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Weißenthurm/Koblenz

Mafia-Strukturen in Klinik "Nette-Gut"? Koblenzer Polizist packt aus

Ein 39-Jähriger war das Oberhaupt einer Russenbande, die in der gefängnisähnlichen Psychiatrie „Nette-Gut“ eine Parallelgesellschaft etabliert hatte. Er koordinierte den Drogenhandel innerhalb der Klinik, saß bei den Mahlzeiten stets am Kopf des Tisches und genoss unter Mitpatienten mehr Respekt als jeder Therapeut. Das hat jetzt ein Polizist am Landgericht Koblenz geschildert. Dabei berief er sich vor allem auf Aussagen eines Stationsleiters und eines Ex-Patienten.

Symbolbild: dpa​
Symbolbild: dpa​

Seit November 2017 steht der mutmaßliche Bandenchef vor Gericht. Mitangeklagt sind zwei seiner ehemaligen Mitpatienten aus der Weißenthurmer Psychiatrie, sowie seine Eltern und seine Schwester. Diese sollen dem 39-Jährigen laut Staatsanwaltschaft Subutex-Tabletten in die Klinik geschmuggelt haben. Dort habe das Patienten-Trio mit den Drogen gedealt. Vor Gericht wollte sich bisher keiner der Angeklagten äußern.

Das „Nette-Gut“ gilt als die am höchsten gesicherte Maßregelvollzugsanstalt in Rheinland-Pfalz. Doch der Koblenzer Polizist zeichnete im Prozess das Bild einer Psychiatrie, die mit illegalen Drogen überschwemmt ist. So kamen die Beamten der mutmaßlichen Dealerbande auf die Schliche:

Im Mai 2016 wird ein krimineller Junkie im „Nette-Gut“ untergebracht. In den vorangegangenen drei Jahren Haft war es ihm gelungen, clean zu bleiben. Doch als er in die Weißenthurmer Psychiatrie kommt, wird er rückfällig. Der Polizei wird er später sagen, dass im „Nette-Gut“ ein derartiges Überangebot an Drogen bestand, dass er sich dem nicht entziehen konnte. Am 13. August 2016 muss er wegen einer Überdosis in den Kriseninterventionsraum. Dort offenbart er sich einer Ärztin, erzählt ihr, dass er sich 45 Gramm Spice für 145 Euro auf Kommission kaufte – und der 39-jährige Deutschrusse das Geld nun zurückfordere. Daraufhin ruft er aus Angst bei der Polizei an und bittet um ein Gespräch. Am 16. August stürmt der Mann panisch aus einer Gruppensitzung und schluckt verpackte Rasierklingen. Nicht, um sich umzubringen, sondern, um aus dem „Nette-Gut“ verlegt zu werden – weil er sich dort nicht mehr sicher fühlt. Am 22. August muss er zurück in die Psychiatrie, verbarrikadiert sich aber noch am selben Tag im Kriseninterventionsraum. Dort randaliert er so heftig, dass er an ein Bett gefesselt werden muss. Am darauffolgenden Tag erzählt der Mann all das der Polizei.

Er behauptet, dass der 39-jährige Chef einer Russenclique sei. Dass dessen Einfluss bis in die JVA Diez reiche. Und dass er deshalb schnellstmöglich aus dem „Nette-Gut“ raus müsse. Polizisten sprechen mit dem Stationsleiter, durchsuchen die Zimmer diverser Patienten. Doch bei dem Deutschrussen finden sie keine Drogen. Schließlich aber entdeckt am 17. Februar 2017 ein Patient Subutex-Tabletten in einem Zigarettenautomaten und meldet dies dem Klinikpersonal. Kameraaufnahmen sollen beweisen, dass die Eltern und die Schwester des 39-Jährigen die Drogen reingeschmuggelt haben. Das Videomaterial wird demnächst vor Gericht gesichtet. Zurzeit ist der Prozess noch bis April terminiert.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

Koblenz
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