40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Schwul-lesbischer Chor: Starke Stimmen plädieren für ein buntes Miteinander

Jeder Chorsänger mag seinem Hobby in erster Linie mit der Freude am Lied begegnen, doch in manch einer Gesangsgruppe verbindet sich mit dem Spaß am Singen auch eine politische Idee. So ist es zum Beispiel der Fall, wenn jeden Montagabend gut 25 Sänger in Mainz-Kastell zur Chorprobe zusammentreffen. Denn das Herz des schwul-lesbischen Chores Die Uferlosen schlägt zum einen für den geselligen Gesang und zum anderen für den Anspruch, mit der Musik ein Zeichen für Toleranz und Gleichberechtigung zu setzen.

Im Singen verbindet sich für den schwul-lesbischen Chor Die Uferlosen der Spaß am Lied mit einem politischen Appell.
Im Singen verbindet sich für den schwul-lesbischen Chor Die Uferlosen der Spaß am Lied mit einem politischen Appell.
Foto: Melanie Schröder

Bereits in den ersten Begrüßungsminuten der Probe wird klar: Dieser Chor tickt anders. Umarmungen werden verteilt. Ausnahmslos. Und das ist schon bemerkenswert, läuft das wöchentliche Wiedersehen in vielen Chören doch etwas pragmatischer ab: Handzeichen, zunicken, lächeln.

Unterhaltung mit Biss

Derzeit proben Die Uferlosen für die Fastnacht. Seit vielen Jahren sind sie ein fester Programmpunkt bei den "Meenzer Drecksäck" – einem alternativen Fastnachtsverein. Zu Donna Summers "Hot Stuff" geben die Sänger eine Parodie auf die "günstige" Verkehrslage für Radfahrer in der Stadt Mainz zum Besten, natürlich nicht ohne die zuständige Verkehrsdezernentin Katrin Eder direkt anzusprechen. Mit dieser Nummer könnten sie beim Publikum einen Treffer landen, hofft Andreas Schneiberg, der weiß, welche Schwierigkeiten den Chor bei einem Auftritt erwarten können: "Ein mehrheitlich heterosexuelles Publikum zu knacken, ist nicht leicht, aber am Ende geht es uns wie allen Chören: Wenn die Unterhaltung stimmt, dann gewinnt man die Leute für sich."

Begonnen haben Die Uferlosen als lose Karaokegruppe, die eigentlich "nicht anzuhören war", ruft sich Schneiberg lachend ins Gedächtnis. Binnen drei Jahren sei dann aus der fixen Spaßidee ein solider Chor erwachsen, der mehr transportieren möchte als nur Unterhaltung.

Vielfalt zeigen

"Wir haben die klare Identität als schwul-lesbischer Chor. So bewirken wir, dass sich das Publikum mit unserer sexuellen Identität auseinandersetzen muss. Das ist unser Anspruch", erklärt Andreas Lindner und fügt hinzu: "Es braucht einen schwul-lesbischen Chor, um die Aufmerksamkeit immer wieder auf die unterschiedlichen sexuellen Orientierungen zu lenken."

Das ist dem Chor in diesem Jahr bereits im großen Stil gelungen. Als Organisatoren des schwul-lesbischen Chorfestes "Queertakte" versammelten Die Uferlosen 16 Chöre an zwei Abenden in Mainz. Das Festival versteht sich als kleiner Ableger des süddeutschen schwul-lesbischen Chorfestivals, das seit 1996 existiert. Beim Festivalbesuch hat auch Carina Schmidt ihr Herz an Die Uferlosen verloren. Begeisterte sie sich im Juni noch vom Publikum aus für das Programm, singt sie seit August selbst im Chor mit.

Für sie war schnell klar, dass diese Verbindung Bestand haben wird: "Auch wenn ich vorher noch nie in einem Chor gesungen habe, hat mich die aufrichtig herzliche Atmosphäre sofort zum Bleiben bewogen", sagt sie. Und 2017 wird sie dann auch selbst auf der Festivalbühne stehen. mes

Musik & Konzert regional
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!