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Neu-Bamberg

Wie aus der Rumpelkammer ein Schmuckstück wurde

Josef Nürnberg

Wie mache ich aus der Rumpelkammer eines historischen Bauwerks ein Schmuckstück? Diese Frage hatten sich Mitglieder der FWG Neu-Bamberg im Zusammenhang mit dem Turmzimmer des Uhrturms und der Kandelpforte gestellt. Gut, dass es nicht nur bei der Frage blieb. Die Heinzelmännchen machten sich ans Werk und gestalteten das Turmzimmer anhand von Berichten letzter Zeitzeugen so, wie es im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben dürfte.

Eine tolle Leistung und ein Pluspunkt für den historischen Ortskern der rheinhessischen Burggemeinde. Denn nun können bei Ortsführungen Gäste schauen, in welch armen Verhältnissen die letzte „Türmerin“ Katharina Back lebte, die im Ort den Spitznamen „Uhrbacke“ trug. Ein Bett, ein Tisch, ein Kohleherd, ein Regal voller Schüsseln, den Nachttopf unter dem Bett und auf der Nachtkommode die Bibel: Mehr hatte die Bewohnerin nicht. Dafür konnte sie einen der schönsten Ausblicke auf Neu-Bamberg genießen. Das Mobiliar hat Bernhard Baumgärtner zur Verfügung gestellt.

Als Herr der Zeit in Neu-Bamberg muss Eckard Humbert täglich mit der Kurbel die Gewichte aufziehen.
Als Herr der Zeit in Neu-Bamberg muss Eckard Humbert täglich mit der Kurbel die Gewichte aufziehen.
Foto: josf nürnberg

Die farbliche Renovierung des Turmzimmers hatte die ortsansässige Malerfirma Remmele übernommen, nachdem das Turmzimmer ausgeräumt war. Nachdem Wände, Decke und Boden fertig waren, ging es an die Einrichtung des winzigen Raumes. Ist schon das renovierte Turmzimmer der Kandelpforte ein Juwel, entpuppt sich das darüberliegende Geschoss als Schrein. Ein Schrein, der wie eine Art Hülle ein mechanisches Kunstwerk, nämlich die Turmuhr aus dem 18. Jahrhundert, aufbewahrt.

Wie die letzte „Türmerin“ gewohnt haben könnte, zeigen (von links) Hermann Schlamp, Eckard Humbert und Elke Müller.
Wie die letzte „Türmerin“ gewohnt haben könnte, zeigen (von links) Hermann Schlamp, Eckard Humbert und Elke Müller.
Foto: josef nürnberg

Das Besondere an ihr ist, dass sie auch heute noch wie vor mehr als 250 Jahren zuverlässig die Zeit anzeigt. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Die Uhr zeigt nur die Stunden an – für eine Minutenanzeige fehlte einst das Geld. In einer Zeit, in der es noch keine Eisenbahnen gab, war es wohl auch nicht so wichtig, auf die Minute pünktlich zu sein. Eckard Humbert, „Nachbar“ des Uhrturms, ist heute der Herr über die Zeit, denn er ist verantwortlich, dass die Uhr nicht stehen bleibt. Darum klettert er jeden Tag hinauf zum Uhrwerk und zieht mit einer Handkurbel die beiden Gewichte, eins für den Antrieb der Uhr, das andere für das Schlagwerk auf. Ein wenig Öl hier und da – und die Uhr läuft wie geschmiert.

Dass sie es tut, verdankt Neu-Bamberg ihrem Mitbürger Georg Blatt, der die Uhr in jahrelanger Kleinarbeit wiederhergestellt hat. Zudem hat er dafür gesorgt, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wurde. Über all die Dinge rund um den Uhrturm und Neu-Bamberg weiß Ortsführer Hermann Schlamp viel zu erzählen. Er war maßgeblich an der Renovierung des Turmzimmers beteiligt. Das gelungene Ergebnis zeigt er gern bei seinen Führungen, jeden ersten Sonntag im Monat. Dort, wo einst die „Uhrbacke“ in ärmlichen Verhältnissen lebte, sollen nun die Führungen bei einem guten Glas Rheinhessenwein enden. „Das renovierte Turmzimmer ist eine Bereicherung für Neu-Bamberg“, ist sich Schlamp sicher.

Von einst drei Toren der Ortsbefestigung ist nur die Kandelpforte erhalten. Der rechteckige Torturm mit halbrunden Eckausbauten zur Feldseite hin und Rundbogenfries stammt aus dem 14. Jahrhundert. Dach mit Dachreiter wurden in der Barockzeit aufgesetzt. Mit dem Freiheitsrecht, das Ludwig der Bayer dem Ort 1320 verlieh, war auch das Recht verbunden, den Ort mit Mauer und Toren zu befestigen. Die Mauern wurden durch Pfalzgraf Karl Ludwig 1668 geschleift, weil ihm Mainzer Beamte im Auftrag des Pfandherrn das Durchzugsrecht verweigerten. Daraufhin ließ der Pfalzgraf die Mauern einreißen – nicht ohne zuvor den Ort noch zu plündern.

Von unserem Reporter Josef Nürnberg
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