stationiert“, erläutert Berenz.

Verhalten beim Sturz in den Fluss: Den beiden Passanten, die sich bei Kobern-Gondorf in die Fluten gestürzt und die Verunglückten an Land gezogen haben, zollt Feuerwehrmann Berenz Respekt und Anerkennung. Ungefährlich ist ein solcher Schritt nämlich nicht. Dies unterstreicht auch Simone Reuter, Vorsitzende der Ortsgruppe Cochem der DLRG: „Klar, einerseits muss ich helfen. Aber wenn ich selbst bloß ein leidlicher Schwimmer bin, ist die Gefahr groß, dass ich selbst in Not gerate.“ Man benötigt Zutrauen in die eigene Technik, Kraft und Kondition, um selbst durch die Mosel zu schwimmen.

Baden und Schwimmen im Fluss: Vor mehr als 50 Jahren hat Heinz Berg das Schwimmen in der Mosel gelernt. „Wie viele andere Jungs in meinem Alter“, sagt der Bremmer. Die Zeiten am Fluss haben sich grundlegend geändert – und die Risiken. Die Mosel ist eine viel befahrene Schifffahrtsstraße. „Und die Sogwirkung großer Schubverbände und Passagierschiffe ist enorm heute, sie schlägt bis ans Ufer durch“, sagt DLRG-Mann Marco Vogt aus Hambuch. Für ihn sollte „die Vernunft die Oberhand gewinnen“. Im Klartext: die Mosel als Schwimmressort „tunlichst meiden“. Tragische Schwimmunfälle in Rhein und Mosel mit tödlichem Ausgang gibt es „so ein bis zwei pro Jahr“, sagt ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Wie der vor wenigen Jahren in St. Sebastian: Ein Familienvater mit Migrationshintergrund war es gewöhnt, in seiner Heimat in den Fluss zu gehen. „Das war dort Usus, aber da gab es lange nicht so tückische Strömungen und Unterströmungen wie im Rhein“, erinnert sich Bernhard Lademann, Koordinator der Notfallseelsorge im Kreis MYK. Der Mann kam nicht gegen die Strömung an und ertrank.

Bade- und Schwimmverbote: Prinzipiell ist es untersagt, an Häfen und in der Nähe von Steigern zu baden. An beiden Bereichen besteht für Schwimmer die Gefahr, durch Schiffskette oder Schiffsmotoren verletzt zu werden. Auffällig: Oftmals sind keine Verbotsschilder da – und wenn, sind sie für den Unkundigen nicht erkennbar. So zeigt beispielsweise ein Schild, das der österreichischen Bundesflagge in Rot-Weiß-Rot ähnelt an, dass Baden verboten ist. Warum keine Schilder? „Geregelt ist dies doch in den Verordnungen von Rhein und Mosel“, sagt der Polizeisprecher. Und auch Marco Vogt glaubt, dass ein Schilderwald „nichts bringt“. Zumal sich ein Erwachsener, der an der Mosel oder dem Rhein groß geworden ist, „nicht sagen lässt, wo er zu schwimmen hat“.

Von unseren Redakteuren Thomas Brost und David Ditzer

Die Moselschifffahrtspolizeiverordnung von 1995

Von 1995 stammt die Moselschifffahrtspolizeiverordnung, die das Miteinander auf dem Fluss regelt. In Paragraf 6.22 geht es um die Gebiete, die für Schwimmer und Wassersportler tabu sind.

Darin heißt es: „Personen, die ohne Benutzung eines Fahrzeuges eine Wassersportart betreiben, dürfen dafür eine hinter einem Tafelzeichen A1 liegende Wasserfläche nicht benutzen.“ In der Anlage sind mehrere Verbotszeichen A1 dargestellt, darunter Schilder, rote Lichter oder rote Flaggen. bro

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