40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Pulver-Kurt bricht vor Urteil zusammen

Die Urteilsverkündung gegen den als Pulver-Kurt bekannten Waffennarr und Militariasammler Kurt N. aus Hundsbach ist geplatzt: Der 64-Jährige war kurz vor der Urteilsverkündung zusammengebrochen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Zuvor hatte die Anklage vier Jahre Haft ohne Bewährung gefordert – zu viel für den Mann.

Bad Kreuznach – Die Urteilsverkündung gegen den als Pulver-Kurt bekannten Waffennarr und Militariasammler Kurt N. aus Hundsbach ist geplatzt: Der 64-Jährige war kurz vor der Urteilsverkündung zusammengebrochen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Zuvor hatte die Anklage vier Jahre Haft ohne Bewährung gefordert – zu viel für den Mann.

Mittwoch, 9.30 Uhr: Die Verhandlung vor der 2. Großen Strafkammer des Kreuznacher Landgerichts beginnt mit halbstündiger Verspätung, weil Verteidiger Dr. Ulrich Stange sich in der Uhrzeit geirrt hat. Christel Bäcker aus Becherbach tritt als Zeugin auf. Ihr gehört die Scheune, in der Kurt N. Unmengen an Waffen und Sprengstoffen gehortet hatte. Bäcker wollte „eigentlich mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben“. Sie sagt doch aus, denn „ich bin das meinem Ort schuldig“. Pulver-Kurt hatte schließlich, berichtet die Altenpflegehelferin, „alles bewusst nach Becherbach und uns in Gefahr gebracht“.

Dass der Hundsbacher Rentner in ihrer Scheune Waffen und Sprengstoffe lagerte, wusste sie nicht, beteuert Christel Bäcker: „Das ist nicht meine Welt.“ Als dort im Jahr 2010 Installationen für eine Fotovoltaikanlage eingebaut wurden, war auch die Becherbacherin in der Scheune. „Aber Sprengstoff habe ich nicht gesehen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass so etwas Gefährliches hier drin wäre.“
Erinnerung an die Evakuierung von Becherbach im Januar 2011 werden wach. Die Einwohner mussten ihre Häuser verlassen, weil Teile des Sprengstoffes nahe des Dorfes kontrolliert zur Explosion gebracht wurden. Pulver-Kurt ist vor dem Landgericht davon überzeugt: „Das hätte man geringfügiger über die Bühne bringen können: Den Sprengstoff auf fünf Häufchen verteilen und dann einfach anstecken.“

Staatsanwältin Annette Boeckl will wissen, wieso Kurt N. sich nicht früher selbst um die Entsorgung gekümmert hat. Waffen und Sprengstoffe, erzählt der Rentner, sollten erst nach seinem Ableben von Angehörigen abgegeben werden. Dies wollte er testamentarisch regeln.
Verteidiger Stange hatte in der ersten Verhandlung vermutet, sein Mandant leide möglicherweise an Objektophilie, einer wahnhaften Sucht, bestimmte Gegenstände besitzen zu wollen. Der Vorsitzende Richter, Dr. Bruno Kremer, bestellte daraufhin die Chefärztin der Rheinhessen-Fachklinik zur Gutachterin. Dr. Agnes Karbs Urteil: Kurt N. ist durchgängig bewusstseinsklar und sehr intelligent. Der 64-jährige Technikbegeisterte hat einen IQ von 130. Für einen Wahn gibt es laut Karb keine Anhaltspunkte. Das sieht Anwalt Stange anders: „Es drängt sich doch auf, dass etwas Zwanghaftes dahintersteckt.“
Laut Chefärztin Karb treibt Pulver-Kurt die Aussicht auf eine Haftstrafe um. Gegenüber einem LKA-Waffengutachter soll der 64-Jährige angekündigt haben: „Wenn ich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werde, dann suche ich mir den nächsten Ast.“

Staatsanwältin Annette Boeckl rückt in ihrem Plädoyer die „gigantischen Mengen an illegalen Waffen“ ins Bewusstsein. Boeckl fragte auch: Wer zahlt den ganzen Aufwand für Bergung und Evakuierung? Die Staatsanwältin spricht auch von massiver Rufschädigung von Schützenvereinen und Reservistenverbänden durch Pulver-Kurts Verhalten. Boeckl fordert vier Jahre Haft ohne Bewährung.
Ulrich Stange plädiert für Milde. Sein Mandant sei ein unbescholtener und angesehener Bürger. Nach Ansicht des Verteidiger sind zwei Jahre Haft auf Bewährung angemessen. Unter Tränen bittet Pulver-Kurt stammelnd um Entschuldigung: „Es tut mir sehr leid.“ Das Gericht zieht sich zur Urteilsberatung und Pulver-Kurt in einen Nebenraum zurück. Dort bricht er zusammen. Er wird in ein Krankenhaus gebracht. Die Aufregung und die Strafforderung der Anklage seien zu viel gewesen, sagt sein Anwalt. Daraufhin verschiebt das Gericht die Urteilsverkündung auf Dienstag, 21. August, 9 Uhr.

Klaus Dietrich

dpa-Landesdienst
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Freitag

18°C - 33°C
Samstag

18°C - 28°C
Sonntag

17°C - 29°C
Montag

17°C - 29°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!