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    Engagement ist ungebrochen: Kleiderkammer in Loreleystadt läuft bestens

    Dienstagnachmittag, 17 Uhr, Dolkstraße 19 in St. Goarshausen: Ein Kombi parkt vor der Treppe zum Gebäude. Schwer bepackt mit Kartons, Matratzen und großen Tüten strömen Menschen herein, kommen mit leeren Händen wieder heraus, bereit für den nächsten Transportgang. Ein Stockwerk tiefer herrscht heitere Betriebsamkeit. In den drei Kellerräumen, die die Kleiderkammer St. Goarshausen zur Verfügung gestellt bekommen hat, wird fleißig sortiert und vorbereitet für den Ansturm, wenn die Flüchtlinge aus St. Goarshausen und den umliegenden Gemeinden kommen, um sich hier mit Klamotten, Geschirr, Lampen oder, oder, oder zu versorgen.

    Wie im Taubenschlag geht es jeden zweiten Dienstag in der Kleiderkammer in St. Goarshausen zu. Seit gut zwei Jahren engagieren sich Bürger, um Flüchtlingen zu helfen. Von Anfang an mit dabei: Friedhelm Oppenhäuser (2. von rechts) und Elias Fishale, der aus Eritrea nach Deutschland kam.
    Wie im Taubenschlag geht es jeden zweiten Dienstag in der Kleiderkammer in St. Goarshausen zu. Seit gut zwei Jahren engagieren sich Bürger, um Flüchtlingen zu helfen. Von Anfang an mit dabei: Friedhelm Oppenhäuser (2. von rechts) und Elias Fishale, der aus Eritrea nach Deutschland kam.
    Foto: Mira Müller

     

    Zum ersten Mal öffnete die Kleiderkammer ihre Pforten am 13. Oktober 2015; damals noch in den Räumen des katholischen Pfarramts unter der Federführung von Pfarrer Karl-Heinz Königstein und Friedhelm Oppenhäuser. Sechs Helfer waren von Beginn an mit dabei, und die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung war und ist nach wie vor groß. Es dauerte nicht lange, da platzte das Pfarramt aus allen Nähten. Königstein hatte aus diesem Grund Kontakt zur VG-Verwaltung aufgenommen, die der katholischen Kirche die Kellerräume des ehemaligen Bauamts seitdem vermietet. „Die Räume sind ideal für diese Zwecke“, findet Oppenhäuser. Was ihn jedoch enttäuscht, ist das mangelnde Interesse seitens der VG: „Bis jetzt war Bürgermeister Werner Groß noch nicht einmal hier und hat sich angeschaut, was hier geleistet wird. Nur der Erste Beigeordnete Hans-Josef Kring kam mal vorbei.“

    Mit dem Umzug ins ehemalige Bauamt wuchs nicht nur der Platz, um die vielen Sachspenden zu präsentieren, sondern auch die Schar der ehrenamtlichen Helfer. „Nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, erzählt Oppenhäuser, „mittlerweile sind wir 25 Leute, 17 Frauen und acht Männer aus insgesamt zehn Gemeinden.“

    In einem großen Raum stehen sechs Frauen um eine zum Tisch umfunktionierte Tischtennisplatte herum. Klamotten türmen sich in ihrer Mitte, Stück für Stück wird inspiziert. Mittlerweile kennen sie die Geschmäcker ihrer Kunden – und auch deren Größen: „Die Männer sind alle recht klein und schmächtig.“ Und so werden verschiedene Stapel gebildet, einen für Frauenkleidung, die in einem separaten Raum präsentiert wird, einen für Männerkleidung, die in Regalen gegenüber von den Haushaltswaren untergebracht sind, und einen, der nach Koblenz zur Caritas gefahren wird, weil es in St. Goarshausen keine Abnehmer gibt.

    Im Flur vor dem Sortierraum sitzt Elias Fishale. Der Eritreer kam im Mai 2014 nach Deutschland. Zuerst war er in der Erstaufnahmeeinrichtung in Trier untergebracht. Er konnte damals noch kein Deutsch, aber neben seiner Landessprache Tigrigna auch Englisch und konnte dort als Dolmetscher helfen, erzählt der 25-Jährige. Der nächste Weg führte ihn dann nach St. Goarshausen und direkt zu Pfarrer Königstein. „An einem Integrationskurs habe ich nicht teilgenommen“, erzählt Elias, aber an dem freiwilligen Deutschkurs, den das katholische Pfarramt nach wie vor freitagsvormittags anbietet. Oppenhäuser erinnert sich: „Die Wände seines gesamten, acht Quadratmeter großen Zimmers waren gepflastert mit Vokabeln und Konjugationstabellen. Und nun hat er die Deutschprüfung mit dem Level B1 bestanden.“

    Und Elias kann erzählen, warum er nach Deutschland gekommen ist. In seiner Heimat hatte er nach der Schule und einer kurzen Zeit im Militär Chemie-Ingenieur studiert, bis er eines Abends unerfreulichen Besuch bekam: „Ich bin christlich-orthodox. Einmal kam die Polizei zu uns nach Hause, hat uns vorgeworfen, wir würden beten, und hat mich und meine Freunde festgenommen.“ Elias Fishale nutzte dann eine Gelegenheit und flüchtete. Als er für eine kurze Zeit in Äthiopien lebte, studierte er Bauingenieurswesen. Als er dann in Deutschland ankam, unterstützte ihn Königstein dabei, als Hausmeister in der Jugendherberge in Kaub eine Anstellung zu bekommen. „Mein Abitur wird in Deutschland nicht anerkannt“, erzählt Elias, „das zählt hier als Hauptschulabschluss mit der Note 1,4.“ Aber er hat schon Pläne für seine Zukunft gefasst: „Jetzt möchte ich eine Ausbildung zum Pfleger machen“. In den vergangenen vier Wochen absolvierte er bereits ein Praktikum in Lahnsteiner St.-Elisabeth-Krankenhaus. Nun hofft er, einen Ausbildungsplatz ab 1. Oktober im Krankenhaus in Nastätten zu bekommen.

    Bevor er weitererzählen kann, wird auch schon seine Hilfe gebraucht. Im Erdgeschoss sitzt Frau Müller in einem Büro. Sie hilft den Flüchtlingen ehrenamtlich bei Fragen, die sich im Alltag stellen, aber auch bei Problemen mit Behörden oder Rechtsfragen. Bei ihr sitzt gerade eine afrikanische Familie, Elias' Dolmetscherfähigkeiten werden hier benötigt.

    Und auch der Keller füllt sich. Klamotten werden inspiziert, Bratpfannen begutachtet, eine Kaffeemaschine wandert in einen Beutel. Immer wieder herzliche Begrüßungen zwischen den ehrenamtlichen Helfern und den Flüchtlingen – viele kennen sich mittlerweile. „Manchmal gehen die Flüchtlinge mit großen Säcken und bepackt mit Koffern wieder nach Hause“, erzählt Oppenhäuser. Aber es sei kein Problem, die Regale sind und bleiben dank der großen Spendenbereitschaft gut gefüllt.

    Durchschnittlich zehn ehrenamtliche Helfer sorgen dabei für einen reibungslosen Ablauf in der Kleiderkammer. „2200 Stunden haben wir mittlerweile hier verbracht“, hat Oppenhäuser mal überschlagen, „mittlerweile mache ich Dienstpläne.“ Doch an diesem Abend trudeln immer mehr Helfer ein. Denn Pfarrer Königstein hat zu einem Dankesessen eingeladen, auf das sich alle freuen.

    Von unserer Reporterin Mira Müller

     

    Männerkleidung in kleinen Größen wird gebraucht

    Die Kleiderkammer von St. Goarshausen ist im Keller des ehemaligen Bauamts der Verbandsgemeinde Loreley untergebracht. Die Kleiderkammer ist jeden zweiten Dienstag geöffnet, das nächste Mal am 14.

    Februar, am Karnevalsdienstag bleibt sie jedoch geschlossen. Ab 17 Uhr werden Spenden angenommen. Es werden vor allem Männerkleidung in kleinen Größen und Schuhe benötigt. Friedhelm Oppenhäuser betont, dass auch Bedürftige von dem Angebot der Kleiderkammer Gebrauch machen können. Er weist außerdem darauf hin, dass auch Geldspenden benötigt werden, welche im katholischen Pfarrbüro in St. Goarshausen abgegeben werden können. mkm

     

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