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Bad Kreuznach

Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans: Enkelin bediente sich an Omas Vermögen

Christine Jäckel

Der blonden Frau aus der Verbandsgemeinde Stromberg trieb es während der Verhandlung vor dem Amtsgericht mehrmals die Schamesröte ins Gesicht. Ob über ihr Verhalten oder über den Gesichtsverlust blieb offen. Über sechs Jahre lang bediente sie sich skrupellos aus dem Guthaben ihrer dementen Großmutter, bis es fast aufgebraucht war.

Blick in die Kontoauszüge
Mit einer Bankvollmacht veruntreute die Enkelin rund 45.000 Euro – sie kümmerte sich als Einzige um die alte Frau.
Foto: dpa

Zuletzt blieben Heimkosten von rund 4000 Euro offen. Die 38 Jahre alte Frau schrammte knapp an einem Gefängnisaufenthalt vorbei. Das Schöffengericht verurteilte sie wegen Untreue in 52 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, gewährte der vierfachen Mutter aber eine Bewährungschance.

Reichlich Spielzeug für die Kinder

Staatsanwalt Claus-Nils Leimbrock fand deutliche Worte: Ausgenommen wie eine Weihnachtsgans habe die Enkelin ihre Oma und fast 45.000 Euro veruntreut. Der Strafrahmen für einen Fall der Untreue bewegt sich von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Nach der speziellen juristischen Addition ergab sich ein Strafantrag von zweieinhalb Jahren.

Die Enkelin hatte für die seit 2008 an Demenz erkrankte Seniorin die Generalvollmacht. Das nutzte sie aus, um eigene Rechnungen mit dem Geld der Großmutter zu bezahlen, und sie leitete eine Zusatzrente von 680 Euro direkt auf ihr Konto um. Das Geld hat die Frau, die seit 2017 selbstständig ist, weitgehend für den Lebensunterhalt ihrer Familie ausgegeben. Insbesondere für ihre Kinder kaufte sie großzügig Spielzeug.

Der Ehemann schöpfte wohl auch Verdacht, er gab sich aber mit der Auskunft seiner Frau zufrieden, dass sie über Ersparnisse verfüge. Wie die Verteidigerin der 38-Jährigen erklärte, war ihre Mandantin die Einzige in der Familie, die sich um die Großmutter kümmerte. Sie besuchte sie regelmäßig im Seniorenheim und nahm dafür teilweise weite Anfahrten in Kauf, da die Oma zunächst in ihrer Heimatstadt in der Rhein-Main-Region lebte.

Gelebt wie die Made im Speck

Die 38-Jährige ist seit 2009 in psychotherapeutischer Behandlung. Für die Frage ihrer Schuldfähigkeit hatte das Gericht einen Gutachter beauftragt. Der Sachverständige konnte die Diagnosen Panikstörung, Depression und Kaufsucht der behandelnden Therapeutin aber nicht bestätigen. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Angeklagte uneingeschränkt schuldfähig ist.

„Es war nicht Ihr ureigenes Ziel, die Oma auszunehmen. Aber Sie haben gelebt wie die Made im Speck“, fasste Richterin Brigitte Hill die Urteilsgründe zusammen. Sie wies auch darauf hin, dass die Angeklagte strategisch gehandelt und das Geld der Oma über mehrere Konten in die eigene Tasche geleitet hatte. Die 38-Jährige muss nun rund 45.000 Euro an die Familienangehörigen oder den Staat zurückzahlen. Das Urteil wurde von allen Beteiligten angenommen und ist damit rechtskräftig.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel
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