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    Denksport: Das Kreuzworträtsel wird 100 Jahre alt

    Schon das erste löste eine wahre Manie aus: 31 Fragen und 73 rautenförmig angeordnete Kästchen ließen die New Yorker wie wild rätseln und knobeln. Jetzt wird das Kreuzworträtsel 100 Jahre alt – und ist immer noch das Maß aller Dinge für viele Rätselfans.

    Von Christina Horsten

    Ein Fluss in Russland, ein Vogel, ein Teil des Kopfes und etwas, dass an der Küste gefunden werden kann: All diese Begriffe mussten herausgefunden werden, um das erste Kreuzworträtsel der Welt zu lösen. Am 21. Dezember 1913 erschien es in der inzwischen längst eingestellten Zeitung „New York World“.

    Der britische Journalist Arthur Wynne hatte es sich für die Weihnachtsbeilage der Zeitung ausgedacht – und löste damit eine wahre Rätselmanie in der Millionenmetropole aus.

    Ein Stück der Definition Mensch

    Rätseln sei einfach ein „Stück der Definition Mensch“, sagt Stefan Heine, Rätselmacher und Rätselforscher aus Hamburg.

    „Es geht darum, etwas auszufüllen, komplett fertigzumachen, sich selbst zu messen – und wenn man es gelöst hat, ist es einfach ein schönes Gefühl. Aber was noch entscheidender ist, ist dieses Abtauchen, man konzentriert sich voll und nimmt sich für einen Moment aus der Welt und aus der Zeit. Man vergisst den Alltag um sich herum und ist glücklich.“

    Rätselfans kommen aus allen Altersgruppen und Schichten. „Man stellt sich ja so klassisch die Omi vor, die am Fenster sitzt und Rätsel löst, aber es lösen natürlich auch junge Leute Rätsel.“ Bis der Trend aus den USA nach Deutschland kam, dauerte es allerdings noch eine Weile. 1925 soll das erste in der „Berliner Illustrierten“ erschienen sein, glauben Experten.

    Wann genau, ist umstritten. Rätselmacher Heine hat jüngst eines vom 28. Februar gefunden – nach seiner Meinung das älteste bislang entdeckte deutsche Kreuzworträtsel. „Das war schon sehr professionell.“ Eine Blume, ein Stern im Orion und ein deutscher Fluss wurden da zum Beispiel gesucht. Ganz langsam breitete sich der gehirntrainierende Rätseltrend dann aus.

    „Eine Manie wie in New York kann man für Deutschland nicht belegen.“ Bis heute gibt es in Deutschland übrigens hauptsächlich sogenannte Schwedenrätsel – also solche, wo die Frage im Kästchen steht – und in den USA richtige Kreuzworträtsel, wo in den Kästchen Nummern stehen, die auf die dazugehörigen Fragen unter dem Rätsel verweisen.

    So ganz einfach auszufüllen sind die älteren Rätsel heute nicht mehr, denn mit dem Kanon der Allgemeinbildung veränderten sich auch die Kreuzwörter. „Wenn zum Beispiel Lena einen Grand Prix gewinnt, dann kommt die natürlich dazu“, erzählt Heine. „Was immer mehr wegfällt, sind diese alten Griechen und so Sachen, die man dann nicht mehr kennt. Es gibt auch Worte, die einfacher werden. ,Tsunami' kannte vor dem großen Tsunami in Südostasien keiner, da musste man dann die Schwierigkeit herabsetzen.“

    Das Knifflige für den Rätselmacher besteht darin, Aufgaben zu finden, die sowohl für die Omi als auch für den Teenie lösbar sind. Die Omi kennt meist den letzten Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ nicht. Der Teenager weiß oft nicht, dass Hans Rosenthal oder Hans-Joachim Kulenkampff beliebte Entertainer waren.

    Heute macht alles der Computer

    Rätselmacher Heine muss das auch nicht alles wissen – er hat dafür eine riesige und gut gepflegte Computerdatenbank mit 50.000 Wörtern und 125.000 Fragen. „Heutzutage macht das der Computer, das ist ganz einfach, da muss ich gar nicht mehr viel tun. Ich entwerfe aber noch, wo Kästchen mit Fragen sind und wo man was eintragen muss.“

    Denn so ein Rätsel hat auch eine ganz eigene Ästhetik. Wenn mehr als zwei Kästchen mit Fragen aneinander hängen, sieht das für Fans nicht nur nicht schön aus, die Knobelei macht auch nicht so viel Spaß. „Dafür braucht man eine schöne offene Fläche.“ Dem Kreuzworträtsel in Sachen Beliebtheit dicht auf den Fersen ist das in Japan zum Trend gewordene Zahlenrätsel Sudoku, das in den 2000er-Jahren auch in Deutschland einen riesigen Hype auslöste.

    Heine sagt: „Man braucht kein Wissen, man kann sich nicht blamieren, ein Sudoku kriegt man komplett ausgefüllt oder gar nicht. Ein Kreuzworträtsel kriegt man selten ganz voll, und das widerspricht dem, was man will, nämlich etwas ganz auszufüllen und fertig zu bekommen.“ Aber für die wahren Kreuzworträtselfans geht nach wie vor nichts über ihre Kästchen – ob in der Tageszeitung, in der Frauenzeitschrift, im Extra- Rätselheft, im Internet oder auf dem Handy.

    Und sie kennen natürlich auch den russisch-chinesischen Grenzfluss (Amur), den Schutzapostel der Grönländer (Egede), die Göttin der Morgenröte (Eos) und den Kanton in der Schweiz (Uri) – alle diese speziellen Kreuzworträtselwörter, die wegen ihrer Vokale immer wieder in Kreuzworträtseln und sonst eigentlich nirgendwo auftauchen. „Ich finde das mittlerweile lustig“, sagt Rätselmacher Heine. „Ich setze die natürlich nicht forciert ein, aber ich lasse sie drin, und dann tauchen sie ab und zu mal auf.“

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