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Betzdorf

Als der König noch einen Zylinder trug: Erinnerungen an 150 Jahre Betzdorfer Schützenverein

Claudia Geimer

Das waren noch Zeiten, als die Betzdorfer in Fünfer-Reihen in der Innenstadt am Straßenrand standen, um den Schützenkönig zu feiern. Heinz und Marianne Stock aus Bruche können sich noch gut daran erinnern.

Mit einem Kommers an diesem Samstag steigt der Schützenverein in die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen ein. Gegründet wurde der älteste Verein der Stadt Betzdorf am 12. Juli 1868. Die historische Aufnahme stammt aus dem Jahr 1954. Der Hofstaat hatte sich zur Proklamation am Rathaus aufgestellt. Gekrönt wurde damals Erich Wagner, der erste Schützenkönig aus Bruche. Er wurde auch der „Vorstadt-Schützenkönig“ genannt. Zu Gast bei den Feierlichkeiten war auch eine Abordnung aus den Niederlanden, zu erkennen an den Federbüschen. Es handelte sich um Mitglieder des „Königlichen Schützenvereins St.Sebastian“ aus Voerendaal. Der Zuspruch der Bevölkerung war groß. Der Schützenverein genoss hohes Ansehen.
Mit einem Kommers an diesem Samstag steigt der Schützenverein in die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen ein. Gegründet wurde der älteste Verein der Stadt Betzdorf am 12. Juli 1868. Die historische Aufnahme stammt aus dem Jahr 1954. Der Hofstaat hatte sich zur Proklamation am Rathaus aufgestellt. Gekrönt wurde damals Erich Wagner, der erste Schützenkönig aus Bruche. Er wurde auch der „Vorstadt-Schützenkönig“ genannt. Zu Gast bei den Feierlichkeiten war auch eine Abordnung aus den Niederlanden, zu erkennen an den Federbüschen. Es handelte sich um Mitglieder des „Königlichen Schützenvereins St.Sebastian“ aus Voerendaal. Der Zuspruch der Bevölkerung war groß. Der Schützenverein genoss hohes Ansehen.

„Der Zuspruch war enorm.“ Der Ehrenvorsitzende des Betzdorfer Schützenvereins war zwei Mal Schützenkönig, 1979 und exakt zehn Jahre später, 1989. Aus Anlass des 150-jährigen Bestehens, das der älteste Verein der Stadt in diesem Jahr feiert, blickt der heute 78-Jährige gemeinsam mit seiner Frau zurück.

Es gehörte zum guten Ton, als Betzdorfer Mitglied im Schützenverein zu sein. „Ich selbst bin ein Spätberufener und kam wie die Jungfrau zum Kinde zum Verein“, erzählt Stock. Von einem älteren Schützen sei er auf dem Schützenfest 1972 in den Verein gelotst worden. Kurze Zeit später wurde er auf einer Jahresversammlung, die zu der Zeit bei Bruno Nassen im Sälchen abgehalten wurden, als Beisitzer in den Vorstand gewählt.

Beim Vogelschießen 1979 sei der Andrang der Aspiranten wie immer groß gewesen: Vereinsmitglieder, Offizierskorps und Vorstand, sie alle wollten den Aar von der Stange holen. Stock macht selbstverständlich auch mit – „doch das ich den Vogel schießen würde, das hatte ich ein paar Tage zuvor noch ausgeschlossen“, erzählt der Malermeister im Ruhestand. Doch es sollte anders kommen: Der Vogel fiel von der Stange. Neben Können war auch „Glück dabei“, sagt der Senior. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, ergänzt Ehefrau Marianne. Ihr erging es in diesem Moment wie wohl den meisten Ehefrauen: „Ich war draußen vor dem Schießstand, habe es dann erfahren und war im ersten Moment ein wenig erschrocken.“

Drei Jahre zuvor war das Ehepaar im Hofstaat von Malermeisterkollege Manfred Kalkuhl mitgegangen. Nun musste das frischgebackene Königspaar von 1979 innerhalb von acht Tagen einen eigenen Hofstaat auf die Beine stellen. Er musste aus mindestens neun Paaren bestehen. Die Stocks lösten die Aufgabe mit Bravour. Zwölf Paare kamen zusammen, darunter einige „Neulinge“, die in einem Gespräch mit dem Vorstand das Zeremoniell erläutert bekamen. Die Damen trugen beim Umzug unifarbene Kleider, die Herren Anzug mit Zylinder. Stock war nach Erich Wagner 1954 erst der zweite Schützenkönig, der aus Bruche stammte. Die Brucher waren natürlich begeistert: Die Lasdorferstraße wurde in Königsallee umgetauft, das Haus der Majestäten geschmückt. Stock revanchierte sich, in dem er in seiner Proklamation, die im Festzelt verlesen wurde, Bruche zum neuen Verwaltungssitz erklärte.

Das Besondere an den Feierlichkeiten 1979 war: Das Konzert der Stadtkapelle, des damals noch aktiven Spielmannszuges des Turnvereins, das Ständchen des Gemeinschaftschors und der traditionelle Große Zapfenstreich zu Ehren des Schützenkönigs Heinz Stock wurde nicht vor dem Rathaus, sondern auf dem damals noch recht neuen Konrad-Adenauer-Platz abgehalten. Vermutlich wollte die Stadt ihren modernen Busbahnhof stolz präsentieren.

Doch die Begeisterung der Schützen hielt sich in Grenzen, nachzulesen in der Chronik zum 125-jährigen Bestehen. „Es fehlte an Flair“ und auch die Akustik sei nicht gut gewesen, heißt es. So ist es bei einem einmaligen Versuch geblieben. Stock erinnert sich, dass zum Schützenfest 1979 auch eine Delegation der englischen Partnerstadt Ross-on-Wye in Betzdorf weilte und bei der Totenehrung am Ehrenmal im Rainchen einen Kranz niederlegte.

Beim Frühschoppen am Montag herrschte noch Weinzwang. Er endete mit einem Luftballonumzug von Königspaar und Hofstaat vom Schützenplatz herunter in die Stadt. Die Luftballons waren von den Herren für ihre Damen zuvor auf dem Festplatz geschossen worden. „Es war eine wunderbare Sache“, erinnert sich Marianne Stock. Als Königspaar hatten beide viel zu tun. Sie besuchten Schützenfeste bis ins Siegerland hinein: „Der Sommer war ausgefüllt.“

1986 übernimmt Stock den Vorsitz des Schützenvereins. Drei Jahre später, zum Zehnjährigen seiner ersten Regentschaft, schießt er als erster Vorsitzender in der Geschichte des Vereins ein zweites Mal den Vogel: „Das war schon etwas mehr gewollt.“ Mit Michael Lieber hatte Betzdorf 1989 einen neuen Bürgermeister – „einen Dirigenten aus Mainz“, wie es scherzhaft in der Proklamation heißt. Auch beim zweiten Umzug als Königspaar gab es „wunderbares Wetter“. Heinz und Marianne Stock erinnern sich gerne an die Zeiten, als der Schützenverein einen hohen Stellenwert besaß und weit mehr als 400 Mitglieder zählte. 1997 gibt Stock den Vorsitz ab. Als Ehrenvorsitzender freut er sich auf das Jubiläum: „Man darf stolz darauf sein, dass der Verein es bis dahin geschafft hat.“

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer
Altenkirchen Betzdorf
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