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    "Kleidung nicht am Körper bügeln": Ausstellung über absurde Warnungen

    Davon träumt wohl jeder: Möglichst schnell reich zu werden, um fortan dem Müßiggang zu frönen oder den Beruf nur noch als Hobby auszuüben. Einen Konzern zu verklagen, könnte helfen.

    Frankfurt - Davon träumt wohl jeder: Möglichst schnell reich zu werden, um fortan dem Müßiggang zu frönen oder den Beruf nur noch als Hobby nach Lust und Laune auszuüben. Da helfen nur reiche Eltern, ein Lottogewinn oder eine zündende Geschäftsidee. Bleibt noch die schräge Idee, einen Konzern zu verklagen.

    So wie Stella Liebeck, die von McDonalds satte 2,7 Millionen US-Dollar erhalten sollte. Sie hatte sich brühend heißen Kaffee über die Beine geschüttet und benötigte mehrere Hauttransplantationen. Immerhin servierte die Fast-Food-Kette vor 20 Jahren den Kaffee noch heißer als die Konkurrenz.

    Schließlich erhielt Liebeck 480.000 Dollar. Darin enthalten war ein geringes Schmerzensgeld und eine hohe Strafe für den Konzern. Die US-Justiz kennt solche Strafen für Hersteller, die aber dem geschädigten und klagenden Kunden zugute kommen. So wird der Konzern gezwungen, sein Produkt zu ändern – sprich: den Kaffee nicht mehr so heiß zu servieren oder zumindest vor dem heißen Getränk zu warnen. Mit dieser Geldbuße hat die Justiz den Anstoß gegeben für viele kuriose Geschichten. Richtig: Da war doch etwas mit der nassen Katze, die jemand in der Mikrowelle trocknen wollte. Oder der Wohnmobil-Fahrer, der an die Allmacht des Tempomaten glaubte und das Steuer verließ, um sich einen Kaffee zu kochen – und prompt einen Unfall baute.

    Die beiden letzten Geschichten sind freilich nur erfundene Legenden, die sich jedoch hartnäckig im Umlauf halten – frei nach dem Motto: Es war einmal ein naiver Verbraucher, ein böser Konzern und ein gewitzter Anwalt. Kein Wunder, dass Bedienungsanleitungen zunehmend abstrusere Formulierungen enthalten. So warnt Bügeleisenhersteller Rowenta tatsächlich mit dem Hinweis „Kleidung nicht am Körper bügeln!“ Und ein schwedischer Kettensägeproduzent hat offensichtlich schlechte Erfahrungen gemacht: „Nicht versuchen, die Kette mit den Händen anzuhalten!“ Wer weiter im Internet stöbert, wird viele sinnfreie Warnungen finden. Auf einem faltbaren Kinderwagen steht etwa der Ratschlag: „Kind vor dem Zusammenklappen entfernen.“ Oder, schon mahnender: „Erlauben Sie Kindern nie, in der Spülmaschine zu spielen.“ Stellt sich nur die Frage: Wie dumm sind Menschen? Oder haben die weltweit agierenden Hersteller solche Angst vor Klagen? Letzteres überwiegt wohl.

    Die 50 schönsten Warnhinweise sind jetzt im Frankfurter Museum für Kommunikation zu sehen. Die Zeitschrift „Docma“, ein kleines, aber agiles Magazin für professionelle Bildbearbeitung, hat ihren alljährlich ausgelobten Wettbewerb den Warnhinweisen gewidmet und präsentiert nun die besten Bilder und Sprüche. Eindeutig in der Überzahl sind die ebenso unsinnigen wie überflüssigen Warnhinweise, die entsprechend aufgespießt werden. „Brennende Kerzen nicht unbeaufsichtigt lassen“, heißt es etwa auf Kerzenpackungen. Aber was passiert, wenn man dem nicht folgt? Die Kerzen werden übermütig und tanzen, sie verschleudern ihr Wachs, ihre Flammen züngeln... Das wird schon jedem Kind eingebläut, aber Jana Gragert hat diese Warnung mit Fantasie und Pfiff umgesetzt.

    Nur selten greifen die Teilnehmer zur glatten Werbeästhetik. Die Anti-Nuckel-Kampagne von Thorsten Thees ist da eine Ausnahme mit Babyschnullern in Zigarettenpackungen. Sinnvoll dagegen wäre auf jeden Fall Rainer Hertrichs Gemüsesuppe, die beim Ausschöpfen die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge formt zu „Vorsicht: Die Suppe ist heiß“. Und Auberginen scheinen neuerdings in Alaska zu wachsen. Doch Stefan Bungart warnt mit verfremdeten Pinguinen vor gentechnisch verändertem Gemüse – auf diesem Feld verstehen viele Menschen keinen Spaß und sehen die Lebensmittelproduzenten in der (Kennzeichnungs-)Pflicht.

    Das Spektrum an Warnhinweisen ist breit, von notwendigen bis zu überflüssigen Ausrufezeichen. Den besten Beitrag liefert eine Variante der „Krötenwanderung“, die „Blödenwanderung“. Statt der Kröte ist ein Hakenkreuz zu sehen, am Schild vorbei marschiert ein Trupp von Glatzköpfen mit erhobenen rechten Armen. So wird aus einem Wortspiel ein brisantes Bild.

    Bis 21. Oktober; Di.-Fr. 9-18, Sa./So. 11-19 Uhr. Eintritt 3 Euro. Internet: www.mfk-frankfurt.de

    Weiter Bilder unter: DOCMA Magazin

    Von unserem Mitarbeiter Benjamin Gries

    Für Doofis und Geldgeier: Kuriose Warnhinweise in neuer Ausstellung
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