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Nastätten

Ganz schön unter Strom: Probefahrer sind geflasht vom Elektro-Auto

Thorsten Stötzer

Bis zum Jahr 2020 möchte die Bundesregierung gerne 1 Million Elektro-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen sehen. 2017 wurden 58 000 solcher Autos zugelassen. Nur 28 Prozent der Manager in der Bundesrepublik glauben, dass sich die E-Mobilität durchsetzt. Das sind einerseits ambitionierte und andererseits skeptisch stimmende Zahlen, die Michael Krause vom Forschungsnetzwerk Mittelstand präsentiert, als er in Nastätten eine Podiumsdiskussion zum Thema moderiert.

Foto: Thorsten Stötze

Eingeladen hat der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW), es diskutieren Praktiker und Politiker. „Wir müssen Bewusstsein bilden“, findet Landrat Frank Puchtler (SPD), der den Ausbau der E-Mobilität auch in den Schulen inhaltlich platzieren möchte. Wer einmal in einem solchen Wagen gesessen habe, schätze „das genialste Fahren“, schwärmt Stefan Kulla, der die Firma „VolTTanken“ gegründet hat und nun solche Autos vermietet und die nötige Lade-Infrastruktur aufbaut.

Thomas Schwab von der Energiegenossenschaft oberes Mühlbachtal (EGOM) aus Strüth schließt sich an. „Ich bin total geflasht, ich will eigentlich gar nicht mehr aussteigen“, bekomme er von Leuten nach deren erster Fahrt in einem Renault Zoe zu hören. Um Menschen in die E-Autos zu bekommen, sind also offenbar nicht nur ökologische und ökonomische Argumente wirksam. Fiele die Umsatzsteuer auf diese Fahrzeuge, gäbe es „kein Halten mehr“, blickt Kulla optimistisch voraus.

Ein Elektro-Auto besitzt in etwa nur ein Siebtel der Teile eines Modells mit Verbrennungsmotor, erläutert zuvor in einem Kurz-Impuls der Kfz-Sachverständige Karl-Fred Maurer aus Bad Schwalbach. Das wirkt sich natürlich aus auf den Umfang von Inspektionen und das Geschäft von Werkstätten sowie Tankstellen. Auf andere Mobilitätstrends wie Car-Sharing und autonomes Fahren macht er ebenso aufmerksam.

Puchtler kündigt an, dass der Kreis seinen Fuhrpark schrittweise umrüsten werde. Vor dem Kreishaus in Bad Ems soll bald eine Ladesäule stehen. Home-Office und ÖPNV sieht er als Mittel an, um Autofahrten allgemein zu vermeiden. Jens Güllering (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nastätten, kann sich vorstellen, sich selbst ein E-Auto zu kaufen, „sobald die Infrastruktur flächendeckend vorhanden ist und die Reichweite stimmt“.

Damit berührt er Punkte, die viele – neben den Kosten – noch zögern lassen. Die Reichweite hänge sehr stark vom Fahrstil ab, sagt Kulla, das Auto der EGOM hat es bereits bis ins Elsass und nach Hamburg und zurück geschafft. Stefan Kulla wünscht sich mehr Tempo beim Ausbau der Infrastruktur und außerdem mehr Chancen für kleinere Unternehmen bei den Ausschreibungen dazu, da werde zu viel „im Hinterzimmer“ entschieden. Landrat Puchtler widerspricht sogleich, spricht von „offenen Türen“ und lädt ihn zu einem Informationsbesuch im Rhein-Lahn-Kreis ein. Klaus Egenolf von der Süwag teilt mit, dass sein Arbeitgeber Ladesäulen auch vermietet – bei den Bezahlsystemen gebe es viele Möglichkeiten – und „Autostrom“ zu besonderem Tarif anbietet. Eine „faszinierende Technologie“ nennt die Limburger FDP-Politikerin Marion Schardt-Sauer die E-Mobilität – aber sie sei nicht die einzige. Beim umweltgerechten Autofahren sollten moderne Verbrennungsmotoren und Wasserstofftechnik nicht außer Acht gelassen werden, man müsse intensiv forschen.

Ein markantes Problem fördert die Debatte ebenfalls zu Tage: Elektro-Autos seien derzeit im Handel kaum zu haben. „Die deutsche Automobil-Industrie hat kein echtes Interesse daran und fährt das Thema E-Mobilität an die Wand“, kommentiert eine Stimme aus dem Publikum die Flaute auf dem Markt. Vor dem Bürgerhaus reihen sich hingegen gut 15 E-Modelle vom Smart und Fiat 500 bis hin zu mächtigen Tesla aus der Oberklasse aneinander. Die Ausstellung dürfte Seltenheitswert besitzen. Zum Auftakt des Abends hat Tanja Steeg aus Oelsberg als Regionalleiterin des BVMW den Stellenwert der Vernetzung bei der Veranstaltung betont. An ihrer Seite hat sie Patrick Walz vom Kooperationspartner Friedrich-Naumann-Stiftung und Marylin Repp aus der BVMW-Bundeszentrale. Der Nachmittag war Workshops gewidmet. Bei Moderator Michael Krause ging es um Innovationsförderung, bei Denise Stobbe von den „Zukunftsagenten“ um Mitarbeiter-Potenziale und bei Alexander Hachmann von der Widjet GmbH um digitale Geschäftsmodelle.

Von unserem Mitarbeiter Thorsten Stötzer
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