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    Der Vollproll Tommie steckt in vielen Rollen fest

    Tom Gerhard kehrt mit "Nackt & in Farbe" auf die Kleinkusntbühne zurück. Nach 23 Jahren hat er bedauerlich wenig Neues zu bieten.

    Tom Gerhardt in seiner Paraderolle als Vollproll Tommie. 
Foto: dpa
    Tom Gerhardt in seiner Paraderolle als Vollproll Tommie.
    Foto: dpa - picture-alliance / dpa

    Mainz - Da steht er nun in seiner fleischfarbenen Feinstrumpfhose. Der Büstenhalter hängt schlaff vor seiner Brust, während er zu den Takten von "This Is My Life" mit einem wabbeligen Implantat wedelt. "Ihr habt euch eure Pause redlich verdient", ruft Tom Gerhardt den Zuschauern im Unterhaus zu, "und nach der Pause mach ich euch fertig." Wie recht er hat.

    "Nackt & in Farbe" heißt das Programm, mit dem der "König der Geschmacklosigkeit" nach zehn Jahren Erfolg in Film und Fernsehen wieder durch die Kleinkunsttempel zieht. Intime Säle sollen es sein, hautnah will er den Fans kommen. Das gelingt.

    1988 war sein Auftritt eine Sensation. Mit Pudelmütze auf dem Schädel und Auspuff unterm Arm spielte er den Proll Tommie. Damit brachte er eine Type auf die Bühne, die es dort so noch nicht gab. Als Halbstarker stammelte er begeistert von Splatter-Movies und Hardcore-Pornos. "Boah eh, geil", sabberte er. Damit waren die bis dahin eher braven Darstellungen eines Proleten Makulatur. Gerhardt rückte näher an die Wirklichkeit als seine Kollegen, und diese Wirklichkeit war abstoßend.

    Nun ist der Comedian 53, und er spielt immer noch diese Rolle. Zwar hat seine Figur jetzt viele Namen: Sie heißt Hausmeister Krause, manifestiert sich in dessen Tochter Carmen oder steht als Tanja Tropical halb nackt auf der Unterhaus. Aber Duktus und Themen bleiben merkwürdig gleich.

    Zu diesen Gestalten hat sich Gerhardt einen dünnen Plot gestrickt: Carmen ist mit dem reichen Unternehmer Egon Fritsche (Gerhardt) liiert, der ihr prompt eine TV-Produktionsfirma schenkt. Die dreht nun eine Casting-Show, deren Inhalt Andi (Gerhardt) erklärt: "Jedes Talent macht eine abgefahrene Liebeserklärung, am liebsten totally nude, total nackt." Diesem Unternehmen steht Hausmeister Krause im Weg. Er probt seine Rede für die Prunksitzung des Teckelklubs: "Man sieht hier nicht nur Menschen lachen, / nein, auch die Dackel lassen's krachen."

    Krause sorgt für gewaltig Heiterkeit, schließlich kennen ihn viele aus der gleichnamigen Fernsehserie. Zudem hat Gerhardt noch einen Akteur aus der Reihe dazugeholt: "Her... Her... Herbert" alias Detlev Redinger darf den stotternden Prügelknaben mimen.

    Für zehn Minuten ist das lustig, doch dann wird es langweilig, da helfen auch keine Rollenwechsel. Andi salbadert von "coolen Performances", Carmen protzt, dass sie nicht mehr die Maus ist, "über die jeder Türsteher rüberrutschen darf", und Eugen freut sich, dass Carmen angesichts von Geld und Macht schnell die Beine auseinanderbekommt. Diese Ansammlung von immer gleichen unappetitlichen Typen mit ihrer Gossensprache mag einst skandalös gewesen sein. Mittlerweile aber gehören solche Gestalten fest zum Nachmittagsprogramm der Privatsender und langweilen.

    Wo aber kein Skandal mehr ist, bleibt Zeit, auf den Künstler zu schauen: Dessen schauspielerische Bandbreite entpuppt sich als minimal, sein Erfolgrezept als allzu simpel. Was vor 23 Jahren eine Sensation war, wirkt heute abgestanden und öd. Es macht einen in der Tat fertig, so was zwei Stunden lang anschauen zu müssen. Gerd Blase

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