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    Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt: Was Fahrern droht

    Die Geschichte eines 30-Jährigen, der sich über die Überwachungskameras am Regio-Bahnhof in Wissen ärgerte (wir berichteten), schlägt in unserer Leserschaft hohe Wellen. Christopher Krämers Auto wurde Opfer eines Ausparkunfalls auf dem Parkdeck, und der Unfallverursacher machte sich einfach aus dem Staub. Unsere Recherchen haben ergeben: Hierbei handelt es sich nicht um einen Einzelfall von Fahrerflucht.

    Die einen sehen es als geringfügigen Gesetzesverstoß. Für die anderen ist es mehr als nur ein Bagatelldelikt. Wer einen Parkrempler erwischt oder gar selbst zu einem wird, sollte es bei der Polizei melden. Foto: dpa
    Die einen sehen es als geringfügigen Gesetzesverstoß. Für die anderen ist es mehr als nur ein Bagatelldelikt. Wer einen Parkrempler erwischt oder gar selbst zu einem wird, sollte es bei der Polizei melden.
    Foto: dpa

    Allein in der vergangenen Woche informierten die Polizeiinspektionen (PI) Betzdorf und Altenkirchen darüber, dass im AK-Land rund zehn Personen Fahrerflucht begangen haben. Ob nur ein kleiner Kratzer im Lack oder doch eine Delle, die sich über das gesamte Heck erstreckt – für die Opfer ist ein Unfall immer ärgerlich. Und wenn er dann auch noch in deren Abwesenheit passiert ist und sich der Täter aus dem Staub gemacht hat, dann ist die Aufklärung umso arbeitsaufwendiger. Wir fragten bei der Polizei nach, wie sich die Zahlen in den vergangenen zwei Jahren entwickelt haben und was den Tätern droht, wenn sie einen Unfall nicht melden.

    Die PI Betzdorf registrierte für ihren Zuständigkeitsbereich im ersten Halbjahr 2016 insgesamt 1003 Unfälle im Straßenverkehr – sowohl jene mit Fahrerflucht als auch ohne, mit Personenschaden als auch ohne. 2017 waren es im ersten Halbjahr 1030 Unfälle. Nach Angaben von Sachbearbeiter Andreas Hammer sind die Zahlen somit in etwa gleich geblieben. Auch die Unfälle, bei denen der Verursacher geflüchtet ist, sind fast gleich: 2016 waren es im ersten Halbjahr 190, 2017 im ersten Halbjahr 191 Unfälle.

    Der deutliche Unterschied liegt bei der PI Betzdorf laut Hammer in einem anderen Punkt: „Wir haben uns in Sachen Aufklärung gesteigert.“ Vergangenes Jahr wurden die Verursacher von 36,54 Prozent der Unfälle ermittelt, 2017 bislang sogar 42,41 Prozent. Woran es liegen könnte, dass dieses Jahr mehr Unfälle aufgeklärt wurden, ist laut Hammer schwer zu sagen: „Die Bürger werden nicht unbedingt aufmerksamer. Auch meine Kollegen sind nicht besser geschult als sonst. Alle versuchen stets, so viele Unfälle wie möglich aufzuklären.“

    Die PI Altenkirchen registrierte für ihren Zuständigkeitsbereich laut Egon Schenkelberg im ersten Halbjahr 2016 insgesamt 97 Fahrerfluchten, von denen die Beamten 36 Prozent aufklären konnten, im ersten Halbjahr 2017 gab es 129 Fahrerfluchten, von denen 41 Prozent aufgeklärt wurden. Schenkelberg sagt, dass es wetterbedingt ist, wie viele Unfälle passieren: „Bei Sonnenschein nehmen die Zahlen gravierend ab.“

    Gerade größere Unfälle, bei denen Fahrerflucht begangen wird, können laut Schenkelberg aufgeklärt werden: „Wenn ein Auto zum Beispiel gegen eine Hauswand oder gegen einen größeren Zaun gefahren ist, dann bleiben an der Unfallstelle auch schon mal ganze Fahrzeugteile liegen.“ Durch gezielte Ermittlungstätigkeit können dann die Unfallverursacher ausfindig gemacht werden, weil die Fahrzeugteile zum Beispiel einer bestimmten Baureihe oder einem Modell zugeordnet werden können. Wenn es sich hingegen um einen kleinen Unfall handelt, zum Beispiel „einen Parkplatzrempler“, so Schenkelberg, gibt es meist wenige Hinweise beziehungsweise kein konkretes Spurenbild, das direkt zum Täter führt. „Da sind wir dann wirklich auf die Bürger angewiesen, die irgendetwas beobachtet oder sich sogar ein Nummernschild aufgeschrieben haben.“ Denn Lackreste des Täterautos allein reichen meist nicht aus.

    Die Höhe der Strafe ist je nach Unfall unterschiedlich. An sich ist das unerlaubte Entfernen von der Unfallstelle allein schon mal eine Straftat, sagt Hammer, der seit 23 Jahren im Dienst ist: „Wenn sich ein Täter bei einem Bagatellunfall innerhalb von 24 Stunden reuig meldet, dann kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellen.“ Ein Bagatellunfall gilt bis zu einem geringfügigen Sachschaden von bis zu 2000 Euro. Im Fall von Christopher Krämer lag der Gesamtschaden an seinem und den beiden anderen Autos über diesem Betrag.

    Hammer erklärt weiter: „Dann kann es aber auch zu Geldstrafen kommen, die höher ausfallen als Bußgeld. Bußgelder werden nur im Bereich der Ordnungswidrigkeiten erlassen. Geldstrafen werden hingegen vom Gericht verhängt, da werden dann meistens die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten mit in die Waagschale geworfen.“ Natürlich könne es auch zum Führerscheinentzug oder gar einer Gefängnisstrafe kommen – mit bis zu drei Jahren Haft.

    Wenn es sich um Unfallflucht mit Körperverletzung beziehungsweise Personenschaden handelt, dann kommt laut Hammer ein weiterer Straftatbestand hinzu. Da kann es also sein, dass es nicht mit einem Freiheitsentzug von drei Jahren getan ist.

    Weitere Infos zu Unfällen erhalten Sie über unsere App RZplus.

    Von unserer Redakteurin Sabrina Rödder

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