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AltenkirchenRekordeinnahme: Finanzamt Altenkirchen-Hachenburg kratzt an der 750-Millionen-Euro-Marke

Ob das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, hängt wohl davon ab, ob es der Fiskus oder der Steuerzahler beurteilt. Sei's drum: Das Finanzamt Altenkirchen-Hachenburg hat 2016 so viel Geld "eingenommen" wie noch nie.

Ein deutlich gestiegenes Steueraufkommen im Bereich des Finanzamtes Altenkirchen-Hachenburg können Vorsteher Hans-Dieter Wirth (rechts) und Geschäftsstellenleiter Andreas Wertgen vermelden.  Foto: Markus Kratzer
Ein deutlich gestiegenes Steueraufkommen im Bereich des Finanzamtes Altenkirchen-Hachenburg können Vorsteher Hans-Dieter Wirth (rechts) und Geschäftsstellenleiter Andreas Wertgen vermelden.
Foto: Markus Kratzer

Wenn ein Unternehmensboss ein Umsatz-Plus von knapp 5,9 Prozent vermelden kann, spricht er sicherlich von einem guten Jahr für die Firma. Bei Hans-Dieter Wirth ist das etwas anders. Denn als Vorsteher des Finanzamts Altenkirchen-Hachenburg wirtschaftet er ja nicht in die eigene Tasche. Dennoch kann auch er positive Zahlen aus dem abgelaufenen Jahr präsentieren: Das Steueraufkommen wuchs 2016 um 41,5 Millionen auf satte 748,78 Millionen Euro. Es ist das vierte Plus in Serie, wie der Behördenleiter berichtet. Übertraf man 2015 bei den Steuereinnahmen erstmals die 700-Millionen-Euro-Grenze, kratzt man jetzt bereits an der 750-Millionen-Marke.„Das gestiegene Aufkommen ist ein Spiegelbild der Konjunktur- und Arbeitsmarktlage“, führt Wirth vor allem ökonomische Gründe für den Zuwachs an. Mit dieser Summe rangiert das Finanzamt, dessen Bezirk neben dem gesamten Kreis Altenkirchen auch die Verbandsgemeinden Bad Marienberg, Hachenburg, Rennerod und Westerburg aus dem benachbarten Westerwaldkreis umfasst, auf Platz 12 der 24 Finanzämter im Land. Gemessen am gesamten Steueraufkommen von Rheinland-Pfalz (mehr als 20,1 Milliarden Euro), liegt der Anteil bei 3,72 Prozent, womit der hiesige Behörde ein Sprung von Platz zwölf auf neun gelang.

Der größte Anteil am Steuerkuchen entfällt wie bereits in den Vorjahren auf die Umsatzsteuer, auch wenn hier das Aufkommen von knapp 311 Millionen auf rund 297 Millionen Euro gesunken ist. Diesen Rückgang will Geschäftsstellenleiter Andreas Wertgen aber nicht überbewerten. „Das sagt nichts über die Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft aus. Wenn es den Betrieben gut geht, investieren sie auch – und das wiederum mindert dann die Umsatzsteuer“, so seine Rechnung.

Den zweitgrößten Batzen macht die Lohnsteuer aus, die von knapp 244 Millionen 2015 auf knapp 250,7 Millionen im vergangenen Jahr kletterte. Bei der veranlagten Einkommensteuer, die insbesondere bei Gewerbetreibenden und Selbstständigen erhoben wird, stieg der Wert binnen eines Jahres von rund 74,5 Millionen auf mehr als 112,3 Millionen Euro. An Körperschaftssteuer flossen dem heimischen Fiskus 2016 rund 42,7 Millionen Euro (plus 9,5 Millionen) zu, die übrigen Steuern (in erster Linie der Solidaritätszuschlag) pendeln sich mit 46 Millionen Euro etwas über dem 2015er-Niveau ein.

„Irgendwann wird sich der Trend auch wieder umkehren“, rechnet Wirth nicht damit, dass das Gesamtergebnis kontinuierlich wachsen wird. Allerdings legten die ersten Monate des Jahres 2017 nicht den Verdacht nahe, dass die Kurve bald schon nach unten zeigt.

Rund 41.000 erstmalige Steuerbescheide erließ die Arbeitnehmerstelle des Finanzamts 2016. Die Durchlaufzeit, also der Zeitraum von der Abgabe der Steuererklärung bis zum erteilten Bescheid, betrug 37,1 Kalendertage und lag damit im Landestrend. Etwas schwieriger gestaltete sich die Lage bei den allgemeinen Veranlagungen. „Wegen einer hausinternen Umorganisation ist die Durchlaufzeit bei den 28.400 erstmaligen Steuerbescheiden auf 58 Kalendertage angewachsen“, berichtet der Vorsteher. Im Bereich der Körperschaftssteuer (2700 Veranlassungen) liegt man dagegen mit einer Bearbeitungszeit von 48,8 Kalendertagen mehr als 9 Tage besser als der Durchschnittswert für Rheinland-Pfalz.

Kräftig die Werbetrommel rühren die Finanzämter im Land weiter dafür, die Steuererklärung auf elektronischem Weg abzugeben. 2016 haben 46,4 Prozent der Erklärungen von Arbeitnehmern das Finanzamt Altenkirchen-Hachenburg auf diesem Weg (Netzadresse: www.elster.de) erreicht – Tendenz steigend. Durch Änderungen im Besteuerungsverfahren will man diese Entwicklung noch forcieren. So kann die Erklärung zwar nach wie vor in Papierform abgegeben werden, in den Service-Centern ist aber keine direkte Kontrolle mehr möglich.

Von unserem Redaktionsleiter Markus Kratzer

Altenkirchen Betzdorf
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