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Mainz

Wird "Godot" am Ende alles richten?

Das Stück "Warten auf Godot" behandelt existenzielle Fragen nach Sinn und Richtung unseres Lebens. Das Staatstheater zeigt die schwarze Komödie unter der Leitung von Marcus Mislin ab 8. September.

Die beiden Hauptfiguren Wladimir (André Willmund) und Estragon (Lorenz Klee) warten vergeblich auf einen Retter.
Foto: Bettina Müller
Die beiden Hauptfiguren Wladimir (André Willmund) und Estragon (Lorenz Klee) warten vergeblich auf einen Retter.
Foto: Bettina Müller

Mainz – Auf was warten wir? Warten wir überhaupt? Und wird unser Warten am Ende belohnt?

Mit diesen existenziellen Fragen nach Sinn und Richtung unseres Lebens beschäftigt sich das Stück "Warten auf Godot" von Samuel Beckett. Das Staatstheater präsentiert diese schwarze Komödie unter der Leitung von Regisseur Marcus Mislin, die am Samstag, 8. September, Premiere feiert.

"Das Stück ist ein wichtiger Teil der modernen Theatergeschichte und hat nicht nur Regisseure und Stückeschreiber seiner Zeit geprägt", erklärt Marie Rötzer, Dramaturgin des Staatstheaters. "Warten auf Godot", geschrieben 1948, ist wohl das bekannteste Stück Becketts. "Viele ordnen es in die Sparte des absurden Theaters ein, was eine absolute Fehlinterpretation ist. Beckett hat sich stets dagegen gewährt, in eine Schublade gesteckt zu werden", erläutert Mislin. "Er hat sich aber auch verweigert, was Interpretation und Intention angeht", schmunzelt der Regisseur.

Die Welt, die dem Zuschauer hier präsentiert wird, ist nicht mit Absurdität gleichzusetzen. Sie hält an der Realität fest, indem sie vier Personen zeigt, "die alle riesen Probleme haben. Mit sich und untereinander", erklärt Mislin.

Zwei Landstreicher, Wladimir und Estragon, sowie der Landbesitzer Pozzo und dessen Diener Lucky stellen sich die Frage nach dem Sinn des Lebens. Man wartet – ohne erkennbares Ziel – auf einen "Godot", der alles ändern und richten wird, aber nie kommt. Ab und zu schaut ein Junge vorbei. "Das Spannende ist eigentlich, dass nichts passiert", lacht Mislin. Der Trick dabei sei, dass die Schauspieler sehr gut seien. Sie erfinden jeden Moment neu, jeder Impuls ist anders. Hier ist gerade die junge Besetzung von Vorteil: "Die Jüngeren wissen noch nicht sehr viel über das Leben und können den Text ganz unverstellt wiedergeben", erklärt Rötzer.

Dabei entstehe auch beim Zuschauer eine Gedankenwelt, man reflektiert eigene Gewohnheiten, Rituale und stellt fest, wie schnell die Zeit an einem vorbeigeht. Plötzlich ist man mitten in seinen eigenen Gedanken. "Das Stück gibt keine Antworten auf existenzielle Fragen, aber es wird die Bereitschaft vergrößern, über uns selbst, unser Leben sowie menschliche Fragen zu reflektieren", ist sich Marie Rötzer sicher.

Den Bezug zur heutigen Zeit sehen der Regisseur und die Dramaturgin unter anderem in der Eurokrise. Die Wirtschaft befindet sich an einem Tiefpunkt, wobei jeder auf eine Lösung, einen "Godot" hofft und wartet. Ob dieser – anders als im gleichnamigen Stück – am Ende seinen großen Auftritt hat, bleibt ungewiss. Lea Bindl

Die Premiere findet am Samstag, 8. September, im Kleinen Haus statt. Karten sind noch an der Theaterkasse erhältlich. Weitere Informationen und Termine für die Vorstellungen unter www.staatstheater-mainz.de.

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