40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Der Rheinland-Pfalz-Tipp
  • » Werther, Wein und Wandern
  • Aus unserem Archiv
    Lahntal

    Werther, Wein und Wandern

    Die Lahn hat sich zwischen Diez und Lahnstein auf dem letzten Drittel ihres Weges zur Mündung in den Rhein tief in die Landschaft eingeschnitten. Der Lahnwanderweg gewinnt hier alpinen Steigcharakter. Beim Aufstieg von Obernhof auf die Lahnhöhe auf schmalem felsigen Grat sind sogar Stufen, Leitern und Halteseile nötig, um den Weg abzusichern. Zu Goethes Zeiten gab es solche Hilfsmittel sicher noch nicht, als der gerade mal 23-jährige spätere Dichterfürst die damals noch namenlose Erhebung erklommen haben soll. Heute endet der steile Weg am Goethepunkt, einem Aussichtsturm mit wunderbarer Aussicht auf die Hügel des Lahntals, das hier Westerwald und Taunus voneinander trennt. Im engen Tal an der Lahnschleife drängen sich unten die Häuser von Obernhof.

    Blick auf Obernhof und Kloster Arnstein Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz-Tourismus
    Blick auf Obernhof und Kloster Arnstein Fotos: Heidrun Braun/Rheinland-Pfalz-Tourismus

    Den Aussichtspunkt gibt es seit 1884, und schon ein paar Jahre früher ist in der Obernhofer Schulchronik von „Goethes Ruheplatz“ zu lesen, den der engagierte Lehrer gern mit seinen Schülern aufsuchte. Ob es genau dieser Platz war, den der junge Goethe auf seiner Lahnwanderung im September 1772 gemäß seiner damaligen Gemütsverfassung „zum Sterben schön“ fand, mag dahingestellt bleiben, vorstellbar ist es schon. Johann Wolfgang von Goethes Lahnwanderung von Wetzlar nach Bad Ems war eine Flucht vor den Qualen der aussichtslosen Liebe zu Charlotte Buff aus Wetzlar, die einem anderen versprochen war. „Gepackt ists, Lotte, und der Tag bricht an, noch eine Viertelstunde, so bin ich weg“, heißt es im kurzen Abschiedsbrief. Gleich am ersten Tag läuft er 40 Kilometer bis nach Runkel in zwölf Stunden. In drei Tagen schaffte er die Gesamtstrecke von 85 Kilometern bis nach Bad Ems. Zwei Jahre später verarbeitet das Genie seinen Liebeskummer in dem literarischen Meisterwerk „Die Leiden des jungen Werther“.

    Winzer Norbert Massengeil-Beck führt seine Gäste über felsige Pfade gern zum Goethepunkt zu einer Weinprobe in luftiger Höhe von immerhin 275 Metern. Sein Wein ist selten. Von 100 Hektar Rebfläche an der Lahn, die sich im 17. Jahrhundert bis nach Marburg erstreckte, sind nur noch sieben Hektar übrig geblieben. Der spritzige Riesling von der Steillage Goetheberg hätte auch dem Namensgeber geschmeckt. Die Weinberge von Obernhof liegen direkt unterhalb des Goethepunktes. Die Hangneigung und Bodenbeschaffenheit lassen hier einen Wein gedeihen, der vielfach bei Bundes- und Landesweinprämierungen mit Kammerpreismünzen ausgezeichnet wurde.

    Norbert Massengeil-Beck führt das Weingut in Obernhof seit 1996 in dritter Generation. Großvater Wilhelm Massengeil setzte die ersten Rebstöcke in die Steilhänge des Goethebergs. Damals war der Weinbau noch ein Nebenerwerb neben der Landwirtschaft. Das Weinwissen der Patres vom nahen Kloster Arnstein und die Liebe zum Wein halfen dem Winzer, sein Können ständig zu verbessern. Die gute Stube im Fachwerkhaus in der Borngasse wurde in den Sommermonaten zur gut besuchten Straußwirtschaft. Doch schon in den 1960er-Jahren, als Sohn Paul und seine Frau Irene das Weingut übernahmen, wurde es für die vielen vom guten Wein angezogenen Besucher zu eng. So entstand im Neubau direkt neben dem Fachwerkhaus die Weinschänke, in der nun das ganze Jahr über Wein ausgeschenkt werden konnte.

    Winzer Norbert Massengeil-Beck führt seine Gäste gern zum Goethepunkt zu einer Weinprobe in 275 Meter Höhe.
    Winzer Norbert Massengeil-Beck führt seine Gäste gern zum Goethepunkt zu einer Weinprobe in 275 Meter Höhe.

    Der gelernte Weinbautechniker Norbert Massengeil-Beck und seine Frau Monika betreiben den Weinbaubetrieb als erste Generation im Vollerwerb. Er kreierte neben den gepflegten Weinen der Familientradition als erster Winzer an der Lahn einen eigenen Winzersekt, den Oberhofer Goetheberg brut. Das Angebot an Weiß-, Rosé- und Rotweinen wurde erweitert, und feine Obstbrände aus eigener Herstellung kamen hinzu. Eine hausgemachte Spezialität ist das Spätburgundergelee. Die vierte Generation steht schon bereit: Sohn Christopher bestand im vergangenen Jahr die Gesellenprüfung zum Winzer mit Bravour.

    Von der Terrasse des Weinguts ist der Blick auf den Bilderbuchort Obernhof mit seinen vielen Fachwerkhäusern und in der Ferne auf das ehrwürdige Kloster Arnstein wunderschön. Ein Besuch im Weingut Massengeil-Beck ist eine gute Gelegenheit, den seltenen Lahnwein zu probieren und frei nach dem Goethewort „Nur, wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen“ auf den Goethepunkt zu steigen. Anschließend kann man sich im digitalen Gipfelbuch „Obernhofer Goetheberg“ unter www.obernhof.net/tourismus/gipfelbuch verewigen. Die Weinschänke ist Donnerstag bis Samstag ab 15 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet.

    Heidrun Braun

    Informationen: Weingut Massengeil-Beck, Borngasse 5, Obernhof, Telefon 02604/7563, www.obernhof.net, www.gastlandschaften.de/lahn .

    Der Rheinland-Pfalz-Tipp
    Meistgelesene Artikel
    epaper-startseite
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    2°C - 7°C
    Montag

    6°C - 9°C
    Dienstag

    4°C - 10°C
    Mittwoch

    5°C - 11°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!