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    Kritik am Koblenz-Glas und am Koblenz-Becher will nicht abreißen

    Wer bei Koblenzer Großveranstaltung etwas trinken möchte, muss neuerdings ein Koblenz-Glas oder einen Koblenz-Becher kaufen - das ist kein Pfandsystem. Auch zum Ende der Festsaison regt sich Kritik daran.

    Mitte Juni gab es auch beim ersten „Electronic Wine“-Festival am Deutschen Eck Wein nur in den speziellen Koblenz-Gläsern, die für 3 Euro gekauft werden müssen. Aus Sicht der Veranstalter hat dieses Konzept viele Vorteile, vor allem ökologische und finanzielle. Doch viele Besucher ärgern sich.
    Mitte Juni gab es auch beim ersten „Electronic Wine“-Festival am Deutschen Eck Wein nur in den speziellen Koblenz-Gläsern, die für 3 Euro gekauft werden müssen. Aus Sicht der Veranstalter hat dieses Konzept viele Vorteile, vor allem ökologische und finanzielle. Doch viele Besucher ärgern sich.
    Foto: Koblenz-Touristik

    Frank Gail ist nur einer von Zehntausenden Besuchern beim Schängelmarkt gewesen, aber vermutlich spricht er vielen aus der Seele: Das System mit den Bechern und Gläsern, die man auch beim Stadtfest vor gut zwei Wochen für 3 Euro kaufen musste, findet er blöd. Bereits bei drei Veranstaltungen der Koblenz-Touristik (inklusive Rhein in Flammen) hatte es in diesem Jahr das gleiche Verfahren gegeben.

    Der 51-Jährige war beim Schängelmarkt mit drei Kumpels unterwegs. Er holt eine Runde Bier für alle: 12 Euro für die Becher. „Die haben wir dann irgendwo stehen gelassen, die Rumschlepperei nervt ja“, sagt er. Dann holt ein anderer vier Wein für alle: 12 Euro für die Gläser. Die Männer ärgern sich. Von Umstehenden hören sie, dass die ihre Getränke in umliegenden Kneipen geholt haben, um das System zu umgehen. Nicht mal unbedingt wegen des Geldes: „Wenn die Stadt Geld benötigt, sollen sie die Getränkepreise erhöhen oder Eintritt nehmen“, sagt Frank Gail.

    Eintritt zu nehmen, das geht nicht, sagt Tom Steinebach von der Koblenz-Touristik. Der Eigenbetrieb hat das Mehrwegsystem in diesem Jahr erstmals bei seinen eigenen Festen (dem Augusta-Fest am Rhein, dem kleinen Festival „Electronic Wine“ am Deutschen Eck und beim Sommerfest rund um Rhein in Flammen) eingeführt. Das Koblenzer Stadtmarketing hat das Prinzip dann für den Schängelmarkt übernommen. Bei diesem großen Stadtfest ist es sowieso nicht möglich, Eintritt zu nehmen, aber auch bei Rhein in Flammen nicht – allein schon wegen der Gema-Gebühren, die bei der großen Veranstaltungsfläche schnell auf einen sechsstelligen Betrag kämen, rechnet Steinebach vor.

    Um etwas Geld reinzubekommen – und um weniger Müll zu produzieren –, gibt es deshalb jetzt diesen Becher beziehungsweise das Glas. Nur in diesen Gefäßen werden die Getränke an den Ständen ausgeschenkt. Von den 3 Euro, die die Besucher dafür zahlen, bleiben zwischen 1 und 1,50 Euro bei der Koblenz-Touristik hängen. Die Standbetreiber selbst verdienen am Becher etwa 90 Cent, am Glas 70. Damit will die Koblenz-Touristik einen Ausgleich schaffen, falls durch das Mehrwegsystem weniger Getränke verkauft werden. Denn nicht jeder ist bereit, die 3 Euro mehr zu zahlen, das weiß man. Manche verzichten auf das Bier, bringen es selbst mit oder holen es eben aus der nächsten Kneipe.

    „Wir bieten beim Sommerfest auf acht Bühnen rund 400 Künstler, ein tolles Feuerwerk, zwei Tage Kinderfest, sehr gute Sicherheitsvorkehrungen“, wirbt Steinebach. Wenn man mit Kindern in einen Indoor-Spielplatz geht, ist man leicht 20 oder 25 Euro los, sagt er. „Da müssten 3 Euro für einen Becher doch drin sein.“ Das sehen auch viele Besucher so, ist er überzeugt. „Interessanterweise kommen Beschwerden eher von Älteren. Die Jüngeren zahlen für Veranstaltungen sonst auch Eintritt, die akzeptieren das eher.“

    Vereinzelte Kritik haben auch die Mitarbeiter der Koblenz-Touristik gehört, vor allem aber die Gastronomen an den Ständen, die sich häufig mit Kunden herumstreiten mussten, die ihr Geld zurückhaben wollten, weil sie das Trinkgefäß für einen Pfandbecher hielten. Diese Kommunikation muss man vielleicht verbessern, so Steinebach. Spätestens im November wollen sich die Verantwortlichen nun zusammensetzen und überlegen, ob man bei dem System sonst auch noch nachbessern muss - und wenn ja, wie. Denn bei den Festen der Koblenz-Touristik will man auf jeden Fall an dem Konzept festhalten, höchstens in Kleinigkeiten nachbessern. Vielleicht ist es für ein Fest wie den Schängelmarkt, bei dem man viel herumläuft und einkaufen geht, aber wirklich auch weniger geeignet, räumt Steinebach ein.

    Ein Punkt, der häufig kritisiert wurde, wird aber wohl unangetastet bleiben: Viele Besucher hätten sich gewünscht, dass man an den Ständen Gläser gegen Becher und Becher gegen Gläser tauschen kann, um von Wein auch auf andere Getränke umsteigen zu können und wieder zurück. Das ist aber laut Steinebach nicht praktikabel: „Am Ende des Festes würden dann alle ihren Becher in ein Glas umtauschen wollen.“ Und das kostet die Koblenz-Touristik fast das Dreifache vom Glas, nämlich 1,30 Euro gegenüber rund 50 Cent. Außerdem wäre es ein logistisches Problem, weil überall genügend Becher und Gläser vorhanden sein müssten. Steinebach ist aber zuversichtlich: „In anderen Städten wie Mainz oder Darmstadt läuft das auch, vielleicht braucht es einfach seine Zeit, bis die Leute sich dran gewöhnt haben.“

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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