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Jugendliche im Kreis fühlen sich der Heimat verbunden

Sonja Roos

Die gute Nachricht zuerst: Die Jugend im Kreis Altenkirchen fühlt sich durchaus der Heimat verbunden, lebt gerne auf dem Land und genießt die Natur. Doch bevor zu viel Euphorie aufkommt: Die 14- bis 21-Jährigen, die für eine Studie zu diesem Thema befragt wurden, sehen sich vor allem verkehrstechnisch abgehangen. Und auch bei den Freizeitangeboten geben viele an, nicht genug Anreize in der Region zu finden.

Foto: sr


Diese und andere interessante Ergebnisse aus der Befragung wurden am Donnerstagabend im Wissener Kulturwerk bei der vierten Demografiekonferenz den rund 200 Gästen vorgestellt. Nun denken viele beim Thema „Demografie“ an die älteren Generationen, doch der Fokus war in diesem Jahr klar auf die „Jugend im Landkreis Altenkirchen“ gesetzt, wie Berno Neuhoff von der Regionalentwicklung zu Beginn der Veranstaltung deutlich machte. Er und seine Kollegin Jennifer Siebert hatten die Studie auf den Weg gebracht und dafür 9920 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren befragen lassen. Und weil die Verbandsgemeinde Flammersfeld nicht zur Leader-Region gehört (die Umfrage wurde nämlich durch Leader, also EU und Land, finanziert), griffen diese selbst in die Tasche und befragten ihre rund 1100 Jugendlichen selbst, so dass ein einheitliches Bild für den Kreis entstand. „Die Teilnahme war freiwillig, umso mehr freut es uns, dass fast 30 Prozent ihren Fragebogen ausgefüllt an uns zurückgeschickt haben“, lobte Neuhoff, der den Abend auch in gewohnt lockerer Manier moderierte. Die Frage, die alle umtrieb, lautete: „Warum verlässt statistisch gesehen jeder dritte Jugendliche nach der Schule den Kreis?“

Nach der kleinen Einleitung übergab Neuhoff dann das Wort an Professor Dr. Johannes Kopp von der Uni Trier, der die Studie mit seinem Kollegen Professor Dr. Rüdiger Jacob entworfen und ausgewertet hatte. Zuerst waren die Teilnehmer nach ihrer Heimatverbundenheit befragt worden. Rund ein Fünftel gab an, der Heimat verbunden zu sein, die Mehrheit fühlt immerhin eine pragmatische Bindung zur Heimat, sprich: Lebt gerne hier wegen der Freunde, Familie oder Arbeitsstelle, könnte aber auch woanders leben.

Etwa ein Drittel gab an, keine Heimtatverbundenheit zu haben, hier vor allem junge Frauen. Nach ihren Zukunftsplänen gefragt, strebten vor allem die älteren Schüler ein anschließendes Studium an, gefolgt von dem Wunsch, eine Ausbildung zu machen. Problematisch seien diejenigen, die auch mit 17 und älter noch nicht wüssten, wohin der Weg gehen soll. „Da muss die Politik ansetzen“, so Professor Kopp. Die Mehrheit der Befragten befand sich auf dem Weg zu Abitur oder Fachhochschulreife, nur die wenigsten strebten einen Hauptschulabschluss an.

Was die Zukunftspläne angeht, so kam heraus, dass sich die Jugendlichen ziemlich konservativ um Informationen bemühen. Die allermeisten nannten Familie, Freunde oder Bekannte als Quelle, wenn es um potenzielle Berufswege geht. Auch Tageszeitungen, die Arbeitsagentur und die Webseiten der Hochschulen und Unternehmen wurden gerne genutzt. Weit abgeschlagen bei der Jugend hingegen Facebook und Co. Ihre Lebenszufriedenheit bewerteten fast 50 Prozent der Befragten mit gut (Durchschnitt: 2,3). Im Einzelnen gaben sie an, dass sie auf dem Land ein besseres Leben als in der Großstadt hätten, sie genießen die Landschaft und sehen durchaus Möglichkeiten für die Jugend, hier eine Zukunft zu finden. Schlechter beurteilten die Jugendlichen hingegen die Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten. Das kam auch deutlich in der sich den Vorträgen anschließenden Diskussionsrunde heraus.

Mehr als 60 Prozent der Befragten lebt übrigens in der Kernfamilie (leibliche Eltern), manche sogar noch mit den Großeltern unter einem Dach (noch einmal etwa 9 Prozent). Sorge bereitete den Studienmachern der Anteil der Alleinerziehenden (rund 10 Prozent), auch hier sei die Politik gefordert. Nur 20 Prozent finden am Wohnort Angebote für die Freizeitgestaltung. Die meisten pendeln aus, wobei Siegen (57,7 Prozent) und Köln (40 Prozent) hoch im Kurs stehen. Die Anbindung an den ÖPNV bewerten dann auch die meisten negativ, wobei es deutliche Schwankungen je nach Wohnort gibt.

Die meisten (volljährigen) Befragten sind durch einen eigenen Pkw mobil, es werden aber auch Bus, Bahn, Mofa, und Fahrgemeinschaften genannt, um von A nach B zu kommen. Als Migrationshauptgrund nannten die Jugendlichen Studium oder Beruf sowie der Umzug in eine eigene Wohnung. Karola Kellner, Referentin für Jugendpolitik und demografische Entwicklung brachte es im Anschluss auf den Punkt: „Die schlechte Nachricht ist: Wir sind mitten im demografischen Wandel. Die gute ist: Ihr Landkreis hat das schon erkannt und tut was.“

Was genau, konnte zwar an diesem Abend noch nicht konkretisiert werden, doch immerhin weiß man nun, wo der Schuh drückt: Bessere Anbindung im ÖPNV, mehr Orte, wo man sich abends treffen kann und vor allem mehr Einbindung dort, wo es um die Jugendlichen geht. Denn sie selbst wissen wohl am besten, was sie wollen.

Altenkirchen Betzdorf
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