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    Ein Kinderbuchklassiker auch für Erwachsene

    Sie sind die Helden ganzer Generationen: Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer, das Mädchen Momo und der Junge Bastian Balthasar Bux, der in eine „Unendliche Geschichte“ hineingezogen wird. Geschaffen hat sie Michael Ende, der 1995 starb. Unsere Zeitung hat mit Roman Hocke, Endes Lektor und Freund, gesprochen – natürlich über Jim Knopf, aber auch über dessen „Vater“, der als einer der Wegbereiter der Fantasy-Literatur gilt.

    Herr Hocke, wann haben Sie „Jim Knopf“ zuletzt gelesen?

    Das ist gar nicht mal so lange her. Ich wollte für einen Vortrag noch einmal nachlesen, wie Michael Ende seine Erzählung entwickelt hat. Er hat ja sehr assoziativ gearbeitet und wusste manchmal selbst nicht, wie die Geschichte weitergehen sollte. Das merkt man zum Beispiel gleich zu Beginn des Buches: Das Paket kommt in Lummerland an. Die Bewohner packen es aus, aber Michael Ende wusste selbst noch nicht, was in dem Paket sein würde. Also ist in dem großen Paket noch ein Paket. Und dann noch ein Paket. Dann erst finden die Bewohner Jim. Michael Ende hat solche Stellen niemals gestrichen. Er hat sich immer durch langes Nachdenken bemüht, eine zu der Logik der Geschichte passende Lösung zu finden. Was ihm auch jedes Mal gelungen ist.

    Viele lesen Jim Knopf auch mit Begeisterung, wenn sie längst erwachsen sind. Was, glauben Sie, macht die Faszination des Buches aus?

    Es ist einfach sehr stimmig. Es gibt Autoren, die zaubern sich buchstäblich durch irgendwelche Kunstgriffe aus ausweglosen Situationen heraus. Da hat eine Figur plötzlich eine Eigenschaft, die sie vorher nicht hatte, damit die Geschichte weiterläuft. Das hat Michael Ende nie gemacht. Er hat seine Geschichten nie verbiegen wollen. Dieses Stimmigkeits-Erlebnis bereitet Erwachsenen wie Kindern einfach Freude. Hinzu kommen viele kleine Sinnbilder. Zum Beispiel der Riese Tur Tur, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Als Kind findet man das faszinierend. Als Erwachsener ist man solchen Riesen im wahren Leben vielleicht schon selbst einmal begegnet und erkennt, was damit gemeint ist.

    In Jim Knopf ist viel hineininterpretiert worden. Einige Literaturwissenschaftler sehen darin gar einen Gegenentwurf zum Weltbild des Nationalsozialismus. Was halten Sie von solchen Interpretationen?

    Es gibt Autoren, die gehen mit der Einstellung an ihre Arbeit heran: „Ich habe eine Botschaft, und die will ich in meine Geschichte packen.“ Und dann gibt es Autoren, die verlassen sich ganz auf ihre Geschichte, aber ihre Werte und Einstellungen fließen beim Schreiben in die Geschichte mit ein. Ohne Absicht sozusagen. Für Michael Ende war der Nationalsozialismus in seiner Jugend ein ständiges Gegenbild, das die dramatische Notwendigkeit eines andersartigen Wertekanons dringend einforderte. Sein Vater (der surrealistische Maler Edgar Ende, Anm. d. Red.) hatte zum Beispiel Malverbot. Michael Ende hat sich aber nicht hingesetzt und gesagt: „Ich schreibe jetzt etwas gegen den Nationalsozialismus.“ Sein Weltbild ist ganz einfach beim Schreiben in die Geschichte unbewusst eingeflossen. Deshalb sind diese Interpretationen absolut richtig.

    Was hat Jim Knopf für Michael Ende bedeutet?

    Für ihn war das Buch die Erlösung aus seiner schriftstellerischen Krise. Er hatte sich bis dahin als Bühnenautor versucht. Sein großes Vorbild war Bert Brecht. Mit Jim Knopf konnte er sich aus diesem großen Schatten lösen.

    Das Gespräch führte Angela Kauer

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