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    Traumberuf oder ab ins Kittchen

    Zweiter Verhandlungstag: Der mutmaßliche Messerstecher aus der Russendisco in Wörrstadt will sein Leben ändern.

    pixelio.de
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    Wörrstadt - Der doppelte Angriff auf zwei Sicherheitskräfte einer Russendisco in Wörrstadt stellt das Landgericht vor einige ungeklärte Fragen (wir berichteten).

    Zum Beispiel blieb auch während der zähen Zeugenvernehmung am zweiten Verhandlungstag ungeklärt, wie die beiden Angeklagten in der Februarnacht 2008 zu ihren Verwundungen gekommen sind. Der 1982 im heutigen Kirgisistan geborene Angeklagte hatte schwere Verletzungen im Gesicht. Der vier Jahre jüngere Kasache wies Wunden an den Unterarmen auf.

    Die Verhandlung wirft aber auch ein Schlaglicht auf die schwierige Jugend und Integration zweier Spätaussiedler aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Der aus Kasachstan stammende Angeklagte kam mit 18 Jahren 2004 nach Deutschland. Seine Schulausbildung schloss er noch in der ehemaligen Sowjetrepublik ab. Doch einen Beruf hat er in der Bundesrepublik nicht gefunden.

    In Kaiserslautern, wo er heute lebt, arbeitete der junge Mann zeitweilig bei einem Supermarkt und einem Abschleppdienst auf 400-Euro-Basis. In den Jahren 2009 und 2010 hatte er einen Ein-Euro-Job. In den vergangenen sechs Monaten war er arbeitslos. Die deutsche Sprache beherrscht er nur schlecht, für die Verhandlung benötigt er einen Dolmetscher.

    Seit etwa einem Jahr spritzt er sich laut eigener Aussage Heroin. Eine erste Entziehung sei gescheitert, derzeit nehme er Methadon und Heroin. Er wolle einen weiteren Entziehungsversuch unternehmen. Auffällig wurde er zudem bei der Polizei: Diebstahl, Körperverletzung und Fahren ohne gültige Papiere.

    Mit acht Jahren kam der aus Kirgistan stammende Angeklagte 1990 nach Deutschland. Seinen Hauptschulabschluss schaffte er mit 17. Zu dieser Zeit nimmt er bereits Amphetamine und Haschisch. Auch er wird bei der Polizei aktenkundig. Mit 22 Jahren habe er realisiert, dass er ein Alkoholproblem habe. Und ein knappes Jahr nach dem Vorfall in Wörrstadt ändert er sein Leben radikal: Er durchläuft eine siebenmonatige Drogentherapie. Bekommt eine Ausbildungsstelle als Karosseriebauer, sein Arbeitgeber beurteilt ihn ausgesprochen gut. "Das ist mein Traumberuf."

    Doch diese Erfolge könnten, wenn das Urteil gefällt wird, nichts mehr wert sein. Denn als Zeuge sagte auch einer der Sicherheitsleute aus: Der Angeklagte habe ihm grundlos ein Messer in den Rücken gestoßen. Die körperlichen Schäden, die er davon getragen hat, werden laut der Ärzte nicht mehr vollständig heilen Taubheitsgefühle, Atemnot und eine verminderte Erwerbsfähigkeit drohen. "Ich muss wohl damit leben", sagt der Mann. Doch auch psychisch hat die Nacht Spuren hinterlassen: Vor allem in der Dunkelheit plagen ihn Angstgefühle, berichtete er vor Gericht. Heiko Beckert

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