40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mayen/Andernach
  • » Stadtrat begräbt Vorhaben: Aus für Windpark im Mayener Hinterwald
  • Aus unserem Archiv
    Mayen

    Stadtrat begräbt Vorhaben: Aus für Windpark im Mayener Hinterwald

    Die Entscheidung ist gefallen: Im Mayener Hinterwald sollen keine Windkraftanalgen gebaut werden. Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, das Vorhaben zum Bau von drei Windrädern bei Kürrenberg nicht weiter zu verfolgen. Lediglich die Grünen und Oberbürgermeister Wolfgang Treis wollten an dem Projekt festhalten.

    Über diesen Weg hätte der Windpark erschlossen werden sollen. Doch nun steht das Projekt vor dem Aus.
    Über diesen Weg hätte der Windpark erschlossen werden sollen. Doch nun steht das Projekt vor dem Aus.
    Foto: Andreas Walz

    Dem Beschluss war eine lange Diskussion vorausgegangen. Zunächst sah es so aus, als würde der Rat doch keine Entscheidung treffen. Helmut Sondermann (SPD) bezeichnete den Beschlussvorschlag der Verwaltung, der einen Ausstieg aus dem Vorhaben unter Würdigung eines nicht vollständig auszuschließenden Schadenersatzrisikos vorsah, als Farce. Er beantragte, das Thema ohne Beschluss zurückzuverweisen. „Wir haben keine Genehmigungsfähigkeit vorliegen. Dann braucht es auch keine Entscheidung des Stadtrats“, sagte Sondermann, der OB Treis und dessen Verwaltung angriff: „Sie versuchen, dem Rat die Verantwortung zuzuschieben.“

    Kritik an der Sitzungsvorlage der Verwaltung übte auch die CDU. „Die Fakten, die wir vorliegen haben, sind immer noch nicht schlüssig“, sagte Hannelore Knabe. Und Bernhard Mauel gab zu bedenken, dass mehrere Aspekte des Vorhabens nicht geklärt seien.

    Ein Knackpunkt war die Erdbeben-Messstation in der Grube Bendisberg. Deren Messungen könnten durch neue Windräder bei Kürrenberg beeinträchtigt werden. Daher besteht die Möglichkeit, dass die geplanten Anlagen nicht genehmigungsfähig sein könnten. „Dazu können wir aber noch keine Aussage treffen“, sagte Jürgen Heilmayer von der Stadtverwaltung. „Ohne ein förmliches Verfahren und die entsprechenden Stellungnahmen wäre das Kaffeesatzleserei.“

    Nach einer Sitzungsunterbrechung zog die SPD ihren Antrag zurück, „nachdem uns hier dargelegt wird, dass keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind“, erklärte Helmut Sondermann. „An einer zeitlichen Verzögerung ist uns nicht gelegen“. FWM und FDP hatten zuvor schon dafür plädiert, in der Sache zu entscheiden. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir so lang darüber sprechen“, sagte Hans-Georg Schönberg (FWM).

    In der Tat hatte sich in der Diskussion bereits abgezeichnet, dass die Mehrheit im Stadtrat gegen den Bau der Windräder bei Kürrenberg ist. Schönberg selbst wies darauf hin, dass sich die Voraussetzungen für die Ausweisung von Windrädern verändert haben, seit sie 2011 per Ratsbeschluss auf den Weg gebracht worden war. „So ein großes Projekt ist mit einem Umsetzungsrisiko verbunden, und unterm Strich bleibt mittlerweile viel zu wenig hängen“, sagte er mit Blick auf die gesunkene Ertragserwartung des geplanten Windparks. Hannelore Knabe nannte es „legitim und mutig, zu einer anderen Auffassung zu kommen, wenn sich Fakten ändern“. Und Rolf Schäfer (SPD) betonte: „Die Zielrichtung muss klar sein: Keine Windkraftanlagen im Hinterwald.“ Wenn sich nun eine Gelegenheit böte, „ohne Konsequenzen aus der Sache rauszukommen, dann findet das unseren Geschmack“. Schäfer wies ebenso wie Bernhard Mauel darauf hin, dass der Mayener Wald als Biotop und Naherholungsgebiet schützenswert sei.

    Anders argumentierten die Grünen. Beim Mayener Hinterwald handele es sich um einen Nutzwald, in dem jährlich bis zu 15.000 Bäume gefällt würden, sagte Natascha Lentes. „Die Windkraftgegner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihnen nicht um die Umwelt, sondern um die Optik geht.“ Matthias Kaißling ergänzte, dass Mayen seiner Verantwortung für kommende Generationen nicht gerecht werde: „Andere suchen sich Flächen für die Windkraft, aber Mayen drückt sich.“ Und Aaron Lentes wies darauf hin, dass die Stadt 125.000 Euro in das Projekt investiert habe. „Wenn wir den Windpark ablehnen, haben wir nicht einmal einen Gegenwert. Das ist wie Geld verbrennen“, sagte er.

    Die Firma ABO Wind aus Wiesbaden, die die Anlagen errichten wollte, weist auf den „hervorragenden Windstandort“ und die „enorme Wertschöpfung“ durch Pachteinnahmen hin. Auf RZ-Anfrage teilt die Firma mit: „Wir bedauern die Entscheidung des Stadtrates sehr und halten sie für ein falsches Signal für zukünftige Projekte.“ Und weiter: „Eine solche Rolle rückwärts, wie die Stadt sie nun vollzieht, macht sie als Partner wenig vertrauenswürdig.“

    Von unserem Redakteur Hilko Röttgers

    RZ-Kommentar: Mayener Lippenbekenntnisse

    Die Mehrheit im Stadtrat beerdigt die Mayener Windkraft-Pläne. Das Projekt scheitert aber nicht an guten Gründen, sondern am fehlenden Willen.

    Denn viel mehr kann man ja kaum verlangen: Der geplante Standort erfüllt bislang alle gesetzlichen Vorgaben. Und er ist offenbar gut geeignet, weil wohl reichlich Wind bläst. Was bedeutet hätte, dass die Stadt mit den Windrädern am Ende auch noch Geld verdient – vom Klimaschutz ganz abgesehen. Wenn das nicht reicht, um das Projekt weiterzuverfolgen, was hätte es denn noch gebraucht?

    Sicher: Es hätte Unwägbarkeiten bei der weiteren Umsetzung gegeben – etwa wegen der Erdbeben-Mess-station in der Grube Bendisberg. Diese Unwägbarkeiten hätte man klären sollen. Das Projekt jetzt bei erster Gelegenheit zu begraben, zeigt, dass die Mayener Bekenntnisse zur Windkraft bloß Lippenbekenntnisse waren.

    E-Mail an den Autor: Hilko.Roettgers@rhein-zeitung.net

    Mayen-Andernach
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Mayen: 725 Jahre Stadt
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Samstag

    1°C - 3°C
    Sonntag

    3°C - 3°C
    Montag

    3°C - 6°C
    Dienstag

    3°C - 5°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige