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    "Carbon Card": Nürburgring will öden Boulevard mit noblen Autos bereichern

    Der Nürburgring soll für die Eigentümer hochwertiger Sportwagen das werden, was etwa Monaco für die Besitzer von Super-Yachten ist: Ein begehrter Liegeplatz.

    Nürburgring. Der Nürburgring soll für die Eigentümer hochwertiger Sportwagen das werden, was etwa Monaco für die Besitzer von Super-Yachten ist: Ein begehrter Liegeplatz – mit reizvollen Möglichkeiten, ihr schnelles Gefährt angemessen bewegen zu können.

    Jede Menge PS
    Noble Marken und der Nürburgring - wie hier 2002 bei den Ferrari Racing Days - ziehen Kenner, Fahrer und Fans schon immer an. Die neue Konzeptions-Idee der "Carbon Card" soll das in Zukunft wieder unterstreichen. (Archivfoto vom 8.9.2002)
    Das sieht ein neues Konzept der Nürburgring Automotive GmbH (NAG) vor, die die weltweit bekannte Rennstrecke als Pächter betreibt.

    Von unserem Chefredakteur Christian Lindner

    Nach Informationen unserer Zeitung wird die NAG zur Etablierung dieser Idee in Kürze einem ausgewählten Kreis von Besitzern interessanter Sportwagen eine „Carbon Card“ anbieten. Diese exklusive Karte wird im ersten Anlauf etwa 150 Auto-Enthusiasten einen besonderen Zugang zur legendären Nordschleife erschließen.

    Sie soll aber auch Nürburgring-Besuchern den Anblick seltener Autos im „Boulevard“ bescheren. Diese Veranstaltungs- und Ladenpassage am neuen Ring war von der Nürburgring GmbH unter Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz als großzügige Flaniermeile geplant worden.

    «Chromjuwelen» in Como
    Auch solche Einzelstücke wie dieses aus Maranello würden am Ring gern gesehen: Für einen New Yorker Sammler hatte Ferrari diesen 599 zum Roadster mit versenkbarem Hardtop umgebaut - ein Einladung in den "Carbon Card-Club" wäre wohl kein Problem.
    Foto: DPA
    Bis heute aber hat sich für dieses Areal der neuen Gebäude am Ring noch kein tragfähiges Nutzungskonzept gefunden.  Die „Carbon Card“ soll nun offenkundig die Keimzelle für eine Nürburgring-affine Nutzung des bislang meist gähnend leeren Boulevards sein.

    Spielplatz für die Schnellen und Reichen

    Der Fokus liegt dabei auf der Szene von betuchten Zeitgenossen, die Autos ihr eigen nennen, die auf normalen Straßen nie voll auszufahren sind: Super-Sportwagen wie etwa die diversen Ferrari-Modelle, rennmäßig getrimmte Porsche, Aston Martin oder gar der 1001 PS starke Bugatti Veyron. Wie aus dem Umfeld der NAG bestätigt wurde, wollen die Pächter des Ring ab November ausgewählten Eigentümern solcher Gefährte die „Carbon Card“ als besondere Jahreskarte für den Nürburgring anbieten.

     Die Nordschleife exklusiv - mit Geld nicht zu bezahlen >>>

    Schumacher-S
    Ein Ferrari-Pilot durchfährt das «Michael-Schumacher-S» am Nürburgring: Inhaber der "Carbon Card" hätten diesen Anblick garantiert aus der VIP-Lounge - und für die eigenen Geschosse einen Direkt-Zugang zur Nordschleife.
    Foto: DPA
     Kerngedanke dabei: Wer die rare Karte bekommt, soll seinen Sportwagen das ganze Jahr über am Ring sicher abstellen können. Zudem bekommt er eine eigene Zufahrt zur Nordschleife.  Mehr noch : An mindestens 20 Tagen soll es exklusive Zeiten geben, zu denen nur Carbon Card-Inhaber dort ihre Runden drehen. Hinzu kommen sollen VIP-Tickets zu Rennen und der Zugang zu einer Sonder-Lounge. Auch schwebt den Initiatoren offenbar ein Club dieses kleinen Kreises vor. All das soll 5000 Euro pro Jahr kosten, aber nicht zu kaufen sein: Die „Carbon Card“ gibt es nur via Einladung oder Empfehlung, den Zuschlag erteilt die NAG-Geschäftsführung. Nach unseren Informationen sind die Planungen schon weit gediehen und Gespräche auch international geführt worden. So sollen bereits „Ferraristi“ aus Osteuropa kontaktet worden sein.

    Ein Konzept mit echtem Benzingeruch

    Geht das Konzept der NAG auf, werden sich einerseits die begrenzten Zeiten zur Nutzung der Nordschleife durch Privatfahrer jenseits der Renntage und der Tests durch den Industriepool zugunsten eines elitären Zirkels verknappen. Andererseits könnten alle Fans hochwertiger Sportwagen etwas davon haben: Es gibt offenbar die Vision, den Boulevard auf Sicht mit einer Art rennsportorientiertem „Meilenwerk“ (siehe Info am Textende) zu bereichern. Die edlen Flitzer sollen möglichst sichtbar im Boulevard geparkt, gewartet und startbereit gemacht werden – als Anziehungspunkt für alle Liebhaber solcher Wagen. Es soll bereits Überlegungen für eine Reihe von Glasgaragen geben – als durchsichtige Safes für die rollenden Kostbarkeiten.

    Händler sollen bald folgen

    Aus dem bislang außer bei Veranstaltungen meist öden Boulevard würde dann Deutschlands nobelstes Parkhaus – mit der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt vor der Tür. Die NAG hofft offenbar, dass wegen dieser Kombination den edlen Fahrzeugen rasch entsprechende Dienstleister und auch auf solche Wagen spezialisierte Händler folgen werden.

    Kenner der Szene am Ring bescheinigen dieser Idee einer Ring-Variante der Meilenwerk-Konzeption, dass sie dem Markenkern des Nürburgrings deutlich mehr entspricht als viele andere dort in Beton gegossene oder in den Sand gesetzte Visionen. Sie werden aber auch aufmerksam beobachten, ob sich die Geschäftsidee umsetzen und der mit Landesgeld gebaute Boulevard umwidmen lässt.

    So soll das lange Gebäude entlang der Start- und Zielgeraden des Rings aufgrund von Planungsfehlern aus der Ära Kafitz bislang nicht so belüftbar sein, wie das für diese Nutzung nötig wäre. Mit Spannung wird zudem erwartet, wie sich die Kreisverwaltung Ahrweiler als zuständige Genehmigungsbehörde zu den Plänen stellt. Das Verhältnis zwischen NAG-Führung und Landrat Jürgen Pföhler gilt spätestens seit den Kontroversen um die nach wie vor nicht für den Betrieb freigegebene Achterbahn Ring-Racer als belastet.

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