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Mit DNA-Test gegen Kot: So kann es klappen – Experte im Interview

Viele Gemeinden haben Probleme mit Wegen und öffentlichen Flächen, die durch Hundekot verschmutzt sind. Bislang haben die Kommunen noch kein effektives Mittel gefunden, um dem Problem Herr zu werden. Dr. Andy Wende aus Burscheid bietet mit seiner Firma Mistkäfer den Aufbau einer DNA-Datenbank für Hunde an. Die RZ sprach mit ihm.

Andy Wende aus Burscheid bietet mit seiner Firma Mistkäfer den Aufbau einer DNA-Datenbank für Hunde an.
Andy Wende aus Burscheid bietet mit seiner Firma Mistkäfer den Aufbau einer DNA-Datenbank für Hunde an.
Foto: privat

Vor Kurzem hatte der Oberfeller Bürgermeister René Henric gar einen möglichen DNA-Test ins Spiel gebracht, um den Verursacher auf die Spur zu kommen. Was viele für einen verfrühten Aprilscherz gehalten haben, wird in anderen Ländern bereits praktiziert. Dr. Andy Wende aus Burscheid bietet mit seiner Firma Mistkäfer den Aufbau einer DNA-Datenbank für Hunde an. Die RZ sprach mit ihm.

Herr Wende, wie kommt man eigentlich auf die Idee, DNA-Tests für Hunde durchführen zu wollen?

Ich bin Biochemiker und Molekularbiologe und von daher in diesem Fachbereich bewandert. Ich habe aus einer eigenen Notlage heraus recherchiert. Wir haben zu Hause eine Gassimeile. Und da hat sich auch durch das Aufstellen von Beutelspendern nichts verbessert. Bei der Recherche habe ich festgestellt, dass es solche Tests in den USA zum Beispiel schon gibt. Das wollte ich auch in Deutschland anbieten.

Werden denn DNA-Tests bei Ihnen zu Hause inzwischen durchgeführt?

Nein. Der Bürgermeister von Burscheid war nicht daran interessiert. Überhaupt wird das in Deutschland noch nicht praktiziert. Wir haben mehrere Anfragen von Kommunen. Die würden es gern machen, müssen es rechtlich aber noch abklären.

Haben Sie denn derzeit überhaupt Kunden, die Ihre Dienste in Sachen DNA-Datenbank in Anspruch nehmen?

Wir haben ein Pilotprojekt mit einer Wohnungsbaugenossenschaft in Jena.

Und wie läuft das ab?

Wenn ein Mieter Hunde oder Katzen halten möchte, nimmt die Wohnungsbaugenossenschaft im Zuge der Erlaubnis eine Abstrichprobe, die wir dann zugeschickt bekommen. Wir führen die DNA-Analysen durch und legen die Ergebnisse in einer Datenbank ab. Die Wohnungsbaugenossenschaft bekommt von uns Probenahmesets zugeschickt und nimmt die Proben selbst. Das ist denkbar einfach. Genauso funktioniert auch die Analyse von Kothaufen auf Kundenseite: Abstrich machen und einschicken. Alles, was dafür nötig ist, liefern wir.

Haben Sie auch andere Kunden?

Wir haben in mehreren Fällen auch schon Einzelfallanalysen gemacht. Wenn sich zum Beispiel ein Vermieter an uns gewendet hat, weil ein Mieter standhaft behauptet hat, dass die Haufen nicht von seinem Hund beziehungsweise seiner Katze stammen. Wir haben dann mit unseren Analysen die Beweise gesichert, was die Mieter in Erklärungsnot oder zum Umdenken brachte.

Eine solche DNA-Datenbank halten viele ja für einen verfrühten Aprilscherz. Passiert Ihnen das auch häufiger, dass Sie mit Ihrem Anliegen nicht ernst genommen werden?

Die, die an uns herantreten, nehmen es natürlich ernst. Ich glaube, dass der Normalbürger, der nichts mit der Biologie zu tun hat, abgeschreckt ist, sobald er das Wort DNA hört. Dabei ist das das Normalste der Welt, ohne DNA gäbe es kein Leben auf der Erde. Und die Kosten für eine solche Datenbank sind viel geringer, als man das vielleicht erwartet. Letztlich liegt es am Kunden. Der muss die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen.

Apropos Kosten: Was kostet denn so eine DNA-Datenbank für Hunde überhaupt?

Wir verlangen 24 Euro pro Hund pro Jahr. Das ist zur Aufrechterhaltung der Datenbank und Betreuung des Kunden. Hinzu kommen einmalig 45 Euro für die Analyse des Maulabstrichs bei der Erstregistrierung. Die Analysen eines Kothaufens kostet noch mal jeweils 45 Euro.

Werden Sie eigentlich von Tierfreunden und Tierschützern angefeindet?

Wir haben schon mal Reaktionen bekommen. Da sagen dann Menschen pauschal: Wir haben so viel Probleme auf der Welt, und ihr kümmert euch um den Hundekot. Klar haben wir Probleme, aber der Hundekot ist eben auch ein Problem. Ist man deshalb ein schlechterer Mensch, wenn man sich um das eine Problem kümmert? Wir haben ja nichts gegen Hunde. Wir wollen nur, dass diejenigen, die sich nicht um die Beseitigung der Haufen kümmern, zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Gespräch führte Volker Schmidt

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