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Bad Breisig/Remagen/Sinzig

Onlineumfrage an 1200 Unternehmer am Rhein: Welche Ängste haben sie?

1200 Unternehmer am Rhein sind derzeit aufgerufen, bei einer Onlineumfrage über ihre Lage zu berichten, über ihre Konkurrenz, Sorgen, Existenzbedrohungen und das wirtschaftliche Klima überhaupt. Initiator der Umfrage ist der Verein Initiative Wirtschaft Eifel, Rhein, Ahr (Iwera) um den Remagener Unternehmensberater Rudolf Kluth.

Es wird künftig sicher nicht einfacher für die Unternehmer in Sinzig (Foto), Bad Breisig und Remagen. Der Verein Iwera will mit einer Onlineumfrage ihre wirtschaftliche Lage ergründen und für eine bessere Vernetzung sorgen.
Es wird künftig sicher nicht einfacher für die Unternehmer in Sinzig (Foto), Bad Breisig und Remagen. Der Verein Iwera will mit einer Onlineumfrage ihre wirtschaftliche Lage ergründen und für eine bessere Vernetzung sorgen.
Foto: Jan Lindner

Durchgeführt wird die Umfrage von Studenten der Koblenzer Hochschule unter der Leitung von Mark Sellenthin. Das Ziel: Die Unternehmer am Rhein sollen gestärkt und wettbewerbsfähiger werden, indem sie sich besser vernetzen und stärker zusammenarbeiten, indem wirtschaftliche Hürden erst offensichtlich und dann beseitigt werden.

Kluth sagt: „Als Stadt allein kommt man heute noch über die Runden, aber perspektivisch droht ein großes Loch. Zudem haben kleine und mittlere Firmen derzeit kein Sprachrohr.“ Das soll sich durch eine bessere Zusammenarbeit von Dienstleistern, Industrie, Handwerk, Einzelhandel, Freiberuflern wie Ärzten, Designern und Anwälten, der Gesundheitsbranche und Gastronomie am Rhein ändern.

Für die Umfrage sind jene 1200 Unternehmer persönlich angemailt worden. Sie läuft die nächsten Wochen, Ergebnisse erhofft sich Professor Sellenthin Anfang Februar. Er erwartet, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Unternehmer antworten. Zudem hat er bereits einige Daten zu den Rhein-Städten ausgewertet, die das Statistische Landesamt in Bad Ems bereithält. Diese werden mit den Antworten der Unternehmer abgeglichen. Sellenthin: „So stellen wir sicher, ob die Antworten repräsentativ sind oder nur eine schiefe Stichprobe.“ Ferner führen die Studierenden bis zu 15 Experteninterviews mit Firmenchefs durch, um detaillierte Infos zu erhalten zu deren Sorgen, Entwicklung, Chancen und Risiken.

Ob die erhobenen Daten auch öffentlich vorgestellt werden, ist noch offen. Unternehmensberater Kluth sagt: „Vielleicht werden wir zunächst in kleinerer Runde Konzeptideen generieren, ein Strategiepapier und dann weitere Veranstaltungen abhalten.“ Klar ist: Die Ergebnisse sollen nicht einfach nur verkündet und hingenommen werden, es soll sich etwas verändern und entwickeln. Allerdings möchte Kluth dabei keinen „roten Leitfaden vorgeben“. Sondern: „Die Unternehmen sollen selbst ihre Ideen einbringen.“

Als erstes gelungenes Beispiel der überregionalen Zusammenarbeit sieht er die Vorbereitung zur Onlineumfrage an. Die Kosten von 5000 Euro werden mit 50 Prozent durch das Mainzer Wirtschaftsministerium bezuschusst. Die restlichen 2500 Euro teilen sich die drei Gewerbevereine der Rheinmeile und die Wirtschaftsförderungen der drei Kommunen. Kluth ist sich sicher: „Wenn sie gemeinsam auftreten, können sie ganz andere Fördertöpfe anzapfen. Da käme eine allein gar nicht ran. Und sie können Vorhaben von einer ganz anderen finanziellen Größenordnung stemmen.“ Er kritisiert zudem, dass die Wirtschaftsförderung des Kreises Ahrweiler an der Rheinschiene kaum präsent sei.

Als Bedrohung sieht Kluth das geplante Nahversorgungszentrum in Sinzig: „Wenn es gebaut wird, wird das ökonomische Klima noch mehr geschädigt als es schon ist. Die Leerstände in den Stadtkernen werden stark zunehmen.“

Eine Chance sieht er Richtung NRW: Würden die Kommunen am Rhein als ganze Einheit auftreten, würden sie auch in der Umgebung, etwa in Bad Godesberg, besser wahrgenommen: „Der Gesundheitstourismus hat nicht nur seine guten Seiten. Ich kann mir vorstellen, dass einige Leute dort ganz froh wären, wenn sie in unseren Rhein-Städten einkaufen könnten.“ Auch mit den Städten auf der anderen Seite des Flusses im Kreis Neuwied kann er sich gemeinsame Aktionen vorstellen. Ganz praktisch und einfach gedacht könnten das sein: ein gemeinsames Marketing, gemeinsame Themenbezogene lange Samstage oder ein Gutschein-Konzept.

Kluth weiß, dass sich der Prozess noch ganz am Anfang befindet, dass es vieler weiterer Schritte bedarf und dass die Unternehmer selbst großes Engagement zeigen müssen. Aber er sagt auch: „Wenn wir jetzt nicht anfangen, dürfen wir uns nicht in fünf Jahren über zu viele Leerstände beklagen.“

Von Judith Schumacher und Jan Lindner

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