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    Boppard

    Lebensgefährliche Messerattacke auf junge Afghanin: Entsetzen in Boppard

    Die Afghanin, die am vergangenen Freitag durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt wurde, war gemeinsam mit ihren beiden Brüdern sowie Nichten und Neffen im Janusz-Korczak-Haus in Boppard untergebracht. Wir haben mit Boppards Bürgermeister und der Flüchtlingsheim-Betreuerin von der AWO gesprochen.

    Mit einem Rettungshubschrauber wurde die junge Afghanin in eine Klinik geflogen. (Symbolfoto)
    Mit einem Rettungshubschrauber wurde die junge Afghanin in eine Klinik geflogen. (Symbolfoto)
    Foto: Andreas Walz

    Nachdem am Freitagnachmittag in Boppard eine junge Afghanin mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt wurde, ermittelt nun die Koblenzer Staatsanwaltschaft gegen ihren Ehemann.

    Mit einem Küchenmesser soll mehrfach auf die 18-Jährige eingestochen worden sein. Die Afghanin erlitt bei dem Angriff in ihrem Zimmer lebensbedrohliche Verletzungen. Den Ärzten gelang es zwischenzeitlich, den Gesundheitszustand der jungen Frau durch eine Notoperation zu stabilisieren. Ihre Vernehmung war nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Harald Kruse noch nicht möglich.

    Der Ehemann, ein 22-jähriger Afghane, wurde bereits am Freitagnachmittag durch Beamte der Polizeiinspektion Boppard vorläufig festgenommen. Am Samstag wurde er dem zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Koblenz vorgeführt, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft Koblenz Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erließ. Der 22-jährige Beschuldigte bestreitet die Tat.

    Als es gegen 15.30 Uhr am Freitag zum Polizeieinsatz kam, wurde außerdem eine weitere Person aus dem familiären Umfeld der Frau vorläufig festgenommen. Sie wurde am Samstagmorgen wieder aus der Haft entlassen, da sich kein Tatverdacht ergeben hatte.

    Der Bürgermeister der Stadt Boppard, Walter Bersch (SPD), zeigt sich erschüttert von dem Vorfall: „Es ist einfach furchtbar, aber so etwas kann überall passieren“, betont er. Die Stadt hat das Janusz-Korczak-Haus, einem ehemaligen Schülerinnenwohnheim, von der AWO für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet und mit der AWO einen Kooperationsvertrag geschlossen. Eine Mitarbeiterin der AWO kümmert sich seitdem um die Betreuung der Menschen. Die Unterkunft in der Bopparder Kernstadt bietet Platz für bis zu 50 Asylbewerber, derzeit leben dort 41 Menschen.

    In der Vergangenheit sei es dort immer friedlich gewesen, sagt der Bürgermeister. Er betont: „Wir tun hier in Boppard sehr viel. Wir geben jeden Monat zusätzlich bis zu 10.000 Euro für die Betreuung der Flüchtlinge aus, wo andere sich komplett auf Ehrenamtliche verlassen.“

    Gegen den 22-jährigen Afghanen hat die Koblenzer Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags und der vollendeten gefährlichen Körperverletzung eingeleitet. Der Beschuldigte lebt im Lahn-Dill-Kreis und war am Freitag in der Flüchtlingsunterkunft in Boppard zu Besuch.

    Heike Cörper, bei der AWO zuständig für die Betreuung der Bewohner des Janusz-Korczak-Hauses und einer weiteren Unterkunft für Asylbewerber in Boppard-Buchenau, schildert, dass die Tat „in der Form nicht absehbar“ gewesen sei. In der Familie der jungen Afghanin habe es ein „sehr gutes Miteinander gegeben“. Und auch mit den anderen Bewohnern sei es in der Vergangenheit kaum zu Konflikten gekommen.

    „Es leben sehr viele Menschen hier unter einem Dach mit einer Gemeinschaftsküche und einer Gemeinschaftstoilette“, sagt sie. Da habe es in der Vergangenheit schon mal Diskussionen gegeben, ob die Toilette geputzt wurde oder nicht. Aber größere Streits wurden darüber hinaus nicht bekannt.

    Die hauptamtliche Betreuerin der AWO betont: „Derzeit herrscht unter den Bewohnern eine ganz große Betroffenheit.“ Viele Mitbewohner hätten mitbekommen, wie die junge Frau von den Rettungskräften weggebracht wurde. „Da kommen auch traumatische Erinnerungen hoch“, sagt Cörper. Kurz nach der Tat habe es eine Bewohnerversammlung gegeben, derzeit sei es eine große Aufgabe, die anderen Bewohner zu beruhigen und ihnen ihre Ängste zu nehmen.

    Über das Motiv der Tat oder sonstige Hintergründe liegen den Strafverfolgungsbehörden nach eigenen Angaben noch keine belastbaren Informationen vor. Sie werden laut Staatsanwaltschaft noch ermittelt werden müssen.

    Von unserer Redakteurin Denise Bergfeld

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