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    Mittelrheiner besuchen Buga-Baustellen für 2019: Heilbronn öffnet sich zum Neckar hin

    Kräne, Bagger, Gerüste und Staub: So sieht eine Bundesgartenschau aus, die in weniger als zwei Jahren eröffnet wird. Das haben mehr als 60 Bürgermeister, Ratsmitglieder und Interessenten aus dem Oberen Mittelrheintal erlebt, die auf Einladung der Buga-Freunde 2031 und der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz nach Heilbronn gefahren sind.

    Dort haben sie alte Bekannte getroffen: den Geschäftsführer Hanspeter Faas und den technischen Leiter Berthold Stückle, die schon bei der Buga 2011 in Koblenz federführend waren und jetzt die Buga Heilbronn 2019 GmbH leiten.

    Begeisterung für neues Stadtquartier

    Trotz der vielen Baustellen sind laut Umfragen 86 Prozent der Heilbronner begeistert von dem als „Stadtausstellung“ konzipierten Buga-Projekt, das bei Investitionen von rund 145 Millionen Euro einen komplett neuen Stadtteil für 3500 Einwohner mit rund 1000 Arbeitsplätzen entstehen lässt. Angelegt wird das Stadtquartier Neckarbogen auf einem ehemals brachliegenden, heruntergekommenen Gewerbegebiet. Allein, um das rund 40 Hektar große Gelände zwischen dem Neckar, zwei künstlich angelegten Seen sowie einem Lärmschutzwall vorzubereiten, wurden etwa 600.000 Kubikmeter Erde bewegt und rund 13 Tonnen Kampfmittel geräumt. Der Verlauf einer Bundesstraße wurde verlegt.

    Oberbürgermeister: Enorme Dynamik

    Für Oberbürgermeister Harry Mergel ist die Buga 2019 der „Motor einer enormen Dynamik“, mit der sich Heilbronn zur grünen Bildungsstadt entwickelt, die sich zum Neckar hin öffnet. In den Außenbereichen stoße die Stadt an ihre Grenzen. Deshalb müssten die innerstädtischen Potenziale ausgeschöpft werden.

    Bebauung, Landschaft und Wasser

    Je ein Drittel der Fläche ist für Bebauung, Landschaft und Wasser reserviert. Hinter jedem Baufeld des Stadtquartiers steckt ein eigenes Konzept. Die Nutzungsmischung wird exzellent gespielt. Es gibt Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, geförderte Wohneinheiten (auch barrierefrei), Baugemeinschaften und Studentenwohnungen. In den Erdgeschossen sind wohnverträgliche Gewerbe zur Quartiersversorgung, Gastronomie sowie Büro- und Praxisräume vorgesehen. Der generationenübergreifende, ganzheitliche Ansatz berücksichtigt auch Themen wie Familienfreundlichkeit oder Inklusion. Für Energie gibt es ein Blockheizkraftwerk mit Solarthermie.

    Parks und Hallenschau

    Rund um das Quartier als Stadtausstellung entstehen zwischen den Gewässern die Ausstellungsflächen der Buga, die anschließend als Parks weiter genutzt werden können: eine Sommerwiese mit bionischen Pavillons und Blütenmeer, der Neckaruferpark als auenartiger Naturerlebnisraum, der Hafenpark für sportlich Aktive oder die Themengärten im „Inzwischenland“. Für die Hallenschauen hat die Stadt eine frühere Stückguthalle von der Bahn gekauft. Die Kosten für die Durchführung der Buga werden auf rund 44,5 Millionen Euro geschätzt. Die Einnahmen durch geschätzte 2,2 Millionen Besucher werden mit 34,5 Millionen Euro veranschlagt, womit ein städtischer Zuschuss von etwa 10 Millionen Euro zu leisten wäre.

    Eingebettet in die Stadtentwicklung

    Eingebettet ist das Buga-Projekt laut Harry Mergel in drei weitere Säulen der Stadtentwicklung: Die neue Experimenta mit einer spektakulären, verschachtelten Architektur wird mit 25.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zum größten Wissenschaftscenter Deutschlands. Ein Zukunftspark soll neue Technologieunternehmen ansiedeln. Hinzu kommt, dass die private Hochschule „Heilbronn Business School“, die komplett von der Dieter-Schwarz-Stiftung (Lidl-Stiftung und Kaufland-Stiftung) finanziert wird, künftig als offizielle Außenstelle der Technischen Universität München noch mehr Studenten in die Stadt lockt.

    Hanspeter Faas: Finden Sie Ihren eigenen Weg!

    Hanspeter Faas, der sich seit fast 40 Jahren professionell mit Gartenschauen befasst, zählt die Buga 2019 neben Koblenz 2011 persönlich zu seinen besten Projekten. Schon an den unterschiedlichen Ansätzen in diesen beiden Städten werde deutlich, dass keine Buga mit ihren Ideen und Konzeptionen auf eine andere übertragbar ist. „Einfach stark“ findet Faas die Idee einer regionalen Schau im Welterbe Oberes Mittelrheintal und gibt den Entscheidern als Tipp mit auf den Weg: „Sie werden auf dem Weg zur Buga 2031 noch viel mehr Mut brauchen, als Sie jetzt schon haben. Wichtig ist: Es gibt kein Patentrezept. Finden Sie Ihren eigenen Weg!“

    Bürgerbeteiligung erfordert Zeit und Geld

    Und noch etwas ist laut Faas immens wichtig: Die hohe Zustimmung in Heilbronn komme nicht von ungefähr. „Wir sind mit der Bürgerbeteiligung sehr früh gestartet. Man muss Geld und Zeit in die Hand nehmen, um die Menschen fortlaufend zu informieren und mitzunehmen.“ In einem Jahr wollen die Mittelrheiner jedenfalls wieder nach Heilbronn fahren, um sich über den Fortschritt des Projekts zu informieren.

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Kommentar: Eine Region braucht dezentral ähnliche Projekte

    Andreas Jöckel über Stadt- und Regionalentwicklung

    Was hat eine moderne Bundesgartenschau in einer Großstadt wie Heilbronn mit einem regionalen Projekt im ländlichen Raum wie der Buga 2031 im Welterbe Oberes Mittelrheintal zu tun? Viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Dem Industriestandort Heilbronn mangelt es an Fachkräften für die Autozulieferer, dem strukturschwachen Mittelrhein mangelt es künftig an Einwohnern. Sowohl die Fragestellungen aus diesen Problemen als auch die Lösungsansätze sind durchaus ähnlich. Im Vordergrund stehen immer wieder Themen wie innerörtlicher Wohnraum mit hohem Freizeitwert, Mobilität sowie Identifikation und Image.

    Ein bescheidenes Image in Bezug auf die Lebensqualität tut in Heilbronn ihr Übriges. Deshalb entsteht im Zuge der Buga mit mehreren Projekten in der Innenstadt ein komplett neues Umfeld: Aus einem 100 Jahre alten Gewerbegebiet wird ein Stadtteil für 3500 Menschen inklusive Gastgewerbe, Geschäften und Arztpraxen geschaffen. Dieser bietet attraktiven Wohnraum mit hohem Freizeitwert vor der Haustür, indem man mit den Grünanlagen und Ausstellungsflächen der Buga 2019 sowie zwei Seen nahe an den Neckar heranrückt. Wohnungen gibt es dort nicht nur für Wohlhabende, sondern auch für Studierende. Zusätzlich wird mit der neuen, spektakulären Experimenta eine Attraktion für Besucher geschaffen, die mit ihrer Architektur zu einem Wahrzeichen der Stadt werden könnte. Parallel wird ein Mobilitätskonzept entwickelt, das neben (künftig selbst fahrenden) Pkw auf Bus und Bahn sowie Rad inklusive alternativer Antriebe setzt.

    An Wahrzeichen mangelt es dem Oberen Mittelrheintal von Pfalzgrafenstein über die Loreley bis zur Marksburg zwar nicht. Aber zur Schaffung attraktiver Wohngebiete mit hohem Freizeitwert für Familien, Freiberufler und Pendler am Rhein zwischen den Ballungsgebieten Rhein-Main und Köln/Bonn könnte die Region ihre Leerstände in den Ortskernen noch gehörig aufpeppen. Dies gepaart mit strategisch gezielt platzierten, dezentralen Buga-Projekten sowie Mobilitätskonzepten könnte die Region voranbringen. Dazu müssen sich aber alle Beteiligten im Oberen Mittelrheintal noch mehr als Ganzes betrachten – auf beiden Rheinseiten.

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