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    Diez/Ebertshausen

    Fall Mietnomaden: Behinderter Vermieter soll "Pause machen beim Treppensteigen"

    Die Vermieter der Mietnomaden klagen auf Eigenbedarf. Dafür wurde nun der Gesundheitszustand des Vermieters vor Gericht erörtert

    Von unserer Redakteurin Dagmar Schweickert

    Ob diese Klage überhaupt noch Sinn mache, hinterfragte Richter Frank Müller gleich zu Beginn der Verhandlung am Amtsgericht: Das Ehepaar Abt klagte auf Räumung und Herausgabe ihres Eigenheimes, in dem seit mehr als drei Jahren ein Ehepaar wohnt, das als „Mietnomaden“ bekannt geworden ist, weil es nie Miete zahlte, dem Gebäude aber durch die Haltung von mehr als 80 Hunden erheblichen Schaden zugefügt hatte. Mittlerweile hat die Verwaltung des Rhein-Lahn-Kreises die Zwangsräumung angedroht, wenn das Paar nicht bis zum 1. August ausgezogen ist (die RLZ berichtete). Diese Information hatte sich jedoch mit der Klage des Ehepaars überschnitten.

    Auch Richter Müller hatte am Morgen des Verhandlungstages den Artikel der Rhein-Lahn-Zeitung gelesen und einen neuen Schriftsatz von der Anwältin der Mieter, Marina Weil, erhalten. Sie stellte einen Antrag auf Klageabweisung. Obwohl nun also ohnehin die Zwangsräumung bevorsteht, fand die Verhandlung statt. Allerdings stellte Richter Müller auch eine offensichtliche Frage zu dem einsturzgefährdeten Haus und seinen Bewohnern: „Wie kann man ernsthaft gewillt sein, dort wohnen zu bleiben?“ Anwältin Marina Weil antwortete: „Ganz einfach, weil sie keine andere Wohnung finden.“Der Richter erinnerte daran, dass er den Beklagten schon in einer früheren Verhandlung eine sechsmonatige Räumungsfrist eingeräumt habe. Der damalige Anwalt der Mieter sei auch dafür gewesen, aber die beiden hätten mitgeteilt, dass sie dort wohnen bleiben wollen.

    Im Mittelpunkt stand nun die Frage, ob der Vermieter so krank ist, dass er aus gesundheitlichen Gründen Eigenbedarf anmelden kann, um in sein früheres Haus zu ziehen. Momentan wohnt er mit seiner Ehefrau in Attenhausen, muss dort 14 Stufen bewältigen, um in seine Wohnung zu gelangen. Im Haus, das die Mietnomaden zurzeit bewohnen, müsste er nur zwei Stufen überwinden. Die Mieter des Hauses waren nicht zur Verhandlung erschienen, sondern ließen sich durch ihre Anwältin vertreten. Einziger Zeuge bei dem Verfahren war der Hausarzt des Vermieters, Allgemeinmediziner Rainer Schröter aus Katzenelnbogen. Er war von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden und schilderte den Krankheitsverlauf und Gesundheitszustand des über 80-jährigen Norbert Abt detailliert und gut verständlich.

    Neben Grunderkrankungen wie Diabetes Mellitus, schweren Durchblutungsstörungen und einer chronischen Herzmuskelschwäche hat der ehemalige Metzger viele Operationen hinter sich, künstliche Gelenke in den Knie- und Hüftgelenken, einen Bypass und leidet an einer schweren Neuropathie. Seine Nervenempfindungen sind dadurch empfindlich gestört, beispielsweise kann er warm und kalt nicht gut unterscheiden und er hat Probleme, Bodenkontakt zu fühlen und sicher Tritt zu fassen. Die 14 Treppenstufen seien schon angesichts der Herzerkrankung ein Problem, da das Steigen der Stufen zu Atemnot und Schwäche führen könne. Er hatte bereits 2014 attestiert, dass es aus gesundheitlichen Gründen angezeigt wäre, in eine ebenerdige Wohnung umzuziehen.

    Die Anwältin der Gegenseite fragte intensiv nach der zeitlichen Abfolge, ab wann der Kläger worunter gelitten habe, seit wann genau er außergewöhnlich gehbehindert sei. Sie wies darauf hin, dass Norbert Abt sich ja für die Außentreppe an seinem Haus Zeit nehmen und zwischendurch eine Pause machen könne. Und: „Es ist für ihn ja eigentlich vor allem schwer, runterzugehen, weil nur auf einer Seite ein Geländer ist zum Festhalten.“

    Nachdem der Hausarzt ein Bild der Außentreppe gesehen hatte, bekräftigte er nochmals: „Das ist ja noch dazu draußen. Das ist nicht zumutbar, vor allem mit dem speziellen Schuhwerk.“ Norbert Abt ist auf Spezialschuhe und eine Gehhilfe angewiesen.

    Richter Frank Müller fragte bei Norbert Abt nach, ob er wirklich vorhabe, in sein ehemaliges Haus umzuziehen. „Ich will da rein, in mein altes Haus, ich kann in Attenhausen nicht bleiben“, betonte der Rentner mit Nachdruck. Dessen Anwalt Marc Schneider unterstrich, das Ehepaar Abt sei bestens darüber, dass ein vorgetäuschter Eigenbedarf eine Straftat sei.

    Schließlich hinterfragte die gegnerische Anwältin die konkreten Umzugspläne: „Das Haus ist in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand: Wie wollen sie das denn finanziell hinkriegen?“ Als das Ehepaar erwiderte, neben Eigenleistungen durch die Kinder wolle man das jetzige Haus in Attenhausen verkaufen, hakte Marina Beil nach: „Und wo wollen Sie wohnen, wenn das eine Haus verkauft ist und das andere renoviert wird?“

    Richter Frank Müller lenkte das Gespräch hier wie zuvor in geordnete Bahnen. Er erklärte abschließend, dass das Urteil voraussichtlich am 3. August verkündet wird.

    Diez
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