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Ahrweiler

Lager Rebstock: Gedenkstätte soll an Zwangsarbeit erinnern

Fast wäre es in Vergessenheit geraten, das Schicksal jener Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs in den Tunneln zwischen Ahrweiler und Dernau im sogenannten "Lager Rebstock" bei Marienthal für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie schuften mussten. Jetzt, mehr als 70 Jahre nach Ende der NS-Diktatur, zeichnet sich eine Idee ab, ihrer würdig zu gedenken.

Blick Richtung Kuxbergtunnel: In den Baracken waren die Zwangsarbeiter untergebracht.
Blick Richtung Kuxbergtunnel: In den Baracken waren die Zwangsarbeiter untergebracht.
Foto: Archiv Gückelhorn

Mehr noch: Es gibt konkrete Pläne für eine Gedenkstätte und handfeste Überlegungen, wie sich die Pläne umsetzen lassen. Entscheidende Fragen sind aber auch noch offen, und so halten sich die Beteiligten einstweilen bedeckt.

In Dernau gibt es seit bald 30 Jahren eine kleine Gedenktafel. Sie ist abseits des zwischen Dernau und Rech verlaufenden Rotweinwanderweges angebracht. Zwischen Kuxberg- und Trotzenbergtunnel jedoch erinnert nichts an die dortige Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Ein Zustand, den der Bad Breisiger Heimat- und Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn unerträglich findet. "Man muss gegen das Verdrängen angehen", sagt Gückelhorn.

Im sogenannten "Lager Rebstock" hatten 1944 für wenige Monate Hunderte KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene gelebt, die in den Tunneln der 1904 begonnenen, aber nie fertiggestellten Bahnlinie zwischen dem Ruhrgebiet und der Südwestgrenze Deutschlands für die deutsche Rüstung arbeiten mussten. Beide Tunnelröhren wurden in den 1960er-Jahren in den Bau des Regierungsbunkers einbezogen. Im Zuge dessen wurde auch der Taleinschnitt bei Marienthal aufgefüllt. Jene Fläche entstand, für die sich zeitweise der Verein Frankensiedlung Nithrindorp interessierte.

Als 2013 der Verein angesichts der historischen Belastung sein Ansinnen aufgab, dort zu siedeln, kam die Diskussion um den künftigen Umgang mit dem Grundstück auf. Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die den ehemaligen Regierungsbunker verwaltet, der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Gemeinde Grafschaft, auf deren Terrain die Frankensiedlung gestanden hätte, trafen sich. Die Bima sagte zu, die Gemeinde Grafschaft bei der Einrichtung einer Gedenkstätte zu unterstützen. Danach tat sich lange nichts. Scheinbar.

Initiativgruppe zusammengefunden

Tatsächlich fand sich eine Initiativgruppe zusammen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das zwischenzeitlich geweckte Interesse an die dunkle Vergangenheit nicht wieder im Dunkel des Vergessens versinken zu lassen. Ihr Sprecher ist Wolfgang Gückelhorn. Mit im Boot sind aber auch die drei Kommunen, deren Gebiete allesamt vom Lager und den unterirdischen Produktionsanlagen tangiert waren: die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die Verbandsgemeinde Altenahr und die Gemeinde Grafschaft.

Die Initiativgruppe geht davon aus, dass die Bima das etwa 12 000 Quadratmeter große Grundstück zum Zwecke einer Gedenkstätte verschenkt. Die Idee: Die nicht mehr vorhandene Bahntrasse zwischen den beiden Tunneleingängen soll durch einen Weg angedeutet werden. Rechts und links stehen Bäume, insgesamt zwölf. Aus zwölf Nationen stammten die 213 Zwangsarbeiter, die im Taleinschnitt in Baracken lebten. Vor jedem Baum soll eine Tafel die Namen der Versklavten je einer Nation aufführen. "So sollen sie aus ihrer Anonymität geholt werden", sagt Gückelhorn. Ein Pavillon mit Schautafeln soll an die Geschichte dieses Ortes erinnern, an dem unter Zwang Startzubehör für die V2-Raketen montiert wurde. Von der Straße, die von Marienthal heraufkommt, soll ein kleiner Parkplatz abzweigen, von dem ein kurzer Stichweg zum Informationspavillon führt.

Rund 25 000 Euro würde die Umsetzung dieses Entwurfes kosten. Neben einem Eigenanteil und einem möglichen Zuschuss aus den Fördertöpfen des Kreises sind je 5000 Euro von der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Verbandsgemeinde Altenahr und der Gemeinde Grafschaft eingeplant. Letztere würde wohl mit ihrem Bauhof die Arbeiten unterstützen. "Nach der Sommerpause können wir damit in die politischen Gremien gehen", sagt Bürgermeister Achim Juchem. Das Angebot der Gemeinde Grafschaft, auf deren Gebiet die Gedenkstätte stünde, geht sogar noch weiter: Sie würde auch die langfristige Pflege der Anlage übernehmen – als Ausgleichsfläche für flächenverbrauchende Baumaßnahmen.

Bleiben noch zwei entscheidende Punkte offen. Zunächst: Verschenkt die Bima das Grundstück, so muss klar sein, an wen. Im Gespräch ist der Bürgerverein ehemalige Synagoge Ahrweiler. Dessen Vorsitzender Klaus Liewald, der ebenfalls zum Initiativkreis zählt, sagt indes: "Es ist noch nichts entschieden." Und dann ist da noch die Bima. Die bestätigt zwar, dass es am 18 Mai in Marienthal Gespräche mit der Initiativgruppe und den beteiligten Kommunen gegeben habe. "Vom Schenken war da aber nicht die Rede", sagt Dirk Nibelschütz, Verkaufsleiter der Bundesanstalt. Nun werde man erst mal abwarten, ob die Kreisverwaltung Ahrweiler die Pläne für genehmigungsfähig hält. Dann werde man weitersehen.

Frieder Bluhm

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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