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    Lahnstein/Koblenz

    Betrug um Million? „CDU-Schäfer" vor Gericht

    Er ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt Lahnstein und prägte 45 Jahre ihre Politik: Gerd Schäfer (72) war jahrzehntelang Ratsmitglied, Fraktionschef und Stadtbeigeordneter.

    Der frühere Sitz von Gerd Schäfers Unternehmen in Lahnstein: Die Gescha Klebesysteme GmbH in der Dr.-Walter-Lessing-Straße 4 ging 2011 pleite, inzwischen eröffnete auf dem Gelände die Softwareschmiede Modusoft ein Büro, außerdem der Koblenzer Komiker Rainer Zufall ein Fitnessstudio. Aber noch immer stehen ehemalige Büros und Hallen von Gescha leer.
    Der frühere Sitz von Gerd Schäfers Unternehmen in Lahnstein: Die Gescha Klebesysteme GmbH in der Dr.-Walter-Lessing-Straße 4 ging 2011 pleite, inzwischen eröffnete auf dem Gelände die Softwareschmiede Modusoft ein Büro, außerdem der Koblenzer Komiker Rainer Zufall ein Fitnessstudio. Aber noch immer stehen ehemalige Büros und Hallen von Gescha leer.

    Als Kanzler der Kaiser-Ruprecht-Bruderschaft setzte er sich für das Andenken des Königsstuhls in Rhens ein, als Bezirksvorsitzender der CDU-Wirtschaftsvereinigung für die Interessen des Mittelstandes. „CDU-Schäfer", wie ihn viele nennen, hatte Erfolg, erhielt viel Lob und hohe Auszeichnungen.

    Jetzt aber steht er am Tiefpunkt seines Lebens: Er muss sich ab heute wegen Betrug vor dem Schöffengericht Koblenz verantworten. Er soll die KfW-Bank, die größte deutsche Förderbank, um 1,1 Millionen Euro geprellt haben. Er soll eine Rechnung gefälscht, die Pleite seines Unternehmens verheimlicht, Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiter nicht bezahlt haben.

    Der schwerwiegendste Vorwurf: Laut Anklage beantragte Schäfer 2008 für sein Unternehmen Gescha-Klebesysteme bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Darlehen über 1,1 Millionen Euro. Er behauptete, eine Klebebandbeschichtungsanlage kaufen zu wollen. Tatsächlich täuschte er dies laut Anklage nur vor, um günstig an Geld zu kommen. Er soll die 1,1 Millionen Euro genutzt haben, um Rechnungen, Steuern und Löhne zu bezahlen. Zudem soll er fast eine Viertelmillion Euro auf sein Privatkonto überwiesen - sich möglicherweise selbst bereichert haben. Als er den Maschinenkauf nachweisen sollte und der mutmaßliche Betrug aufzufliegen drohte, fälschte er laut Anklage eine Rechnung.

    Aus der Küche der Maximilians Brauwiesen in Lahnstein tönt Geklapper, aus Boxen säuselt das Radio, am Nachbartisch hantiert ein Kellner: Es ist ein sonderbar prosaischer Moment, in dem Gerd Schäfer erstmals über die Pleite seines Unternehmens spricht - den Wendepunkt seines Lebens, der aus dem gestandenen Geschäftsmann und Politiker einen Ruheständler und mutmaßlichen Betrüger machte. Schäfer sitzt an diesem Novemberabend im Gastraum, nimmt einen Schluck Kaffee und erzählt: „Wir standen mit dem Rücken zur Wand." Er meint die Jahre nach 2007, als die Finanzkrise die Welt veränderte, als er von Banken kein Geld mehr bekam und einen Kreditvermittler einschaltete. Er schildert, was dann passierte, und gerät ins Schwimmen: „Wir waren auf einem guten Weg. Dann kippte es. Es kamen Dinge von Außen ..."

    Alles begann 1978. Gerd Schäfer gründete Gescha, das Kürzel steht für seinen Vor- und Nachnamen. Das Unternehmen residierte zuletzt in der Dr.-Walter-Lessing-Straße 4 in Lahnstein, beschäftigte 20 Angestellte, unterhielt eine Filiale in Thüringen, verkaufte 700 Klebebänder für Autos, Möbel oder Windeln. Ein Bild, das zum 25-jährigen Bestehen aufgenommen wurde, zeigt Geschäftsführer Schäfer im Kreis seiner Belegschaft. Auf einem Plakat prangt das Motto: „Lust am Erfolg". Doch bald war Schluss.

    Laut Anklage geriet Schäfer spätestens 2009 in massive Geldnot: In diesem Jahr kündigte ihm die Commerzbank mehrere Darlehen und forderte eine Rückzahlung von 1,2 Millionen Euro. In der Folge sollen ihm auch die Volksbank Rhein-Lahn und die Nassauische Sparkasse die Kredite gekündigt und 550 000 Euro Rückzahlung gefordert haben. Laut Anklage war Gescha bereits 2009 - nach der Rückforderung der Commerzbank - zahlungsunfähig. Doch Schäfer stellte erst im Februar 2011 einen Insolvenzantrag. Die Anklage wirft ihm Insolvenzverschleppung vor.

    Schäfer bestreitet diesen Vorwurf und verweist auf Rainer Langen - den Bad Kreuznacher Kreditvermittler, den er in seiner Geldnot beauftragte. Er legt einen Artikel des „Handelsblatts" auf den Tisch, deutet auf eine Passage und liest vor, was Langen demnach über Gescha gedacht haben soll: „Schäfers Zahlen stimmen, die Firma verdient gutes Geld, das ist viel wert. Das werden auch die Banken verstehen." Der Artikel erschien im März 2010. Schäfer erklärt: „Gescha war noch bis Oktober 2010 funktionsfähig. Eine Insolvenzverschleppung liegt nicht vor."

    Der 72-Jährige bekam im Namen des Landes Rheinland-Pfalz für sein kommunales Engagement die renommierte Freiherr-vom-Stein-Plakette verliehen. Er ist ein erfahrener Politiker - darum weiß er, dass der Verdacht, er habe sich um fast eine Viertelmillion Euro bereichern wollen, besonders schwer wiegt. Er zuckt zusammen, als er damit konfrontiert wird. Dann weist er den Vorwurf zurück: „Ich habe mich nicht persönlich bereichert." Er will nicht konkreter werden, dem Prozess in Koblenz nicht vorgreifen. „Man muss alle Seiten hören. Dann entscheidet das Gericht."

    Schäfer zog sich inzwischen weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Er gehörte 35 Jahre lang dem Lahnsteiner Stadtrat an - 2014 trat er bei den Wahlen nicht mehr an. Im Juli begründete er den Schritt damit, dass es immer weniger politischen Gestaltungsraum gebe. Er habe seiner Frau außerdem versprochen, dass mit 70 Schluss ist. Jetzt ergänzt er: Er wusste, dass es „Probleme mit der Insolvenz" geben könnte. Und: „Ich fühlte mich in meiner Haut nicht mehr wohl. Es wäre Blödsinn gewesen weiterzumachen." Hartmut Wagner

    Zum Prozessauftakt: "CDU-Schäfer" gesteht Betrug um 1 Million Euro
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