Archivierter Artikel vom 07.04.2022, 06:03 Uhr
Limburg

Umfrage der IHK zeigt: Unternehmer geben Standort Limburg die Note 2,9

Die Unternehmen in Limburg stellten ihrem Standort eine insgesamt recht gute Beurteilung aus. Der Gesamtwert von 2,9 fasse die Beurteilung verschiedener Standortfaktoren zusammen, mit denen die Firmen unterschiedlich zufrieden sind beziehungsweise bei denen aus ihrer Sicht teils auch Handlungsbedarf besteht. Zu diesem Ergebnis kommt eine mit der Stadt abgestimmte Umfrage der IHK Limburg.

Die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage für Limburg haben im Stadthaus vorgestellt (von rechts): Bürgermeister Marius Hahn, IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer, Ulrich Aumüller, der Leiter der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, sowie Alfred Jung, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik.
Die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage für Limburg haben im Stadthaus vorgestellt (von rechts): Bürgermeister Marius Hahn, IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer, Ulrich Aumüller, der Leiter der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung und Grundstücksverkehr, sowie Alfred Jung, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik.
Foto: Industrie- und Handelskammer Limburg

Befragt wurde eine Auswahl von IHK-Mitgliedsunternehmen aus den verschiedensten Branchen mit Sitz in Limburg. Bei 47 Fragestellungen konnten die Betriebe den Standort aus ihrer Sicht bewerten und angeben, welche Faktoren für sie besonders wichtig sind und wie zufrieden sie mit ihnen sind. Die sechsstufige Bewertungsskala reichte von sehr zufrieden (1) bis sehr unzufrieden (6). So ergeb sich eine umfassende Standortbeurteilung für Limburg. Auf verschiedene Faktoren, die von den Unternehmen beurteilt wurden, hat die Stadt jedoch nur wenig Einfluss.

84 Prozent sind zufrieden

Im Gesamteindruck wird der Standort Limburg als sehr zufriedenstellend bewertet: 84 Prozent der Unternehmen sind „eher zufrieden“ bis „sehr zufrieden“, 16 Prozent sind „eher unzufrieden“ bis „sehr unzufrieden“. In der Gesamtbeurteilung ergibt sich ein „voll befriedigender“ Wert von 2,9.

„Nicht nur Unternehmen stehen im Wettbewerb untereinander, sondern auch Kommunen als Wirtschaftsstandorte. Die Standortfaktoren vor Ort haben dabei einen großen Einfluss auf Gedeih und Wachstum von Unternehmen, Investitionsentscheidungen und mögliche Neuansiedlungen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Monika Sommer. „Mit unseren Standortumfragen geben wir den regionalen Unternehmen Stimme und zeigen den Kommunen, welche Bedürfnisse die Betriebe haben. Gemeinsam mit Politik und Verwaltung wollen wir für Verbesserungen der Wirtschaftsstandorte wirken im Interesse der Unternehmen wie auch der Mitarbeiter.“

Die Ergebnisse der Ende vergangenen Jahres durchgeführte Umfrage für Limburg wurden mit Bürgermeister Marius Hahn und dem Ersten Stadtrat Michael Stanke besprochen und gemeinsam veröffentlicht. Gut bewertete Standortbedingungen beruhten etwa auf dem erfolgreichen Engagement der Verantwortlichen vor Ort und sollten gefestigt werden. Dort, wo kritische Beurteilungen durch die Unternehmen vorliegen, gilt es aus Sicht der IHK, mit strategischer Überlegung mögliche Veränderungen zu diskutieren, zu priorisieren und Maßnahmen dann auch zu konkretisieren.

Die Befragung der Unternehmen zeige: Der bedeutendste Standortfaktor für die Betriebe in Limburg ist die Infrastruktur. Die allermeisten (92 Prozent) messen ihr eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Vor Ort ist man mit ihr auch zufrieden (Gesamtbeurteilung 2,71). Im Einzelnen besonders gut bewertet wird die Anbindung ans Fernstraßennetz (1,78). Auch die relative Nähe zum Flughafen Frankfurt (2,07), die Anbindung an den Schienenverkehr (2,18) und die Nähe zu den Absatzmärkten und die Kundennähe (2,30) erhalten eine gute Wertung.

Eine eher mittlere Bewertung gibt es für die Anbindung an den ÖPNV (2,84) und das Tagungs- und Übernachtungsangebot (2,85). Relativ schwache Wertungen vergeben die Unternehmen für den baulichen Zustand der Verkehrsinfrastruktur (3,11) und die Breitbandversorgung (3,37). Am schwächsten wird die Leistungsfähigkeit der innerörtlichen Straßen bewertet (3,61).

In der Bedeutung an zweiter Stelle steht für die in der Stadt ansässigen Unternehmen der Bereich der Standortkosten. Sie erhalten insgesamt nur einen Zufriedenheitswert von 3,44. Am besten wird noch die Höhe der Personalkosten bewertet (3,06). Mittlere Wertungen gibt es für die Kosten von Wasser, Abwasser, Abfall (3,21), eher negative für die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes (3,58) und die Miet-/Kaufpreise von Gewerbeimmobilien (3,74).

Fachkräfte werden vermisst

Am drittwichtigsten ist für die Limburger Unternehmen der Bereich Arbeitsmarkt und Bildung. Die Betriebe sind mit dem Angebot vor Ort recht zufrieden und vergeben in der Gesamtbeurteilung einen Wert von 3,18. Auf die hier betrachteten Faktoren habe die Stadt eher wenig Einfluss. Die beste Einzelwertung gibt es mit 2,47 für die Nähe zu Berufsschulen.

Eine mittlere Bewertung erhalten das regionale Weiterbildungsangebot (3,23), die Verfügbarkeit von Berufseinsteigern und Auszubildenden (3,28) sowie die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen (3,36). Eine problematische Bewertung wird für die Verfügbarkeit von Fachkräften (3,59) vergeben.

Auch die sogenannten weichen Standortfaktoren von Limburg sind für die allermeisten Unternehmen von hoher Bedeutung. Hier punktet die Stadt wie bei der Infrastruktur besonders stark. Insgesamt ergibt sich für die Stadt ein Zufriedenheitswert von 2,73. Dabei gibt es besonders gute Wertungen für das gastronomische Angebot (2,43) und das Schulangebot (2,44).

Recht gute Wertungen erhalten auch die Wohnqualität (2,54), die Umwelt- und Lebensqualität (2,57), die Gesundheitsversorgung (2,57), das Einzelhandelsangebot (2,62), das Betreuungsangebot für Ältere/Pflege (2,62), das Sport- und Freizeitangebot (2,65), das Betreuungsangebot für Kinder (2,79) sowie das Image der Kommune (2,80). Etwas schwächere Wertung gibt es für das Kulturangebot (3,07).

Mäßige Werte für Verwaltung

Mit dem Bereich der Wirtschaftsförderung und Verwaltung der Stadt sind die Unternehmen nur einigermaßen zufrieden. Deren Umsetzung beurteilen sie gemäß ihren Erfahrungen insgesamt mit einem Wert von 3,36. Die beste Wertung erhält dabei die Qualität des Onlineangebotes (3,22). Danach folgen die Erreichbarkeit der Verwaltung (3,26) und die Verlässlichkeit bei Wirtschaftsfragen (3,29).

Schwächer sind die Wertungen für das „offene Ohr“ für Wirtschaftsfragen (3,39), die Reaktionsgeschwindigkeit der Verwaltung (3,40) und das Kommunale Standortmarketing (3,40). Die Begründung von Entscheidungen/Transparenz (3,45) und die Bearbeitungsdauer (3,47) landen auf den hintersten Plätzen.

Die Flächenverfügbarkeit ist für Unternehmen ein Bereich, der je nach Branche und Situation wenig oder sehr relevant sein kann. Insgesamt ergibt sich bei der Flächenverfügbarkeit in Limburg ein geringer Zufriedenheitswert von 3,56. Insbesondere die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und -immobilien (3,42) sowie von Wohnraum (3,69) erhalten eine schwächere Wertung.

In einem ergänzenden Fragebereich wurden mehr emotionale Begriffe abgefragt und wie stark die Unternehmen diese mit „ihrem“ Limburg assoziieren: Sehr stark verbunden sieht man die Stadt mit den Begriffen „Heimat“ (2,25), „Natur“ (2,63), „Tourismus“ (2,68), „Wirtschaftskraft“ (2,74) und „Familienfreundlichkeit“ (2,76). Deutlich weniger verbindet man demnach die Stadt mit den Begriffen „Sicherheit“ (3,23), „Kunst/Kultur“ (3,44) und „Innovativ/kreativ“ (3,51).

Bisher gab es sechs Standortumfragen

Die Befragung zu Limburg ist die sechste in einer Reihe kommunaler Standortumfragen der IHK Limburg. Den IHK-Mitgliedsunternehmen gibt sie Gelegenheit, ihren Standort zu bewerten. Im Blick stehen dabei Faktoren, die für das Standortmanagement und -marketing zu beachten sind und gegebenenfalls einer besonderen Förderung bedürfen. Die Umfragen zielten nicht auf ein Ranking der einzelnen Kommunen, denn die Standortbedingungen ließen sich aufgrund lokaler Besonderheiten nicht vergleichen. Aus den Ergebnissen der Standortumfragen ergäben sich Grundlagen für die Interessenvertretung und für Initiativen zur Stärkung des jeweiligen Wirtschaftsstandortes.