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Wallhausen

Großen Traum erfüllt: Heimat und Weintreff mitten in Wallhausen

Stefan Munzlinger

Sie hatten einen Traum und haben ihn verwirklicht. Mitten im Dorf, in dem sie leben. Tanja Wallhäuser-Schmitt (32) und ihr Mann Markus (38) freuen sich Wochenende für Wochenende auf alle, die ihren „Wallhäuser Weintreff“ gegenüber der Apotheke besuchen. Ob Wanderer, Weinfreunde oder Wallhäuser: Sie alle sind willkommen, haben an zentraler Stelle das, wofür sie sonst die Weingüter einzeln abklappern müssten: einen Überblick über die Produkte der Wallhäuser Winzerschaft. Noch sind nicht alle dabei. 40 Weine von 15 der 28 Betriebe kann man in der Vinothek kosten und kaufen.

Tanja Wallhäuser-Schmitt hat schon immer ein Faible für gute Weine und das nicht nur, weil sie, die gebürtige Mandelerin, im elterlichen Weingut von Vater Eckhard und Mutter Marlies – heute führen ihr Bruder und studierter Weinbauer Alexander und seine Partnerin Belinda Weiß den Familienbetrieb mit 6,5 Hektar Rebfläche – schon als Jugendliche mithalf. Oder weil sie 2006/2007 die Krone der Naheweinkönigin trug. Oder weil sie den Bachelor in Internationaler Weinwirtschaft mit dem Schwerpunkt Marketing nach ihrem Studium in Geisenheim inne hat.

Vor allem eines ist ihr wichtig: Sie begeistert sich für die Welt der heimischen Winzer und deren Kreativität, aus den Bodenbeschaffenheiten und klimatischen Bedingungen das Beste herauszuholen und darüberhinaus einen eigenen Stil zu entwickeln. Im Weintreff finden sich die individuellen Interpretationen dessen, was die Lagen hervorbringen, wieder. Er dient als Vertriebsforum der Winzerschaft.

Mit ihrer Begeisterung ist Tanja nicht alleine. Auch ihr Mann Markus, ein echter Wallhäuser, ist mit ganzem Herzen dabei. Der Bauingenieur, der im Bad Kreuznacher Prüf- und Beratungsbüro Lunkenheimer und Schulte arbeitet, freut sich nicht minder, wenn Gäste an die beiden großen und kleinen Hoftore pochen. Markus war es, der den Bauernhof samt Scheune der Familie Jäckel im Blick hatte, als es darum ging, ein Heim für seine angehende Familie zu schaffen. „Wir wollten nichts im Neubaugebiet“, sagt er, ohne die Grundstücke abwerten oder den Familien dort zu nahe treten zu wollen. Denn auch Freunde von ihnen leben zufrieden im Baugebiet. Aber die Wallhäuser-Schmitts, zu denen mittlerweile ihre drei Kinder Felix (3), Lotte (2) und Käthe (7 Wochen) gehören, legen Wert auf kurze Wege im Dorf – zu Kindergarten, Metzger und Bäcker. Und sie wollten etwas Neues schaffen an einer Stelle der 1530 Einwohner großen Gemeinde um den sie nach besten Kräften unterstützenden Ortsbürgermeister Franz-Josef Jost, an der es eher nach Abbruch als nach herzeigbarer Mitte aussah. „Das war nicht mehr vermietbar, drohte zusammenzufallen“, blickt Markus Schmitt zurück. Und so heirateten Tanja und Markus im Jahr 2012, kauften die Altgebäude – einen Bauernhof samt Scheune; alles auf einem rund 700 Quadratmeter großen Areal – und legten im Februar 2013 los.

Am Ende, Im Mai 2014, waren es 500.000 Euro, die sie in ihr Wohnhaus, in den Hof und in die neue, zweistöckige Vinothek investiert hatten. Mit dem, was dabei herauskam, sind sie rundum glücklich.

Vergessen ist jene Episode, als die Denkmalpflege auf den Plan trat. Grund: Beim anfänglichen Abriss der Altbauten war ein geschützter Giebel eingestürzt, unbeabsichtigt. Die Strafe sollte fünfstellig ausfallen. Es folgten mehrere Gespräche und Einigungsversuche. Konsens: 4000 Euro Strafe. Aus Sicht der Denkmalschützer konsequent, aus Sicht der Wallhäuser-Schmitts, zweier überzeugter Landkinder, eher suboptimal. Da wolle eine junge Familie in einem Dorf eine eher hässliche Bauruine beseitigen. Und müsse derartige bürokratische Hürden nehmen.

Kein schöner Einstand, aber nahezu vergessen. Der Zuspruch, die Begeisterung für ihr Projekt übertönen alles. Etwa von Wanderern der Vitaltour „Stein, Wein & Farbe“, die Station im Weintreff machen. Ob Hof oder Vinothek: Sie schwärmen, freuen sich an Kuchen oder den Leckereien wie Flammkuchen und Wurstbroten, die die Wallhäuser-Schmitts für kleines Entgelt zum damit perfekten Abschluss einer naturnahen Fußtour bieten. Weil Wanderer eben nicht das Vier-Gänge-Menü erwarten, sondern ihr Landschaftserlebnis mit einem unkomplizierten Finale krönen wollen. So wie in der Sponheimer Kaffee-Mühle oder in den anderen Zielen reizvoller Wanderstrecken.

Der Wallhäuser Weintreff mit der Vinothek unten und 50 Plätzen im ersten Stock ist freitags von 16 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Bus-, Geburts-tags- oder Hochzeitsgesellschaften steuern den Treff gerne und in zunehmendem Maße an. Mehr im Internet zum Walhäuser Weintreff und zu den sich etablierenden Kabarettabenden: www.wallhaeuser-weintreff.de

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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