40.000
Aus unserem Archiv

Und am Ende steht ein Held: Großes Finale beim großen Weihnachtskrimi unsere Zeitung

Unsere Zeitung bietet allen Lesern im Advent ein besonderes Schmankerl: eine weihnachtliche Kriminalgeschichte. Redakteure und Reporter der Rhein-Zeitung werden diese Geschichte bis zum 23. Dezember im Wechsel mit viel Lokalkolorit fortschreiben. Wie ein Staffelholz werden an jeden Autor drei Stichworte weitergereicht, die dieser in seine Fortsetzung einbauen muss. Den Titel der Geschichte wird die Redaktion mit dem letzten Teil festlegen. Die RZ wünscht viel Spaß mit einer ungewöhnlichen Lesegeschichte.

Bis zum 23. Dezember gibt's spannende Teile unseres großen RZ-Weihnachtskrimis. Foto: dpa/Eschenauer
Bis zum 23. Dezember gibt's spannende Teile unseres großen RZ-Weihnachtskrimis.
Foto: dpa/Eschenauer

Teil 1: 
Der Tote im Teich (Sonja Roos)

Hannes Schaluppke, kurz Schlupp genannt, stand knietief im Matsch. Der Bauhofmitarbeiter kratzte sich an seinem wenig behaarten Schädel und beäugte die gelben Gummistiefel, die, Sohle zuoberst, vor ihm aus der Erde herauszuragen schienen. Gerade hatten er und Kollege Rudi das Wasser aus dem verschlammten Eisweiher im Wiesental abgelassen. Nun starrte er auf den ganzen Unrat, der so zu Tage gefördert worden war: Ein rostiges Fahrrad, ein Eimer, ein Damenhöschen, eine Hundeleine, ein leerer Kasten Hachenburger Pils, ein Orden der KG Altenkirchen und eben jene gelben Gummistiefel.

Verwunderlich war hier die Tatsache, dass sie im Boden steckten, so als habe jemand das Schuhwerk eigens dort drapiert. Schlupp beschlich ein ungutes Gefühl. Er war ein großer Fan der skandinavischen Krimischreiber wie Jussi Adler-Olsen oder Jo Nesbø und so ein komischer Fund wäre in diesen Büchern meist der Auftakt zu einer makaberen Mordserie. „Rudi, komm' mal“, brüllte Schlupp und watete ein Stück weiter durch den morastigen Boden auf die gelben Gummistiefel zu. Rudi, der auf einer der Bänke eine Zigarettenpause eingelegt hatte, stieg nun ebenfalls in den abgelassenen Weiher. „Was'n los?“, fragte er und sah Schlupp mit dem für ihn typischen leeren und leicht debilen Blick an. „Da“, sagte der nur und zeigte auf die Gummistiefel. „Oh, schöne Stiefel, kann ich gut gebrauchen für meine Schwiegermama. Die meckert immer, weil sie sich jedes Mal die Pantoffel im Hühnerstall versaut.“ Noch ehe Schlupp etwas sagen konnte, war Rudi auf die Stiefel zugewatet und hatte kräftig am rechten gezogen. Sein Schrei hallte durch das morgendlich stille Wiesental, so dass etliche Vögel in den dämmrig-trüben Winterhimmel stoben. Dort, wo eben der rechte Gummistiefel gesteckt hatte, ragte nun ein nackter, ziemlich bleicher Fuß aus dem Schlamm. Schlupp schüttelte betrübt den Kopf. Jetzt hatte Rudi den Tatort verunreinigt. Sein Kollege war wohl kein großer Krimifan.

  • Redaktionsleiter Markus Kratzer wird die Geschichte in der morgigen Ausgabe fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Klötterpatten, Nikolaus und Karnevalsprinz.

Teil 2: Der seltsame Karabinerhaken (Markus Kratzer)

Das Blaulicht der Streifenwagen durchpeitscht die Nacht am Eisweiher. Scheinwerfer leuchten die Fundstelle der Leiche aus. Nach und nach verschwinden die Kleinteile in unmittelbarer Umgebung des Toten in den Plastiktüten der Spurensicherung: die Hundeleine, das Damenhöschen, der Karnevalsorden. „Würde mich nicht wundern, wenn irgendjemand hier einen Karnevalsprinzen versenkt hätte“, murmelt Kriminalhauptkommissar Nikolaus Stolzenfels von der Mordkommission in Koblenz vor sich hin. „Und warum muss ausgerechnet ich hier oben ermitteln“, macht er einem Unmut Luft, den seine Gesichtszüge eigentlich schon ungefragt verraten. Was gäbe er dafür, jetzt in seinem wohlig warmen Büro mit Blick auf das Deutsche Eck zu sitzen. „Ganz schön frisch hier bei uns im Westerwald“, holt ihn Polizeiobermeister Karsten Blechschmidt von der Kripo Betzdorf ganz schnell wieder aus gedanklichen Höhen auf den Schlammboden des Eisweihers zurück. Auch der ist alles andere als erbaut darüber, dass mal wieder Koblenz das Heft des Handelns in die Hand genommen hat.

Doch ehe es zu einem Duell über Zuständigkeiten kommen kann, taucht eine junge Beamtin der Spurensicherung auf. „Schon erste Erkenntnisse, Frau Meyer-Wittenberg?“, fragt Stolzenfels. „Männliche Leiche, zwischen 40 und 50, keine Spuren von äußerer Gewalteinwirkung“, kommt prompt die Antwort. „Lässt sich der Todeszeitpunkt ermitteln?“ „Noch nicht genau, weil die Leiche ja im Schlamm steckte. Da müssen wir auf die Gerichtsmedizin und das Labor warten.“ Kurzes Schweigen. „Nur eines ist seltsam“, druckst die junge Frau herum.“ „Was denn? Raus mit der Sprache“, hakt Stolzenfels nach. „Der Tote hielt diesen komischen Karabinerhaken in der linken Hand.“ Sie streckt den beiden Kollegen eine Plastiktüte entgegen. Stolzenfels und Blechschmidt schauen sich das Teil an. „So etwas hätte man früher höchstens beim Klötterpatten bekommen“, entfährt es Blechschmidt.

Im gleichen Augenblick sieht er in die fragenden Augen seines Kollegen. Sollte er ihm jetzt von dem Eisenwarenladen und seinem Betreiber erzählen, die beide in und um Altenkirchen Kultstatus erreicht hatten. Er wollte gerade dazu anheben, als er die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens einsah. „Ich meine, das Teil ist schon sehr merkwürdig“, begnügte er sich mit der Übersetzung für Koblenzer. Stolzenfels reichte die Erklärung. Er hatte sich inzwischen den Karabiner etwas genauer angeschaut. Diesen eigenartig zurechtgebogenen Schnappverschluss konnte er einfach nicht zuordnen. Hilflos suchte er den Blick des Kollegen. „Sagen Sie mal, Blechschmidt. Was um alles in der Welt fängt man mit so einem seltsamen Haken an?“

  • Redakteur Daniel Weber wird die Geschichte am Montag fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Grillwurst, Freusburg, Geldautomat.

Teil 3: Der vermisste Karnevalsprinz (Daniel Weber)

Es graut bereits der Morgen, als sich die Ermittler auf den Weg zur Kriminalinspektion nach Betzdorf machen. Blechschmidt drückt aufs Gaspedal. Der aufgehenden Sonne entgegen braust der Dienstwagen über die B 414. Kurz vor Kroppach setzen Blechschmidt und Stolzenfels fast zeitgleich ihre Sonnenbrillen auf. Sie schweigen eisern vor sich hin, genervt und müde vom nächtlichen Einsatz. Im Radio läuft derweil das Beste der 80er und 90er. „Alles klar, Herr Kommissar?“, fragt Falco mit Wiener Schmäh, als der BMW an den Gebhardshainer Windrädern vorbeirauscht. Für Stolzenfels offenbar das Signal, die Sprachlosigkeit zu durchbrechen: „Viel Gegend hier“, raunzt er, während sein Blick gelangweilt über die Westerwälder Höhen schweift. „Schön, nicht?“, kontert Blechschmidt gleichfalls wortkarg die Spitze des Koblenzer Kollegen. „Da fällt mir ein: Ich muss noch Grillwurst holen. Mein Sohn feiert heute Abend seine Geburtstagsparty bei uns im Garten.“

Just als sie auf den Parkplatz fahren, öffnet die Dorfmetzgerei. Blechschmidt huscht hinein. Stolzenfels wirft einen griesgrämigen Blick hinterher. „Während der Dienstzeit“, brummt er kopfschüttelnd, da dudelt plötzlich die James-Bond-Melodie seines Handys. „Was gibt’s?“, knurrt Stolzenfels noch immer missgelaunt. Dann erhellt sich seine Miene: „Ach, das ist ja interessant! Seit Tagen vermisst? Ein Karnevalsprinz aus … Woher? Her-kers-dorf? Gut, wir gehen der Sache gleich nach. Sobald mein Betzdorfer Kollege hier seine Wocheneinkäufe erledigt hat.“

Stolzenfels lässt sein Handy zurück in die Tasche seines Trenchcoats gleiten. Eine halbe Minute später steigt Blechschmidt wieder ins Auto. „Jetzt weiß ich, wo …“ „Quatschen Sie nicht, Blechschmidt, fahren Sie los! Wir haben eine Spur!“, unterbricht ihn der Kommissar. „Ja, aber …“ „Nix aber. Auf nach Herkersdorf. Da wird seit vorgestern der Karnevalsprinz vermisst.“ „Okay, Chef“, sagt Blechschmidt genervt. „Ich wollte nur sagen: Ich weiß, wo ich so einen Karabiner schon mal gesehen habe.“ – „Ja? Wo denn? Mensch, Blechschmidt, nun machen Sie es nicht so spannend!“ – „Vor ein paar Jahren hatten wir es hier mal mit einer Bande zu tun, die in der Gegend ein Dutzend Geldautomaten geknackt hat. Den Fluchtwagen haben die Täter damals an der Freusburg stehen gelassen, und im Kofferraum war unter anderem so ein Karabiner.“ – „Mmh, interessant“, murmelt Stolzenfels, „aber vermutlich doch eher Zufall, oder nicht? Was hat ein Karnevalsprinz mit Automatenknackern zu tun?“ – „Ich frage mich eher, wie der Prinz aus Herkersdorf, sollte er denn der Tote aus dem Eisweiher sein, nach Altenkirchen kommt“, erwidert Blechschmidt. „Und: Was um aller Welt hat es mit dem Damenschlüpfer und der Hundeleine am Tatort auf sich?“

Redakteur Peter Seel wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Kaffee, Druidenstein, Techtelmechtel.

Teil 4: Liebeskummer am Druidenstein (Peter Seel)

Jetzt erst mal eine Tasse Kaffee!“, brummt der Betzdorfer Polizist und duckt sich noch tiefer in den Sitz, um die Vorzüge der Sitzheizung noch mehr auszukosten. „Denkste!“, kommt es schneidig vom Befahrersitz zurück, „Wir müssen jetzt erst mal schnellstens in dieses Häkelsdorf oder wie das Kaff heißt...“ Noch bevor der Betzdorfer seinem Koblenzer Kollegen den Ortsnamen Herkersdorf abermals buchstabieren kann, schrillt sein Handy. „Hmm“, „Ach?“ und „Jaja, is' klaa!“ hört Stolzenfels ihn rhabarbern. Dann ist das Telefonat vorbei. Doch anstatt zu erzählen, schweigt Blechschmidt und erhöht das Tempo. Stolzenfels versucht, den Coolen heraushängen zu lassen – und verkneift sich die Nachfrage. Doch wie immer hält er nicht lange durch: „Blechmeier!“ zischt es aus ihm weg wie aus einem Luftballon, dem man die Luft rauslässt: „Was war?“

„Also erst mal heißt unser Dörfchen Herkersdorf und nicht Häkelsdorf. Zweitens heiß' ich Blechschmidt und nicht Blechmeier!“ Der Betzdorfer Beamte rutscht in seinem Sitz hin und her und gibt noch mehr Gas. „Also raus mit der Sprache!“ zischt der Koblenzer. „Drittens gab es einen wirren Handyanruf bei der Polizeiwache“, sagt Blechschmidt, „die Kollegen an der Hellerstraße haben das nicht ganz verstanden, weil der Anrufer ganz schön neben der Kappe war. Der Mann hockt am Druidenstein und klang verzweifelt. Wir müssen hin.“

Wenig später hetzen die beiden Gesetzeshüter den Fußweg zum Druidenstein hinauf, den Wagen haben sie am Waldrand stehen lassen. Im Dämmerlicht des fies-grauen Dezembermorgens fliegen sie in immer neue Graupelflöckchen, die Petrus ihnen wie zwei frisch Vermählten zuwirft wie kleine Reiskaskaden. Am alten Basaltkegel entdeckt das Duo, ohne lange suchen zu müssen, das Häufchen Elend mit der Narrenkappe auf dem Kopf. Zusammengesunken hockt ein Mann da, brabbelt vor sich hin, zwischen den einzelnen Silben kleine Schluchzer. „Der vermisste Karnevalsprinz!“ entfährt es Blechschmidt. „Und er ist neben und unter der Kappe!“, grinst Stolzenfels. Schnell sind sie bei ihm, und als sie ihn rütteln wollen, plumpst eine Pistole aus seinem Mantel. „Ich wollt' nicht mehr leben!“ quäkt der Prinz, „mein' Frau will mich verlassen, weil se das mit der Leni rausgekriegt hat am elften Elften... Unn nu' will auch Leni mich nimmer!“ Blechschmidt nimmt die Waffe an sich, und als sie den Mann unter den Armen packen und auf die Beine stellen, rutscht eine fast leere Schnapsflasche aus dessen Jacke und zerschellt auf dem Basalt. „Sie wollten sich wegen eines Techtelmechtels erschießen?“ Ungläubig schüttelt Stolzenfels den Kopf. „Das gibt es auch nur noch aufm Land...“ Blechschmidt ignoriert das geflissentlich: „Also ist unsre Eisweiher-Leiche schon mal kein Karnevalsprinz...“

Reporterin Beate Christ wird die Geschichte morgen fortsetzen. Ihre drei Stichwörter lauten: Beatles, Beethoven, Brato.

Teil 5: Die Suche nach dem Hundeflüsterer (Beate Christ)

Blechschmidt und Stolzenfels setzen den völlig verheulten Karnevalsprinzen vor seiner Haustüre ab. Fast wäre dieser während der Fahrt vor Selbstmitleid auf der Rückbank des Streifenwagens zerflossen, als aus dem Autoradio der Beatles-Klassiker „She loves you“ tönte. „Das ist unser Lied“, hatte er immer wieder geschluchzt. Die Polizeibeamten sehen dem Mann noch kurze Zeit zu, wie er zur Türe schwankt und schließlich den Knopf der Klingel drückt. „Der wird wohl jetzt die Schicksalsmelodie von Beethoven zu hören bekommen“, sagt Polizeiobermeister Karsten Blechschmidt mit einem leichten Unterton der Schadenfreude in der Stimme. Sein Koblenzer Kollege verdreht die Augen. „Wenn, dann ist das die Schicksalssymphonie“, raunt er. Doch das wollen sich die Beamten ersparen, schließlich haben sie ihn schon nach Hause gefahren, obwohl das eigentlich gar nicht ihre Aufgabe war. „Wenn die Eisweiher-Leiche kein Karnevalsprinz ist, müssen wir noch mal bei Adam und Eva anfangen“, murmelt Nikolaus Stolzenfels vor sich hin und steckt sich gedankenverloren eine Zigarette an. Blechschmidt bekommt prompt einen Hustenanfall und lässt die Fensterscheibe runterfahren. Kalte Dezemberluft strömt ins Auto. „Konzentrieren wir uns lieber auf die anderen Fundstücke“, sagt der Betzdorfer und legt eine Vollbremsung hin. „Die Hundeleine!!!“ ruft er aus, während sich sein Kollege die Zigarettenasche von der Hose klopft. „Irgendwo hier in der Gegend gibt es einen Hundeflüsterer, der kennt sie alle. Hunde und Herrchen. Würde mich nicht wundern, wenn der die Leine erkennt“. Stolzenfels schaut seinen Kollegen fast mitleidig an und schnippt die Kippe aus dem Fenster. „Sie spinnen“. Mehr fällt ihm dazu nicht ein. Blechschmidt aber beißt sich an seiner Idee fest. „Wie heißt der Typ noch mal... Brings, Bootmann, Berger.... Brato? Ich hab's. Kunibert Brato. Der muss irgendwo im Wiedtal leben!“ Blechschmidt dreht mit quietschenden Reifen auf der Straße und gibt Gas. „Ok, einen Versuch ist es wert“, gibt Stolzenfels zu. Ganz überzeugt ist er allerdings noch nicht von der Idee. Schnell lassen die Beamten Herkersdorf hinter sich, die Lösung muss irgendwo anders liegen.

Vielleicht im Schatten der Burg Lahr, deren Turm sich majestätisch über dem Wiedtal erhebt. Nikolaus Stolzenfels schüttelt den Kopf. „Das ist nicht ihr Ernst. Erst bringen sie mich nach Häkelsdorf und jetzt hier hin? Das wird ja immer besser“, pflaumt er seinen Betzdorfer Kollegen an. Doch der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, fragt den ersten Spaziergänger, der mit seinen drei Dackeln an den beiden vorbeikommt, nach dem Hundeflüsterer. Als hätten sie gerade den Weihnachtsmann persönlich gesehen, blicken die Beamten in das bärtige Gesicht eines alten Mannes, der sie mit leuchtend blauen Augen gutmütig anschaut.

Redakteurin Sabrina Rödder wird die Geschichte morgen fortsetzen. Ihre drei Stichwörter lauten: Steigerlied, Engelshaar, Marzipan.

Teil 6: Feines Elchleder – ein Hinweis? (Sabrina Rödder)

Natürlich kennt der alte Mann den Hundeflüsterer aus Burglahr und natürlich kann er die beiden Polizisten zu ihm führen – wie das bei einem 500-Seelen-Dorf nun mal so ist. „KO? Kommt ihr aus Koblenz?“, fragt der Fußgänger. „Na ja, egal. Am besten lasst ihr euren Flitzer hier stehen und kommt zu Fuß mit.“

Der Koblenzer Kriminalhauptkommissar Nikolaus Stolzenfels und der Betzdorfer Polizeiobermeister Karsten Blechschmidt folgen dem Mann und seinen drei Dackeln durch die Dämmerung. Die Gruppe lässt Raiffeisenstraße und August-Sander-Gasse hinter sich. Die Wege werden immer schmaler, immer kaputter. Das letzte Haus ist schon nicht mehr in Sichtweite. Die Kollegen können kaum noch ihre Füße erkennen, als sie ein schier endlos großes Waldstück erreichen. Der bärtige Mann fängt an zu singen: „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt ... Und da drunten in dem tiefen finst’ren Schacht, bei der Nacht ...“ „Gleich haben wir einen weiteren Tatort“, flüstert Stolzenfels seinem Betzdorfer Kollegen zu. „Da ermitteln wir beide aber nicht mehr. Allerdings nicht aus dem Grund, weil wir schon längst Feierabend hätten ...“ Ein Glück, dass Stolzenfels Blechschmidts rollende Augen nicht erkennen kann: „Du kennst wohl das Steigerliednicht. Oh, Mann. Wer wird denn hierbei Angst bekommen?“

Sieben Minuten später erreichen die Drei endlich das Haus des Hundeflüsterers. „Klingeln könnta jo selbst, oder?“, meint der bärtige Helfer und macht auf seinem Absatz kehrt. Kunibert Brato, ein Mann mit rotblondem Engelshaar und Zahnpastalächeln, öffnet die Tür. Seine graublauen Augen leuchten sofort auf, als er die Plastiktüte mit der Hundeleine sieht, die Blechschmidt ihm entgegenstreckt. Der Hundeflüsterer reißt sie an sich und fängt an zu schwärmen: „Das ist traditionelle Handwerkskunst, feinstes Elchleder. Ein eleganter Klassiker, wenn sie mich fragen. Das Leder ist angenehm griffig, warm und herrlich weich ...“ „Ja ja, ist gut“, patzt Stolzenfels dazwischen. „Da fehlt allerdings der Karabinerhaken“, wird der Hundeflüsterer plötzlich stutzig. „Ah, der hier?!“, meint Blechschmidt und streckt dem Hundespezialisten eine weitere Plastiktüte entgegen. „Ach herrje. Nein. Der ist doch viel zu groß für so eine Hundeleine – mit dem eigenartig zurechtgebogenen Schnappverschluss.“

Mit den neuen Hinweisen im Gepäck, die mehr schlecht als recht zu sein scheinen, trotten Stolzenfels und Blechschmidt durch den Wald zurück zum Auto. „Von wegen Elchleder“, murmelt Stolzenfels. „Der hat wohl zu viel Urlaub in Norwegen gemacht. Lass uns morgen lieber mal bei den Damenschlüpfer gucken. Fürs Erste habe ich genug Hundeleine gehabt.“ Blechschmidt hört gar nicht mehr hin, ist mit seinen Gedanken schon zu Hause auf der Couch und schiebt sich ein Stück Marzipan nach dem anderen in den Mund.

Redakteur Andreas Neuser wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Kirche, Liebe, Stegskopf.

Teil 7: Unbedingt zum Übungsdorf (Andreas Neuser)

Das mit der Hundeleine und dem Karabinerhaken, stöhnt Nikolaus Stolzenfels von der Kripo in Koblenz, sei wohl eine falsche Spur in Sachen Leiche im Eisweiher. Aber Kollege Karsten Blechschmidt von der Polizei in Betzdorf will nicht aufgeben. Der Karabinerhaken mit dem eigenartigen Schnappverschluss treibt ihn weiter um. So etwas Verbogenes hat er schon einmal gesehen. Lange musste er grübeln. Der Koblenzer Kollege schaute derweil mürrisch drein. Seine Laune wird nicht besser, als er erfährt, dass der Kollege ein Ergebnis hat – auf dem Stegskopf. Stolzenfels tobt. Den Stegskopf kennt er noch als Truppenübungsplatz. Da hat er einmal gedient – und war gleich bedient. Der Betzdorfer Kollege will doch jetzt nicht zum Stegskopf?! Doch, der will. „Neiiiiin“, schreit Stolzenfels. Zum Stegskopf, da will er nicht hin zurück. Denn da gab es während seiner Bundeswehrzeit eine große Liebe. Da will er keine Erinnerungen wecken. Aber jeder noch so kleinen Spur wollen sie folgen. „Übungsdorf Wisselsgrund“ fällt es dem Betzdorfer Polizisten plötzlich wieder ganz heiß ein. Ein Ort auf dem Stegskopf, wo bereits von der berühmten GSG 9 geübt wurde. Genau da hat er diesen Karabinerhaken gesehen. Ob da noch etwas zu finden ist? „Da zünde ich lieber eine Kerze in der Kirche an und warte auf eine Erleuchtung“, brummelt Kriminalhauptkommissar Stolzenfels vor sich hin. Der Betzdorfer Kollege bleibt hartnäckig. „Da müssen wir hin.“

Redakteur Elmar Hering setzt die Geschichte morgen fort. Seine drei Stichwörter lauten: Blaue Stunde, Barbaraturm, Hölle.

Teil 8: Von niemandem vermisst (Elmar Hering)

Oh nein, der Truppenübungsplatz Stegskopf, es war die Hölle“, erinnert sich Nikolaus Stolzenfels an seine Bundeswehrzeit, „es war kalt, langweilig, und oft dauerten die Schießübungen bis in die blaue Stunde hinein.“ Doch er kann die These seines Betzdorfer Kollegen nicht widerlegen und deshalb schnurrt der Streifenwagen erneut quer durch den Landkreis, aus dem lieblichen Wiedtal hinauf auf die Höhen des Westerwaldes. Dort angekommen, schält sich das „Übungsdorf Wisselsgrund“ nur langsam aus dem winterlichen Grau. Die Laune des Koblenzer Kriminalbeamten ist nicht minder frostig, ganz im Gegensatz zu Blechschmidts Tatendrang. Kaum ist der Dienstwagen geparkt, stiefelt dieser entschlossen in Richtung der Baracken. Ob es hier tatsächlich eine Verbindung zur Leiche im Altenkirchener Weiher zu finden gibt? Minutenlang streift er um die Ecken, schaut in jeden Winkel, findet Sachen, die niemand vermisst, aber nirgendwo ein Hinweis auf die ominösen Karabinerhaken.

Derweil lehnt Stolzenfels am Auto, fast sieht es so aus, als wolle er sich die Finger an der warmen Motorhaube wärmen. Untrüglich schreit sein Gesichtsausdruck: „Sackgasse! Hab ich doch gleich gewusst. Was nun?“

Das Klingeln des Smartphones weckt den Polizisten aus seinen wenig konstruktiven Gedanken. Es ist Eva Meyer-Wittenberg, die Kollegion von der Spurensicherung: „Halten Sie sich fest. Wir haben noch so einen Karabinerhaken gefunden, und zwar in Malberg, ganz in der Nähe des Barbaraturms.“

Redakteur Volker Held setzt die Geschichte am Montag fort. Seine drei Stichwörter lauten: Schloss, Schnee, Schokolade.

Teil 9: Spuren tief im Bergwerk (Volker Held)

as ist typisch Hoher Westerwald: Gerade noch bretzelt die Sonne nieder, ist wenige Minuten später das Chaos perfekt. Nasser Schnee prasselt auf die beiden Ermittler nieder, die sich daraufhin mit ihrem wenig wintertauglichen Gefährt den Weg durch das Gestöber aus weißen Flocken gen Barbaraturm bahnen. Karsten Blechschmidt hat Verständnis für sein Koblenzer Pendant Nikolaus Stolzenfels, der nur noch jammert: „Wäre ich doch bei den Schängeln geblieben, da hätte ich jetzt bei einer Tasse heißer Schokolade doch weitaus weniger Stress!“ Als das Duo die ersten Kilometer hinter sich gebracht hat, der weiße Mist seinen Schrecken verliert, je weiter es sich Hachenburg nähert und das Schloss der Stadt sichtbar wird, entspannt sich der Winter unerfahrene Stolzenfels (Anmerkung des Autors: Autofahrer in Koblenz „drehen“ durch, wenn sie auch nur eine Schneeflocke sehen ...). Ja, jetzt was Wärmendes für Magen und Seele, das wäre nicht schlecht, kreisen seine Gedanken mal kurz um den Feierabend, der, da es gerade mal 10.45 Uhr ist, noch in weiter Ferne liegt. Jäh aus seinen Gedanken gerissen, meldet sich erneut Eva Meyer-Wittenberg von der Spusi via Smartphone. Nicht nur der Karabinerhaken in der Nähe des Barbaraturms scheint eine Spur in dem Fall der Leiche im Altenkirchener Weiher zu sein, auch die seltsamen Schriftzeichen unter Tage im nahe gelegenen Besucherbergwerk Bindweide deuten daraufhin, dass der Täter durchaus aus heimischen Gefilden stammt. Auf den ersten Blick verweisen die Buchstaben auf eine vorchristliche Behausung, als die Menschen noch ihre Jagderlebnisse im uralten Stein verewigten. Dass es jedoch ein Ablenkungsmanöver sein kann, ziehen Blechschmidt und Stolzenfels mit in ihre Überlegungen ein. Und es schwingt ein unausgesprochener Verdacht mit: Hat sich der Täter vielleicht noch viel tiefer im Stollen verschanzt?

Reporterin Beate Christ setzt die Geschichte morgen fort. Ihre drei Stichwörter lauten: Schwalllippen, Silikonpistole, Siphonmontageanleitung.

Teil 10: Keine Spur vom Herzensbrecher (Beate Christ)

Karsten Blechschmidt lässt wutschnaubend die Silikonpistole fallen. Ausgerechnet an seinem freien Tag will das Wasser in der Duschwanne nicht ablaufen. Nur ein dumpfes Gluckern ist zu hören. Dass der Betzdorfer Polizeibeamte kein begnadeter Heimwerker ist, wird ihm wieder einmal klar. Ohne die Siphonmontageanleitung, die er verlegt hat, ist er ziemlich aufgeschmissen. „Und wo um alles in der Welt kommen jetzt diese komischen Schwalllippen hin?“ fragt er sich selbst. Kaum hat er das Wort Lippen ausgesprochen, lässt er sämtliches Werkzeug fallen. Um die Dusche kann er sich auch später noch kümmern. Die „Lippen“ haben ihn auf eine Idee gebracht.

Schon tippt er die Telefonnummer seines Kollegen Nikolaus Stolzenfels auf das Display seines Mobiltelefons. „Wer stört?“, meldet sich am anderen Ende der Leitung eine brummige Stimme. „Erinnern Sie sich noch an Rudolf Rosenstiel? Ich meine, es ist in der letzten Zeit doch sehr ruhig um ihn geworden“, plappert Blechschmidt drauf los, während er sich auf den Rand seiner Badewanne hockt. „Wegen dieses schnöseligen Heiratsschwindlers rufen Sie an?“ fragt Stolzenfels ungläubig. „Genau wegen dem. Ist es nicht komisch, dass wir in den letzten Wochen und Monaten überhaupt keine Beschwerden und Anzeigen wegen ihm zu bearbeiten hatten? Da stimmt etwas nicht“, mutmaßt Blechschmidt.

Rudolf Rosenstiel hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zwischen Sieg und Wied für Aufsehen gesorgt, hatte er doch mindestens ein Dutzend gutgläubiger Frauen um ihr Erspartes gebracht und deren Herzen gebrochen. „Sogar die Rhein-Zeitung hat darüber berichtet“, bleibt Blechschmidt hartnäckig. Es war ruhig um den Heiratsschwindler geworden, verdächtig ruhig. „Lassen Sie uns morgen darüber reden“, sagt Stolzenfels und beendete das Telefonat. Blechschmidt schaut auf das Wasser mit den Schaumresten, das einfach nicht ablaufen will. Wild kreisen seine Gedanken durcheinander. Immer wieder muss er an die Leiche im Eisweiher denken. „Gibt es eigentlich Fotos von dem Heiratsschwindler?“, grübelt er. Vielleicht sollte er noch mal bei Eva Meyer-Wittenberg von der Spurensicherung nachhaken.

Was Blechschmidt in diesem Zusammenhang plötzlich einfällt: Vor einigen Wochen hatte sich eine neue Tanzgruppe gegründet, die über Karnevalsbühnen von Oberlahr bis Friesenhagen unter dem Namen „Broken Hearts“ wirbelt. „Alles Frauen im besten Alter, die man eigentlich vorher noch nie gesehen hat“, sagt Blechschmidt zu sich selbst. Gedankenverloren drückt er etwas Silikon aus der Silikonpistole und sieht zu, wie die klebrige durchsichtige Masse langsam auf die Fliesen des Badezimmerbodens tropft. Ihn lässt der Gedanke nicht los, dass es sich bei den „Broken Hearts“ um Opfer des Heiratsschwindlers handeln könnte. Ist hier etwa Rache im Spiel?

Redakteur Daniel Weber wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Ehering, Apfel, Balzar von Flammersfeld.

Teil 11: Ein Kompliment vom Kommissar (Daniel Weber)

Am Morgen darauf sitzen die beiden Beamten zur Lagebesprechung in der Betzdorfer Kriminalinspektion. „So, Blechschmidt, was haben wir denn bis jetzt?“, raunzt Kommissar Stolzenfels und legt seinen angebissenen Apfel beiseite. „Tja“, murmelt der Betzdorfer Polizeibeamte und stellt seine Kaffeetasse auf dem Schreibtisch ab. „Viel weiter sind wir noch nicht: Die Spur mit dem Herkersdorfer Karnevalsprinzen hat sich ja erledigt, und der Hundeflüsterer in Burglahr hat uns auch nicht wirklich weitergeholfen. Ich glaube ja nach wie vor, dass der Karabiner eine Rolle spielt. Der Haken, den wir bei der Leiche entdeckt haben, sieht exakt so aus wie das Teil, das man am Barbaraturm fand.“

„Herrje, Blechschmidt“, entgegnet Stolzenfels genervt. „Sie und dieser olle Karabiner, den sie angeblich schon mal in Freusburg und auf dem Stegskopf gesehen haben wollen. Das hat uns doch keinen Schritt weitergebracht. Was ist denn mit diesen ominösen Schriftzeichen im Bergwerk?“ – „Falscher Alarm“, erwidert Blechschmidt, während er sich hinter dem rechten Ohr kratzt, „die sind definitiv älteren Datums. Vermutlich handelt es sich dabei um Gaunerzinken von einem Räuber, der im Westerwald vor mehr als 200 Jahren sein Unwesen getrieben hat. Sein Name war Andreas Balzar, genannt Balzar von Flammersfeld. Unsere Heimatforscher sind auch schon Feuer und Flamme ...“

„Schon gut“, unterbricht ihn der Kommissar, „also war auch das ein Rohrkrepierer. „Wissen wir denn inzwischen wenigstens, wo dieser Heiratsschwindler abgeblieben ist? Wie hieß er noch? Rosenbaum? Rosenbauer? Rosenkranz?“ – „Rosenstiel. Rudolf Rosenstiel. Nein, noch nichts gehört. Die Fahndung ist aber raus. Kann mir nicht vorstellen, dass der mittlerweile treu und brav geworden ist. Der hat so vielen Damen einen Ehering versprochen und sie damit ins Unglück gestürzt. Mit der Masche ist der jahrelang prima gefahren. Der kann gar nicht mehr anders. Übrigens hat sich hier vor ein paar Wochen eine Karnevalstanzgruppe mit dem Namen ‚Broken Hearts‘ gegründet – das sind alles Frauen im besten Alter, die man vorher hier nie gesehen hat ...“

„Broken Hearts, also gebrochene Herzen. Sie meinen, da könnte ein Zusammenhang bestehen mit diesem Rosenstiel? Rache als Motiv – interessanter Ansatz, Blechschmidt! Der Karnevalsorden, der Damenschlüpfer – das könnte in der Tat zusammenpassen. Wo finden wir denn diese Hupfdohlen?“ – „Auf einer unserer unzähligen Karnevalsbühnen“, frohlockt Blechschmidt, „ich glaube, heute Abend treten sie in Wissen im Kulturwerk auf.“ – „Olau! Dann nix wie hin“, entfährt es dem Koblenzer Kommissar wenig begeistert. „O-jö-jo!“, entgegnet ihm Blechschmidt darauf, „in Wissen heißt es O-jö-jo ...“

Redaktionsleiter Markus Kratzer wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Wingertshardt, Türsteher, Rumpelstilzchen.

Teil 12: Endlich eine heiße Spur (Markus Kratzer)

Stolzenfels zupft sich seine Pappnase zurecht. Die Vorfreude darauf, sich gleich ins närrische Treiben von Wissen stürzen zu dürfen, hält sich in vorweihnachtlichen Grenzen. „Wenn wir mit den Ermittlungen doch endlich mal weiterkämen. Ich hasse diesen kalten Wald hier“, brummelt er vor sich hin. Doch plötzlich nehmen seine Mundwinkel unterhalb der roten Knolle rasant Fahrt auf – von mürrischer Verzweiflung in zwei Sekunden auf schallendes Gelächter. Der Grund dafür ist etwa 1,65 Meter groß, gewandet in ein grünes Fransencape, auf dem Haupt einen Federhut. Es ist Blechschmidt, der sich dem vereinbarten Treffpunkt nähert. „Als was gehen Sie denn? Als Rumpelstilzchen?“ Aus Stolzenfels prustet es nur so heraus. „Sie haben doch gesagt, dass wir uns unauffällig unter die Leute mischen sollen“, kontert der Betzdorfer Beamte. „Außerdem gewinnen Sie mit Ihrer Pappnase auch keinen Preis“, gibt er den Angefressenen, bevor er zu seinem Kollegen ins Auto steigt.

Stolzenfels legt den Gurt an. Eher zufällig fällt sein Blick auf sein Diensthandy, das er gerade in der Mittelkonsole verschwinden lassen will. Acht Anrufe in Abwesenheit leuchtet es ihm entgegen. Alle von Eva Meyer-Wittenberg. „Ich weiß nicht, ob es hier oben mehr Bäume oder Funklöcher gibt“, ärgert sich der Kriminalhauptkommissar. „Muss wohl wichtig sein“, mutiert er aber flugs wieder vom Westerwald-Hasser zum Ermittler. Er drückt die Rückruftaste. „Was gibt es?“, fragt er die Beamtin von der Spurensicherung, ohne sich überhaupt mit Namen zu melden. „Da ist ja jeder Türsteher freundlicher“, denkt Blechschmidt. „Nicht möglich!“, entfährt es Stolzenfels. „Kein Zweifel?“ Blechschmidt versucht, unter seinem Federhut die Lauscher zu spitzen, aber mehr als das wiederholte „Mmmm“, „Wirklich?“ oder „So was!“ seines Kollegen kann er nicht aufschnappen. „Mann, da haben sie uns aber ganz schön weitergebracht“, verabschiedet sich Stolzenfels nach für Blechschmidt quälend langen Minuten.

„Und“, schaut dieser fragend in Richtung Fahrersitz. „Sie werden es nicht glauben, der Tote aus dem Eisweiher ist Rosenstiel.“ „Kein Zweifel?“, legt Blechschmidt die gleiche Platte auf wie sein Kollege beim Telefonat mit Koblenz. „Nein“, erklärt ihm Stolzenfels. „Die DNA stimmt überein.“ Gerade will Blechschmidt nachhaken, wie man an die DNA des Heiratsschwindlers gekommen ist, als ihm sein Kollege die Erklärung ungefragt gibt. „Eine geprellte ältere Dame aus Windelsmart konnte sich nicht von Rosenstiels Haarbürste trennen – sozusagen als Erinnerung an ihre große Liebe.“ „Wingertshardt, das heißt Wingertshardt“, belehrt ihn Blechschmidt zum x-ten Male. „Nun fahren Sie schon los ins Kulturwerk. Ich glaube, wir haben endlich mal eine heiße Spur.“

Redakteurin Sonja Roos wird die Geschichte morgen fortsetzen. Ihre drei Stichwörter lauten: Strumpfband, Cuba Libre, Raiffeisen.

Teil 13: Der liebeskranke Raiffeisen (Sonja Roos)

Der Parkplatz des Kulturwerks quillt quasi über. Blechschmidt und Stolzenfels folgen der Menge, als neben ihnen eine recht üppige Marilyn Monroe dem Koblenzer überschwänglich um den Hals fällt und ihn abbützt. „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“, knurrt der, als sich das blonde Gift hüftschwingend zum Eingang bewegt. „Die gehört auch zu den Broken Hearts“, informiert ihn Blechschmidt grinsend.

Im Kulturwerk ist es laut und voll, der Saal tobt, und Stolzenfels hat Mühe, sich durch die Feiernden zu kämpfen. „Aufpassen“, brüllt Blechschmidt von hinten noch, doch da ist es schon zu spät. Stolzenfels hat einen bebrillten Herrn angerempelt, dem nun der Cocktail aus der Hand gleitet. „Das war ein Cuba Libre, Sie Kretin“, flucht der Bebrillte und stakst wütend davon. „Der kam mir irgendwie bekannt vor“, sagt Stolzenfels mehr zu sich selbst. „Das war Jakob Zilk. Viele sagen, er sähe aus wie der gute alte Raiffeisen.“

Stolzenfels sieht Zilk nach, der auf die Marilyn-Kopie zustrebt. „Irmgard, viel Glück, meine Liebste“, brüllt er und wird für seine guten Wünsche von seiner Angebeteten mit einem Strumpfband belohnt. Zilk riecht gierig an dem Stück Stoff und steckt es in seine Jackentasche, wobei etwas anderes herausfällt. Stolzenfeld bückt sich. „Ein Karabiner, Blecheimer. Und ein verliebter Broken-Hearts-Fan. Wenn wir da nicht unseren ersten Verdächtigen haben. „Blechschmidt“, korrigiert der Betzdorfer gereizt, starrt aber gebannt auf das Beweisstück.

Redakteur Peter Seel wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichworte lauten: Fußpilz, Krippenspiel und Einschussloch.

Teil 14: Vampire im Westerwald? (Peter Seel)

Ich will auf der Stelle Fußpilz kriegen, wenn dieser Raiffeisen-Verschnitt nicht unser Mann ist“, ruft Blechschmidt seinem Koblenzer Kollegen direkt ins Ohr, damit der ihn im Lärm der Karnevalssause verstehen kann. „Ja“, stimmt der ausnahmsweise mal zu, „wir sollten ihn beschatten, denn nur mit dem lausigen Karabinerhaken haben wir kaum genug in der Hand, um ihn festnehmen zu können.“ Derweil wirft sich der Monroe-infizierte Zilk mitten in die feucht-fröhliche Veranstaltung, immer auf den Fersen der Broken-Hearts-Seniorenmädel, mit denen er, wo immer möglich, ein Schnäpschen leert und ein Bussi tauscht. „Das kann ja noch lange dauern,“ grinst Stolzenfels, den gerade wieder eine knapp bekleidete junge Dame anrempelt: „Komm, Hasimausi“, haucht sie, „trink' noch eene medd...“ Doch der Kripomann würdigt sie keines Blickes, um Jakob Zilk nicht aus den Augen zu verlieren. Die einzigen „Vibrations“, die er wahrnimmt, kommen von seinem Handy in der Hosentasche. „Blechmeier!“ brüllt er, „ich geh' 'raus ans Telefon. Die Obduktionstante hat angerufen...“

Stolzenfels geht vor die Tür und quetscht sich an einem Rudel frierender Raucher mit Schlagseite vorbei. Draußen am Bratwurststand stellt er sich in die Reihe der anderen Imbissfreunde und drückt die Rückruftaste. Das Obduktionsergebnis wundert ihn nicht wenig: Die Leiche steckte so tief im Schlamm, dass es lange dauerte, bis man mit der Untersuchung ordnungsgemäß loslegen konnte. Dann stand fest: Rudolf Rosenstiel wurde erschossen. „Und es gab tatsächlich nur ein einziges Einschussloch?“, fragt der Profi. „Also ein einziger fachgerechter Schuss? Klingt nach einem Profikiller. Wie viel Blut hat er denn verloren, bevor er in den Eisweiher geworfen wurde?“ Die Frau an der Wurstbude starrt ihn entgeistert an. „Einmal Currywurst mit Pommes“, sagt Stolzenfels nebenbei. „Wie? So viel Blut hat der Tote verloren? Das muss ja eine schöne Sauerei gewesen sein. Das muss doch Spuren hinterlassen haben...“ Die Bratwurstbudenfrau sagt unsicher „3,50 Euro“ und rafft das Geld schnell weg. Stolzenfels schiebt sich dicke Wurststücke in den Mund. „Der muss ja regelrecht ausgeblutet sein?“ brüllt er gegen einen Trupp grölender Jungkarnevalisten an, „war ja klar, dass es hier in der Walachei auch Vampire gibt..!“

Bis in die Nacht beschatten Blechschmidt und Stolzenfels den Raiffeisen-Mann. Bis der gegen vier Uhr früh in einem Haus verschwindet, von dem die beiden schnell herausbekommen, dass es seines ist. „So richtig zum Zuge gekommen ist er bei der Blonden mit der deftigen Oberweite nicht“, gähnt Blechschmidt. Der andere: „Und wir sind auch nicht weitergekommen. Woll'n wir nur hoffen, dass er morgen bei der Beschattung nicht zu 'nem Krippenspiel geht.“

Redakteur Andreas Neuser wird die Geschichte am Montag fortsetzen. Seine drei Stichwörter lauten: Gitarre, Krankenhaus, Nebel.

Teil 15: Fußspuren im Schnee (Andreas Neuser)

Karsten Blechschmidt aus Betzdorf und Nikolaus Stolzenfels aus Koblenz sind ratlos. Die Spur mit dem Raiffeisen-Mann und der Blonden mit der großen Oberweite hat sie bei ihren Ermittlungen nicht weiter gebracht. Die Kriminalen sind sprichwörtlich verschnupft. „Verdammt noch einmal, den Fall will ich bis Weihnachten gelöst haben“, flucht Stolzenfels recht deftig. „Aber wir stochern hier nur im Nebel rum“, klagt er brummig. „Wir müssen wohl noch einmal von vorne anfangen. Wir haben garantiert etwas übersehen“, bemerkt Blechschmidt recht kleinlaut. „Wir müssen erneut in alle Richtungen ermitteln“, sagt er leise und mit viel Frust in der Stimme vor sich hin. „Den Spruch kenne ich“, entfährt es Stolzenfels, der den Spruch doch gehört hat. Gemeinsam mit seinem Kollegen steht er noch vor dem Haus des Raiffeisen-Mannes. Und das auch noch an einem Sonntag. Beschatten wollen sie den. Doch der Raiffeisen-Mann rührt sich nicht. Nur das leise Spiel auf einer Gitarre hören sie. Der Mann hat es sich in seinem Haus gemütlich gemacht. Da wird an dem Sonntag sicher nicht mehr viel passieren.

So haben die beiden Ermittler Zeit, in alle Richtungen zu ermitteln. Zumindest noch einmal in alle Richtungen zu denken. Schließlich sind die Gedanken ja frei. Sie schauen nach links, sie schauen nach rechts. Da kommt kein vernünftiger Gedanke auf. Sie schauen nach vorne und nach hinten. Wieder kein Gedankenblitz. Sie schauen nach oben und nach unten. „Da“, schreit Stolzenfels. Im Schnee hat er Fußspuren gesehen. „Natürlich, da hatten wir doch am Eisweiher in Altenkirchen bei dem Toten im Teich Spuren im Umfeld sichern lassen“, stellen beide endlich einmal übereinstimmend fest. Und wo sind die Ergebnisse? Da haben sie nicht nachgehört. Bei all dem Stress in der Weihnachtszeit ist das in Vergessenheit geraten. Die Kollegen der Spurensicherung haben sich auch nicht gemeldet. „Machen die doch nie“, sind sich in dem Fall die beiden auch wieder übereinstimmend einig. Da scheint ja so langsam ein richtiges Ermittlerteam zusammen zu wachsen.

Also schnell zum Handy gegriffen, auch wenn es Sonntag ist, und bei dem Kollegen von der Spurensicherung anrufen. Den freut der Anruf am freien Tag sicher nicht. Denn der Sonntag ist dem speziellen Kollegen heilig. Hoffentlich geht er an sein Handy. Einen Versuch ist es allemal wert. Denn bis Montag will man nicht warten. Zu heiß sind die beiden Ermittler auf die Ergebnisse der vergessenen Spur. Also wählen sie die Nummer des Kollegen. Es dauert nicht lange, da meldet er sich auch. Er klingt etwas geknickt. So kennt man ihn eigentlich nicht. Der Grund ist schnell gefunden. Der Kollege liegt im Krankenhaus. Beim Schneeschippen ist er gestürzt. So liegen die Ergebnisse der Spurensicherer auf seinem Schreibtisch.

Redakteur Volker Held wird die Geschichte morgen fortsetzen. Seine drei Stichworte lauten: Schuhgröße, Sennenhund, Taschentuch.

Teil 16: Ausflug zum Pokalspiel (Volker Held)

Nix Spusi, nix Fortsetzung der Ermittlungen: So rekapitulieren die Beamten Karsten Blechschmidt und sein Kollege Nikolaus Stolzenfels den Fall, stoßen gedanklich immer wieder an ihre Grenzen, was die Überführung des Täters angeht. Auch die Verbindung des Raiffeisen-Mannes und der Blonden mit der großen Oberweite zum Toten im Altenkirchener Eisweiher bleibt ungeklärt. Die Schuhgröße des am Tatort fixierten Abdrucks irgendeiner Bekleidung rund um Zehen und Ferse erreicht nur annähernd den Wert, mit dem das Abbild des großen Sozialreformers aktenkundig wurde. Aber gerade in dieser Richtung sind der Manipulation Tür und Tor geöffnet. „Da kannst du glatt einem Sennenhund mit Taschentuch um den Hals Gummischuhe der Größe 46 anziehen, und schon verfolgen wir eine falsche Spur“, führt Blechschmidt ein Selbstgespräch – jedoch so laut, dass Stolzenfels es mithört. „Was tun?“, lautet seine lapidare Antwort, auf die Blechschmidt die zündende Idee hat: „Lass uns mal einen Tag Pause machen, lass uns einen Tag mal Abstand von dieser verworrenen Kiste nehmen.“ Gesagt, getan! Aber was mit der überraschend anberaumten Freizeit anfangen? „Komm, wir fahren auf Schalke, da ist heut Abend der Pokalknüller gegen die Kölner Geißböcke. Sollte mich nicht wundern, wenn das zweistellig wird“, freut sich Blechschmidt, „da kriegen wir auf der Fahrt in den Ruhrpott mal die Köpfe frei und vielleicht eine andere Sichtweise auf diesen ominösen Fall.“ Was das Ermittler-Duo nicht ahnt: Auch der mögliche Täter ist Fußballfan und sitzt im Stadion unmittelbar neben ihnen ...

Redakteur Elmar Hering setzt die Geschichte morgen fort. Seine drei Stichwörter lauten: Kumpel, Grubenlok, Steiger.

Teil 17: Überraschende Entdeckung (Elmar Hering)

Im Stadion auf Schalke herrscht Festtagsstimmung, schon lange vor dem Anpfiff des Pokalspiels. Im Chor Zehntausender Fans singt Blechschmidt aus voller Kehle „Glück Auf, Glück Auf, der Steiger kommt...“ und outet sich als königsblauer Kumpel. Sein Koblenzer Kollege, eher rot-weiß angehaucht, will gerade lautstark dazwischengrätschen, als schräg hinten links ein weiterer Schalke-Fan mark-erschütternd in die Stadion-Hymne einstimmt – ein Gesang wie eine Grubenlok. Stolzenfels kann sich nicht gegen den Gedanken wehren, dass es wohl doch keine so gute Idee war, den freien Abend im Fußballstadion zu verbringen. Doch gerade als er dem untalentierten Sänger hinter sich einen grimmigen Blick zuwerfen will, erkennt er, wer da eine Sitzreihe hinter ihm Platz genommen hat: Jakob Zilk. Mit Jeansjacke und Aufnähern ist das Raiffeisen-Double zwar kaum wiederzuerkennen, doch kein Zweifel, er ist es. „Erst Karnevalsparty, jetzt Fußballstadion. Wenn der tatsächlich Rosenstiel auf dem Gewissen hat, muss er ganz schön abgebrüht sein“, denkt der Koblenzer Kriminalbeamte. Mit dem Ellenbogen gibt er seine überraschende Entdeckung an Blechschmidt weiter, doch es dauert ein paar Sekunden, bis der Kollege kapiert. Ebenso erbost wie leise zischt er pragmatisch: „Pah, das stundenlange Beschatten hätten wir uns sparen können“.

Tja, war wohl nix mit Abstand gewinnen und Kopf freibekommen. Kommissar Zufall lässt grüßen. Möglichst unauffällig schaut Stolzenfels dem verdächtigen Zilk auf die Füße, während er in seinem Smartphone nach der Notiz der Spurensicherung sucht. Passen diese Treter zu den am Leichenfundort gesicherten Fußspuren Größe 40? Stolzenfels schwankt, auch Kollege Blechschmidt weiß keinen Rat.

Da fällt beider Blick auf die Begleiterin des Verdächtigen – nicht mehr ganz jung, aber mit ihren blauen Strähnchen im Haar und der blauen S04-Weihnachtsmann-Mütze eine wirklich auffallende Erscheinung.

Sportredakteur Andreas Hundhammer setzt die Geschichte am Donnerstag fort. Seine drei Stichwörter lauten: Birne, Bank, Blume.

Teil 18: Gestohlene Eintrittskarten (Andreas Hundhammer)

Von der Oberweite ganz zu schweigen – es ist die Marilyn-Kopie aus dem Kulturwerk. Sie und Jakob Zilk scheinen also doch ein engeres Verhältnis zueinander zu haben, denkt sich Kriminalhauptkommissar Stolzenfels, zumal der Raiffeisen-Verschnitt seiner Angebeteten in diesem Moment zärtlich versucht, eine Blume anzustecken. Plötzlich klingelt Stolzenfels’ Handy. Es ist Eva Meyer-Wittenberg von der Spurensicherung. Jäh aus seinen Gedanken gerissen, meldet sich Stolzenfels ganz unwillkürlich mit einem „Glück auf“, doch das wird schnell zur Nebensache. Zu wertvoll ist die Information, die ihm zugetragen wird. „Wer war das?“, will Karsten Blechschmidt wissen, kaum hat Stolzenfels das Telefonat beendet. „Komm mit“, übergeht dieser die Frage, steht auf und bahnt sich seinen Weg durch die enge Sitzreihe in Richtung Tribünenausgang, dicht gefolgt von seinem verwirrten Pendant.

„Verdammt, Stolzenfels, wer war das denn jetzt?“, fragt Blechschmidt erneut, als die beiden gerade auf einer Bank nahe der Toiletten Platz nehmen. „Das war die Meyer-Wittenberg“, löst Stolzenfels endlich auf. „Zum Glück hatte ich der noch gesagt, dass wir heute hier im Stadion sind. Die Spurensicherung hat auf dem Laptop vom Rosenstiel nämlich eine E-Mail mit zwei Tickets für dieses Spiel gefunden. Und zwar genau für die Reihe hinter uns.“ Blechschmidt fällt die Kinnlade runter. „Dann besteht ja ein dringender Tatverdacht. Zumindest, wenn auch die Sitzplatznummern übereinstimmen“, schlussfolgert er. „Das gilt es herauszufinden“, bestätigt Stolzenfels. „Aber wir müssen vorsichtig sein. Rosenstiel wurde ein Loch in die Birne geschossen. Wenn Zilk tatsächlich der Mörder ist, dann ...“ – noch ehe er den Satz zu Ende gebracht hat, merkt Stolzenfels, dass jemand am Eingang zu den Toiletten und in unmittelbarer Hörweite stehen geblieben ist. Er blickt auf und demjenigen direkt ins Gesicht. Es ist Jakob Zilk.

Redakteurin Sonja Roos setzt die Geschichte am Freitag fort. Ihre drei Stichwörter lauten: Verfolgungsjagd, Tankstelle, Explosion.

Teil 19: Der Verdacht erhärtet sich

Zilk starrt die beiden Polizisten aus zu Schlitzen verengten Augen an. Dann, mit einer plötzlichen Bewegung, schmeißt er seinen Plastikbecher mit dem Rest Bier nach Stolzenfels, der sich gerade noch ducken kann, so dass das Bier jetzt an Blechschmidt herunterläuft. „Na danke auch“, ranzt der Betzdorfer seinen Kollegen an. Doch den beiden bleibt keine Zeit für ihre Streitereien, denn Zilk rennt los und schubst rechts und links unschuldige Passanten aus dem Weg. „Den schnappen wir uns, Blechschmidt.“ Der will den Koblenzer aus alter Gewohnheit korrigieren, bis ihm auffällt, dass Stolzenfels tatsächlich seinen Namen richtig gerufen hat. Na, wenn das mal nicht der Beginn einer großen Freundschaft ist, schießt es Blechschmidt durch den Kopf, während sie beide ihre Verfolgungsjagd durch die Gänge des überfüllten Stadions aufnehmen. Zilk ist verdammt schnell für einen Mann mittleren Alters. Stolzenfels schließt auf dem Parkplatz jedoch fast zu dem Verdächtigen auf. Dieser aber hat sein Auto bereits erreicht und lässt mit einem Heulen den Motor an. „Scheiße, der entwischt uns. Hierlang, Blechschmidt“, brüllt er und rennt zu seinem Wagen. Die beiden Polizisten verfolgen Zilk nun mit halsbrecherischer Geschwindigkeit. „Links, der will Richtung Autobahn“, brüllt Blechschmidt, was ihm einen finsteren Blick von Stolzenfels einbringt. „Bin nicht blind und ein Navi auf dem Beifahrersitz brauch ich auch nicht.“ Schweigend rasen sie dem blauen Opel hinterher, mit dem Zilk davonbraust, als wieder ein Handy klingelt. „Ja, okay, das wird ja immer besser. Danke, Evchen.“ Stolzenfels betrachtet seinen Kollegen, der nun mit einem ungläubigen Grinsen das Handy zuklappt. „Was? Jetzt spannen Sie mich nicht so auf die Folter, Blechmann!“, schnauzt der Koblenzer und lässt mit der Verhohnepipelung des Names Blechschmidts Träume einer Waffenruhe wie eine Seifenblase zerplatzen. „Also, die Meyer-Wittenberg sagt, die Spusi hat in Zilks Garage ein Fass gefunden und raten Sie mal, was da drin war?“ Stolzenfels starrt seinen Kollegen genervt an. „Bin ich jetzt bei Günther Jauch? Raus mit der Sprache.“ Einen Moment genießt Blechschmidt noch die kleine Folter, doch dann klärt er den Koblenzer auf. „Rosenstiels Blut. Es war in Kanister abgefüllt und dann in dem Fass für Gefahrguttransporte versteckt. „Bingo“, brüllt Stolzenfels, doch dann entfährt beiden Cops zeitgleich ein entsetztes „Oh mein Gott!“. Der blaue Opel ist mit quietschenden Reifen in eine Tankstelle gefahren, der Wagen rammt eine Zapfsäule, und eine ohrenbetäubende Explosion erschüttert sogar noch Stolzenfels' Wagen. „Na toll, jetzt brauchen wir unseren Verdächtigen ja nicht mehr zu grillen, das hat der schon ganz alleine getan“, ranzt Stolzenfels mit grimmiger Miene.

Redakteurin Sonja Roos wird den Krimi morgen zu einem Ende bringen – Stichworte gibt es keine mehr. Dafür vielleicht aber die ein oder andere Überraschung.

Finale: Und am Ende steht ein Held (Sonja Roos)

Die anberaumte Pressekonferenz muss ins Hotel Glockenspitze verlegt werden, so groß ist der Andrang. Blechschmidt und Stolzenfels sitzen auf einem Podium, hinter ihnen wirft ein Beamer ein Bild des toten Zilk an die Wand. Stolzenfels räuspert sich und klopft auf sein Mikro. „Ich möchte Ihnen nun Details zum Mordfall Rosenstiel und zum Unfalltod Zilk geben.“ Es wird mucksmäuschenstill in dem großen Raum. „Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen Mord aus Leidenschaft. Wir gehen davon aus, dass Robert Rosenstiel seine Heiratsschwindlermasche auch bei Irmgard Klopp versucht hat. Er prellte die Dame, wie viele andere auch, um mehrere tausend Euro, angeblich für eine geplante Schlagertour durch den Westerwald, die ihm den großen Durchbruch als Sänger verschaffen sollte.“ Hier schaltet sich Blechschmidt ein. „Jakob Zilk, der ebenfalls in die Dame verliebt war, hat das spätere Opfer kaltblütig erschossen, an Karabinern aufgehangen und sein Blut in Kanister abgezapft. Eventuell, um einen Fetisch zu befriedigen. Wir hatten da mal einen Fall mit Hundekot, aber andere Baustelle.“ Stolzenfels rollt mit den Augen und fährt fort. „Als sich die Schlinge um den Verdächtigen zuzog, flüchtete er und verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug. Zum Glück war die Tankstelle geschlossen, so dass er das einzige Opfer blieb. Ihre Fragen jetzt“, sagt Stolzenfels und blickt in die Runde. Den Dicken von der Bildzeitung übergeht er, der Zilk reißerisch als „Dracula vom Westerwald“ bezeichnet hatte. Dann zeigt er auf einen hünenhaften Redakteur mit Bart. „Volker Held, Rhein-Zeitung. Wie erklären Sie sich, dass Zilk ein Alibi für die Tatnacht hatte?“ Ein Raunen geht durch den Raum, alle blicken sich ratlos an, auch Stolzenfels und Blechschmidt. Der Redakteur erklärt: „Die Bartels Bühne in Flammerfeld probt gerade ein Stück über Raiffeisen. Zilk sollte die Hauptrolle spielen. Er hat die ganze Nacht mit dem Autor am Drehbuch gefeilt. Der war nur im Urlaub und hat sich jetzt bei uns gemeldet.“ Düpiert, dass die Polizei nach der Presse von diesem wichtigen Hinweis erfährt, bricht Stolzenfels die Konferenz ab. Mit Blechschmidt berät er sich vor der Tür. „Es war alles zu einfach. Ich glaube, wir sollten uns die Broken Hearts noch einmal vorknöpfen, ich habe da so ein komisches Gefühl“, grummelt er. „Das sollten Sie auch.“ Die beiden Cops drehen sich um und blicken in den Lauf eines Gewehrs, an dessen Ende Irmgard Klopp steht, die falsche Marilyn. „Wir haben Rosenstiel kalt gemacht.“ Hinhalten, denkt sich Blechschmidt. „Warum das Blut?“ Das wollten wir im Dark-net an seine Fans verkaufen, um unser Geld wieder zu kriegen. Und ihr kommt jetzt mit, ich glaube, im Elkenrother Weiher finden wir für euch noch ein schönes Plätzchen.“ Da bricht die Dame plötzlich zusammen. Der Redakteur von eben hat sie mit seiner Kameratasche niedergestreckt. „Ein echter Held“, sagt Stolzenfels anerkennend. „Der sollte Ihren Job machen, Blechhannes“, fügt er augenzwinkernd an.

Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
 
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Donnerstag

-6°C - 4°C
Freitag

-9°C - 4°C
Samstag

-10°C - 4°C
Sonntag

-12°C - 0°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach