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    Mittelrhein

    Ausflug ins Welterbe wird zur Enttäuschung: Erst vom Schiff und dann zum Geldautomaten gejagt

    Auf ganzer Linie enttäuschend verlief ein Ausflugstag im Welterbe Oberes Mittelrheintal für eine neunköpfige Reisegruppe mit Hund an einem schönen Sommersonntag. Das Fazit von Rolf Papen aus Weißenthurm, der den Ausflug organisiert hatte: „Bei unserem Besuch habe ich mich, nachdem ich vorab unseren Gästen von unserer ,Perle Oberes Mittelrheintal so vorgeschwärmt hatte, doch sehr geschämt.“

    Das Fahrgastschiff Boppard (links) fährt bei Oberwesel an der herrlichen Welterbekulisse vorbei. Für eine Familie aus Weißenthurm mit ihren Gästen wurde ein Ausflugstag am Mittelrhein mit Auto und Schiff sowie einem abschließenden Restaurantbesuch zu einer herben Enttäuschung. Foto: Andreas Jöckel
    Das Fahrgastschiff Boppard (links) fährt bei Oberwesel an der herrlichen Welterbekulisse vorbei. Für eine Familie aus Weißenthurm mit ihren Gästen wurde ein Ausflugstag am Mittelrhein mit Auto und Schiff sowie einem abschließenden Restaurantbesuch zu einer herben Enttäuschung.
    Foto: Andreas Jöckel

    Die Erlebnisse der Gruppe legen eindeutig den Finger in die Wunde der Tourismusregion, auch wenn sie nicht repräsentativ für das ganze Welterbetal sind. Zumal der pensionierte Bundeswehrsoldat Rolf Papen, der sich im Unteren Mittelrheintal gegen Bahnlärm engagiert, die Region liebt und wie seine Westentasche kennt. Folgendes berichtet er vom Wochenende mit Ehefrau, drei erwachsenen Töchtern mit einer Freundin sowie drei Gästen aus Irland – wie immer mit dabei auch Beagle Max:

    Ausblick zugewachsen

    „Nachdem wir am Tag zuvor unseren Gästen das liebliche Moseltal gezeigt hatten, stand am Sonntag das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal auf dem Programm.“ In zwei Pkw ging die Fahrt von Weißenthurm über Koblenz und Braubach zunächst zur Loreley. „Dort scheinen die zahlreichen Touristen aufgrund der Bauarbeiten derzeit niemanden zu interessieren. Anders ist mir nicht erklärlich, wieso man den Ausblick auf den Rhein durch Gestrüpp zuwachsen lässt.“ Auch Kinder seien an der vorderen Felsspitze am Geländer in nicht ungefährlicher Weise hochgehoben worden, um etwas sehen zu können.

    Zur Begrüßung angeherrscht

    Von der Loreley ging es nach Kaub, um das KD-Schiff um 15.25 Uhr Richtung Kamp-Bornhofen zu nehmen. Zwar sei man von einer sehr freundlichen Dame am Kartenverkauf bedient worden, aber leider war nur Barzahlung möglich. Die Ankunft des Fahrgastschiffes „Boppard“ verspätete sich um mehr als eine halbe Stunde. Die Zeit nutzte Papen, um von Blüchers Rheinübergang und vom Freistaat Flaschenhals zu erzählen. Nach Ankunft der „Boppard“ betraten die irischen Gäste – wie von zu Hause gewohnt – die linke Seite der Anlegebrücke. „Sofort wurden sie per Lautsprecher von der Brücke des Schiffes aus angeherrscht“, beklagt Papen. Auch wenn dies aus Sicherheitsgründen geschehe: „Der Ton macht schließlich die Musik.“

    Auf dem Weg zum Ausgang "angefeuert"

    Rolf Papen und seine Frau führen mit den Pkw nach Kamp-Bornhofen. Über die „Schiffstour“ berichteten hinterher die Töchter Folgendes: Bereits an der nächsten Station in Oberwesel musste auf die „Asbach“ umgestiegen werden. Dabei seien die Passagiere per Lautsprecher zum beschleunigten Umsteigen „angefeuert“ worden, was einigen älteren Menschen deutliche Probleme bereitete. Auf der „Asbach“ seien Teile der Mannschaft wohl weder der deutschen noch der englischen Sprache mächtig und mehr als unfreundlich gewesen. Die Erklärungen zu den Sehenswürdigkeiten seien mehr als spärlich ausgefallen. Papen erzählt: „Als Kamp-Bornhofen in Sicht kam und sich unsere Töchter mit unseren Gästen zum Ausgang des Schiffes begaben – ein irischer Gast war Mitte 70 und schon etwas gehbehindert –, wurden sie mit dem Hinweis ,Wenn da unten keiner steht, hält das Schiff nicht an und wir fahren weiter!' aufgefordert, beschleunigt den Ausgang aufzusuchen. Diese Verbringung von Menschen erinnert mich mehr an einen Truppentransport als an eine für viele Menschen einmalige und dazu nicht gerade preiswerte Reise durch ein Weltkulturerbe.“

    Barzahlung verlangt

    In der Zwischenzeit hatte das Ehepaar in Kamp-Bornhofen die Terrasse eines Hotel-Restaurants mit Blick auf den Rhein aufgesucht. „Ein sehr unfreundlich und missmutig wirkender Kellner nahm zunächst keine Notiz von uns“, berichtet Papen. Als er schließlich doch zum Tisch kam, fragte das Paar nach, ob man noch einen Tisch für weitere sieben Gäste hinzustellen könnte. „Daraufhin verschwand er wort- und lustlos und stellte weitab von unserem Tisch im Schatten eines Daches zwei Tische zusammen.“ Auf den Hinweis der Ehefrau, dass man auch den anderen Gästen gern den schönen Blick auf den Rhein ermöglichen wolle, und daher gern den noch freien Tisch nebenan nutzen möchte, stimmte er mit einem Achselzucken zu und verschwand. Papen: „Wir haben dann die Tische selbst zusammengestellt. Das Folgende fasse ich kurz zusammen: Das Essen war reichlich, aber lieblos. So war zum Beispiel die Folienkartoffel unserer jüngsten Tochter einschließlich der Folie mit Soße übergossen, die Salate müde und mein Schnitzel eine Schuhsohle. Zu unserer Überraschung erfuhren wir, als wir um die Sammelrechnung baten, dass man nur Barzahlung akzeptiere.“ Glücklicherweise gibt es in Kamp-Bornhofen einen Bankautomaten, wo man Geld holen konnte.

    Gerade so geduldet?

    Abschließend rät Rolf Papen den Akteuren in der Region, die Haltung gegenüber Gästen und den gebotenen Service zu überdenken: „Es wäre schlimm, wenn man Touristen raten müsste, sich bei einem Besuch des Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal auf die Rolle eines lästigen und gerade noch geduldeten Menschen mit viel Bargeld für schlechten Service in der Tasche einzustellen.“

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Kommentar: Der Gast entscheidet über den Erfolg

    Andreas Jöckel zum missglückten Ausflug

    Man stelle sich einen Sommertag bei der Buga 2031 im Oberen Mittelrheintal vor. An einer entscheidenden Stelle funktioniert die elektronische Zahlung nicht. Auf einem Fahrgastschiff gibt es einen technischen Defekt. Nirgends weiß das Personal mit der Stresssituation umzugehen und herrscht auch noch die Besucher an, die schon enttäuscht vom Aussichtspunkt kamen, weil der Ausblick zugewachsen war. Und dann müssen am Abend noch einige Gäste hungrig und durstig zum Bus zurück, weil sie nicht genug Bargeld dabei hatten – obwohl Barzahlung völlig unüblich geworden ist.

    Natürlich ist im Tal bereits vieles im Umbruch. Es gibt engagierte Gastgeber, Touristiker und Politiker. Aber eines ist klar: Noch so viele Millionen Euro, die für eine Buga 2031 in Infrastruktur und Marketing gebuttert werden, reichen nicht aus, wenn das richtige Bewusstsein fehlt und nicht alle Dienstleistungen in der Servicekette stimmen. Am Ende des Tages entscheidet das Gefühl des Gastes über den Ruf und den Erfolg einer Tourismusregion.

    Das Beschwerdemanagement ist angelaufen

    Immerhin ist das Beschwerdemanagement unverzüglich angelaufen, nachdem die Regionalagentur Romantischer Rhein Tourismus GmbH (RRT) von den Erlebnissen der Familie Papen erfahren hatte und darüber recht erschrocken war.

    Bei der Verbandsgemeinde Loreley ist man sich des Problems aufgrund der Baustelle einzig verbliebenen Aussichtspunkts auf der Loreley bewusst. Die Büsche können an der gefährlichen Stelle jedoch nicht von Bauhofmitarbeitern geschnitten werden. Eine Fachfirma sei aber bereits beauftragt.

    Laut Köln-Düsseldorfer sind Umstiege auf andere Schiffe in der Regel nur bei technischen Defekten nötig. Die genauen Umstände am betreffenden Tag werden noch recherchiert. Auch der Hotelbetreiber, der laut RRT beteuere, nur in Ausnahmesituationen keine Kartenzahlung zuzulassen, wolle die Umstände des Nachmittags hausintern klären.

    Auch RRT-Geschäftsführerin Jeanette Dornbusch bedauert die Vorfälle: „Es ist wichtig für eine Region, die in Konkurrenz zu vielen anderen steht, dass die touristische Dienstleistungskette von Anfang bis Ende stimmt.“ Sie verweist aber auch auf die sehr engagierten und modernen Gastgeber, die es am Mittelrhein ebenfalls gibt, und dass sich vieles bereits im Umbruch befinde. Schulungsangebote im Servicebereich sowie Qualitätsmanagement gebe es bei der Tourismus-Akademie in Boppard oder bei der IHK genug. „Aber vielleicht sind noch nicht alle in der Region ausreichend wachgerüttelt.“ aj

    Das Beschwerdemanagement ist angelaufenKommentar: Der Gast entscheidet über den Erfolg
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