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Koblenz

Mord in Neuendorf: Was geschah auf dem Netto-Parkplatz?

Seit 2003 hat Servet Kuru, genannt Ozan, in Koblenz gelebt, nach zwei anderen Adressen – ebenfalls in Neuendorf – die letzten Jahre in der Hochstraße. Hier ist er auch gestorben.

Ob der Streit am Parkplatz des Netto-Marktes zwischen der Neuendorfer Straße und dem Brenderweg mit dem Mord an Servet Kuru, genannt Ozan, zusammenhängt, ist unklar. Die Polizei sucht weiter nach Zeugen für den Vorfall, der sich Anfang/Mitte Dezember ereignet haben soll.
Ob der Streit am Parkplatz des Netto-Marktes zwischen der Neuendorfer Straße und dem Brenderweg mit dem Mord an Servet Kuru, genannt Ozan, zusammenhängt, ist unklar. Die Polizei sucht weiter nach Zeugen für den Vorfall, der sich Anfang/Mitte Dezember ereignet haben soll.
Foto: Sascha Ditscher

Irgendwann im Dezember wohl ist er getötet worden, die Polizei spricht von Mord. Mit Plakaten fordert sie nach wie vor Zeugen auf, sich zu melden. Denn noch immer ist nicht klar, warum der Neuendorfer sterben musste.

Hat der lautstarke Streit, in den Ozan laut Zeugenaussagen Anfang oder Mitte Dezember am Netto-Parkplatz zwischen der Neuendorfer Straße und dem Brenderweg verwickelt gewesen sein soll, mit seinem Tod zu tun? Die Polizei sucht weiter nach Menschen, die mehr zu dem Vorfall sagen können.

An diesem kalten Morgen sind nur diejenigen auf dem Parkplatz unterwegs, die zwischen Autos und Supermarkt hin- und zurückeilen. Verwaist ist der Platz zwischen Einkaufswagen und Bäckerei. "Da sind sonst fast immer Leute am Fahrradständer, aber die haben mich eigentlich nie gestört", sagt eine Frau. Ein Mann sieht das anders: "Hier sind immer welche, überall, und krakeelen."

In den vergangenen Monaten, ja vielleicht sogar Jahren, standen hier sehr oft Leute zusammen, berichtet eine Bäckerei-Mitarbeiterin: "Hier ist immer jemand, manchmal auch nachts." Meistens sind die Menschen friedlich, stehen nur zusammen, unterhalten sich, trinken. "Sie kaufen eine Flasche Bier, trinken die draußen aus, bringen die leere Flasche zurück und kaufen eine neue", beschreibt eine Mitarbeiterin des Netto-Marktes.

Mit diesem Plakat wird gefahndet.
Mit diesem Plakat wird gefahndet.
Foto: Polizei Koblenz

Manchmal gibt es aber auch Probleme: "Die haben sich schon so geprügelt, dass einer mit seiner blutigen Nase an unserer Scheibe hing", sagt die Backwarenverkäuferin. Sie und ihre Kollegin haben dann die Polizei gerufen.

Bei dem Netto-Parkplatz in Lützel "handelt es sich um einen fast alltäglichen Treffpunkt von circa fünf bis sieben Personen mit sozial schwachem Hintergrund", so die Polizei auf Nachfrage. "Nicht alle Personen sind wohnsitzlos." Zu Polizeieinsätzen kam es in der Vergangenheit selten. Und wenn die Polizei gerufen wurde, dann waren Pöbeleien innerhalb dieses Personenkreises die Ursache. "Auch erhielt eine Person in der Vergangenheit ein Hausverbot beim Netto-Markt."

Seit einiger Zeit ist es aber ruhiger geworden am Treffpunkt, das mag an der Witterung liegen. Die Verkäuferinnen jedenfalls sind froh darüber: "Unsere Kunden fühlen sich belästigt", sagt die Angestellte aus der Bäckerei. Der Laden hat auch eine kleine Außengastronomie, "da stört es sehr, wenn die Leute quasi direkt neben denen sitzen, die hier Bier trinken".

Ein Fall für das Ordnungsamt war es aber fast nie, allein schon deswegen, weil der Parkplatz ein Privatgelände ist, so Stadt-Pressesprecher Thomas Knaak. "Einsätze des Ordnungsamtes in diesem Bereich liegen einige Jahre zurück. Damals haben sich dort Personen am Rand des Parkplatzes auf öffentlichem Grund aufgehalten, es wurden dann Aufenthaltsverbote erteilt."

Netto selbst äußert sich nicht auf Anfragen der RZ. "Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir uns vor dem Hintergrund laufender polizeilicher Ermittlungen in dieser Sache nicht zu Ihren Fragen äußern können", so Unternehmenssprecher Peter Fobe.

Servet Kuru traf sich jedenfalls häufig mit anderen an dem Parkplatz, weiß die Polizei. Zwar hatte er eine Wohnung, aber er hat sich auch an anderen Stellen häufiger an Treffpunkten aufgehalten, die von Obdachlosen frequentiert werden. Dazu gehören der Hauptbahnhof, der Güterbahnhof in Lützel, der Bereich unter der Balduinbrücke und der Rewe-Markt im Rauental.

Ob diese Kontakte mit der Ermordung zusammenhängen, ist noch unklar. Kurus brauner Verspa-Roller, mit dem er oft unterwegs war, wurde jedenfalls am Lidl-Parkplatz am Wallersheimer Weg gefunden. Ob er ihn dort selbst abgestellt hat, der Täter oder jemand, der ihn möglicherweise vom Täter gekauft hat, ist unklar.

Der Leichnam von Servet Kuru soll nach der Freigabe in der Türkei beerdigt werden, so die Polizei. Er hinterlässt eine geschiedene Ehefrau und drei Kinder.

Die Polizei bittet Zeugen, die etwas zu Kurus Umfeld, zum Streit am Netto-Markt Anfang/Mitte Dezember oder zu dem braunen Roller mit dem Kennzeichen 125 KMU sagen können, sich zu melden: unter Telefon 0261/1031 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, wurde eine Belohnung in Höhe von 10 000 Euro ausgesetzt.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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