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Koblenz

Koblenzer Schloßstraße: Nachts Randale, tagsüber zu leer?

Doris Schneider

Es klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht: Die Schloßstraße empfindet der dort ansässige Gastronom Carlo Rotondaro einerseits als zu belebt, einerseits als zu unbelebt. Belebt nämlich nachts, wenn durchstreifende meist junge und vermutlich meist nicht mehr ganz nüchterne Menschen Blumentüten umwerfen, Pflanzen rausreißen oder irgendwo in eine Ecke pinkeln.

Gastronom Carlo Rotondaro betreibt seit 24 Jahren das Restaurant „Il Mulino“ in der Schlossstraße. Während andere in der Innenstadt sich eine Fußgängerzone wünschen, würde er sich freuen, wenn wieder Autos hier fahren dürften.
Gastronom Carlo Rotondaro betreibt seit 24 Jahren das Restaurant „Il Mulino“ in der Schlossstraße. Während andere in der Innenstadt sich eine Fußgängerzone wünschen, würde er sich freuen, wenn wieder Autos hier fahren dürften.
Foto: Doris Schneider

Obwohl der Leiter des Restaurants „Il Mulino“ darüber gar nicht lange sprechen möchte, denn er will die Straße nicht in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Zu unbelebt ist sie ihm vor allem tagsüber. Und seine Lösung klingt ein bisschen überraschend für die Innenstadt: Er wünscht sich wieder Autoverkehr in dem Abschnitt zwischen Casiono- und Viktoriastraße. Hier ist eine Fußgängerzone, nur Radfahren ist erlaubt, außerdem Lieferverkehr bis um 11 Uhr.

Wenn man die Schloßstraße gedanklich vom Löhrrondell in Richtung Schloss durchwandert, dann kommt man auf unterschiedliche Verkehrssituationen: Zunächst ist es eine relativ normale Einbahnstraße, auch wenn sie eine schmale Fahrbahn mit breiten Bürgersteigen und entgegenkommenden Radfahrern hat. Dann, im mittleren Teil, ist es eben besagte Fußgängerzone, in der auch Radler fahren dürfen. Und dann kommt zwischen Casinostraße und Schlossrondell der verkehrsberuhigte Bereich, in dem Autofahrer mit Hubbeln zum langsamen Fahren gebracht werden und Fußgänger Vorrang haben.

In der Ursprungsplanung war eigentlich die ganze Straße weitgehend autofrei oder zumindest autoarm. „Aber das war politisch nicht durchsetzbar“, sagt Stadtplaner Arndt Schwab. So kam es dazu, dass der westlichste Teil der Straße doch weiter für Autos ausgebaut wurde.

Rausgerissene Pflanzen, umgeschmissene Blumentüten, auch menschliche Ausscheidungen aller Art sind in der Schlossstraße vor allem an den Wochenenden gang und gäbe.
Rausgerissene Pflanzen, umgeschmissene Blumentüten, auch menschliche Ausscheidungen aller Art sind in der Schlossstraße vor allem an den Wochenenden gang und gäbe.
Foto: Andreas Egenolf

Das würde sich Carlo Rotondaro auch für den Teil wünschen, in dem sein Lokal liegt. Die Wünsche sind nicht ganz neu, erinnert sich Schwab. Vor ein paar Jahren, als die Fußgängerzone noch relativ neu war, hatte es bereits sehr kontroverse Diskussionen darüber gegeben. „Doch damals konnten wir mit Zählungen nachweisen, dass die Gestaltung schon viel mehr Frequenz in die Straße gebracht hatte“, sagt Arndt Schwab.

Carlo Rotondaro führt seit 24 Jahren das "Il Mulino" in der Schloßstraße. Die Bedingungen werden immer schlechter, sagt er.
Carlo Rotondaro führt seit 24 Jahren das "Il Mulino" in der Schloßstraße. Die Bedingungen werden immer schlechter, sagt er.
Foto: Doris Schneider

Rotondaro, der seit 24 Jahren das „Il Mulino“ betreibt, zuvor schon 20 Jahre in der Gastronomie in Koblenz gearbeitet hat und sich als italienischer Schängel fühlt, ist nicht überzeugt von der Fußgängerzone Schlosßstraße: „Meine Gäste wollen mit dem Auto kommen und in der Nähe parken.“ Dass das nicht möglich ist, das habe auch dazu geführt, dass sich bisher keine anderen Lokale in diesem Teil der Straße angesiedelt haben. Die würde er als Bereicherung, nicht als Konkurrenz ansehen. Ein gutes Beispiel ist für ihn die Situation in Bahnhofsnähe: Hier gibt es mittlerweile etliche Lokale, die Gäste können mit dem Auto kommen und je nach Appetit oder freien Plätzen in eins der zahlreichen Lokale gehen. Rotondaro weiß aber auch, dass er mit seinem Ruf nach Autos ziemlich allein dasteht. Die meisten Geschäfte in der Straße sind mit der Fußgängerzone ganz zufrieden, weiß er. Und am Vandalismus, der jetzt in den wärmeren Monaten sicher noch mehr zunehmen wird, ändert es vermutlich ohnehin nichts, ob Autos hier fahren oder nicht. Dass die Fußgängerzone zumindest für seine Außengastronomie doch angenehm ist, lässt Rotondaro nur halb als Argument gelten: „In Süditalien, wo ich herkomme, kann man das sechs Monate im Jahr nutzen. Aber hier in Deutschland sind es ja meist nur ein paar Wochen.“

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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