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Tatort-Preview: Nur das tote Mädchen wird man lächeln sehen

Aufmerksam inspiziert der bärtige Mann den Mirabellenbaum, pflückt eine Frucht und beißt sacht hinein. Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist in diesem Schwarzwald-„Tatort“ mehr Bauer als Kommissar: fest verwurzelt auf dem väterlichen Hof und in der nachbarschaftlichen Gemeinschaft. Kritischen Abstand zu der bäuerlichen Welt hält hingegen Bergs Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau), der es schon nicht recht passt, dass Berg sich um die Ernte statt um die polizeilichen Aufgaben kümmert.

Redakteurin Katrin Maue-Klaeser hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Ihr Urteil: Dieses Ermittlerduo wird ohne viele Worte noch von sich reden machen.

Ermitteln in einem unbehaglichen Dorfkosmos: Franziska Tobler und Friedemann Berg Foto: dpa
Ermitteln in einem unbehaglichen Dorfkosmos: Franziska Tobler und Friedemann Berg
Foto: dpa

Doch das ist nicht der Grund, aus dem die beiden Kommissare in ihrem zweiten Fall heftig aneinandergeraten. Während ein Hinweis aus der Gerichtsmedizin Tobler veranlasst, im Tod eines Mädchens auf einem der Gehöfte einen Mord zu vermuten, will Berg dem Vater zuliebe, den er noch aus Schultagen kennt, eine rasche Bestattung ermöglichen. Derweil Tobler Verstrickungen von Staatsschutz und Neonaziszene in die Familie überprüft, wirft Berg ihr Sozialromantik vor: „Was muss man tun, um bei Ihnen eine Chance zu haben? Übers Mittelmeer schwimmen?“

In diesem „Tatort“, inszeniert von Umut Dag, prallen permanent und mit (bild)-gewaltiger Wucht Weltanschauungen aufeinander, nicht nur die von Berg und Tobler. Dunkel fühlt sich die Welt des Hochschwarzwalds an, auch wenn die Sonne scheint und die Obstpflücker singen. Lächeln wird man nur das tote Mädchen sehen, das seine letzten Tage voll heimlichen Glücks mit dem Handy aufgezeichnet hat. Die Gesichter der Lebenden sind gezeichnet von Trauer, Fassungslosigkeit, Angst, Abscheu oder Zorn. Und eine gewisse Fassungslosigkeit erfasst auch den Zuschauer, wenn er bemerkt, wie unheimlich fließend Drehbuchautor Patrick Brunken den Übergang zwischen der Heimatliebe und Bodenständigkeit Friedemann Bergs und der völkisch-chauvinistischen Wikingerverherrlichung des Schulfreunds Volkmar Böttger (Nicki von Tempelhoff) gestaltet. Sind die beiden Bauern doch in vielerlei Hinsicht nicht weit auseinander, geplagt von ähnlichen Problemen bei der Bewirtschaftung ihrer Höfe, geprägt von derselben innigen Verbundenheit zu ihrem Land.

Die eindringliche Atmosphäre des Films wird aber auch von anderen Zweierkonstellationen geprägt: Sonnhild (Gro Swantje Kohlhof), das tote Mädchen und ihr bis fast zuletzt hinter der Handykamera unsichtbar bleibender Freund; Sonnhilds Verlobter Torsten (David Zimmerschied) und ihre jüngere Schwester Mechthild (Janina Fautz); Torsten andererseits im Wortgefecht mit Staatsschützer Harald Schaffel (Jörg Witte); und Kommissarin Tobler als unerbittliche Verfolgerin von Gerichtsmedizinerin Dr. Andrea Binder (Christina Große). Sie alle messen sich mit Worten wie mit Blicken und Gesten und ziehen den Zuschauer mit hinein in dieses Messerwerk aus Verpflichtung, Verleugnung und Verletzung. Nicht alle bleiben schließlich ungeschoren – eigentlich fast keiner. Doch das Vertrauensverhältnis zwischen unseren beiden Kommissaren ist wiederhergestellt. Das verspricht weitere spannende Schwarzwald-Fälle.

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