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    Mainz

    Aus dem Lotterbett entspringt ein Songspiel

    Die Fachhochschule Mainz hat sich nach mehrjähriger Abstinenz wieder an ein Musiktheaterstück gewagt. Und der Rahmen des Songspiels "Bordellballade" unter Leitung von Andreas Arneke sprengt alles bisher Dagewesene.

    Mainz - Die Landeshauptstadt hat eine beinahe schon beängstigend erfolgreiche Tradition universitärer Musiktheaterproduktionen: Aus großen Projekten der Hochschule für Musik ging letztlich das junge Ensemble am Staatstheater hervor, und auch die Fachhochschule hat einige szenische Projekte aufgeführt, allesamt unter Leitung des damaligen FH-Chorleiters Andreas Arneke. Jetzt hat sich die FH nach mehrjähriger Abstinenz wieder an ein Musiktheaterwerk gewagt - und wieder ist Andreas Arneke als künstlerischer Leiter mit von der Partie (wir berichteten). Der Rahmen des Songspiels "Bordellballade" sprengt allerdings bei Weitem alles Vorherige: In einer in dieser Breite neuen Kooperation von Fachhochschule (Bühne, Kostüme, Programmheft und Dokumentation) und Hochschule für Musik (Instrumentalensemble) stellt dieses Projekt eine Produktion auf die Füße, die in der Regie von Tobias Heyder einen Vergleich mit professionellen Theateraufführungen nicht zu scheuen braucht.

    Projekt mit Leidenschaft

    Es gehört schon eine ganze Portion Leidenschaft dazu, für ein Theaterprojekt eigens ein Studienmodul einzurichten: Sieben Studentinnen der Lehreinheit Innenarchitektur haben unter der Anleitung von Vertretungs-Professorin Susanne Maier-Staufen sieben Bühnenbildmodelle und Kostüme entworfen und gemeinsam das "Gewinner"-Bühnenbild umgesetzt. Allein schon die Präsentation dieser Entwürfe hätte das Projekt gelohnt. Chris Maier, Kommunikationsdesignstudent an der FH, hat das Plakat entworfen - ein blutendes Herz, nach dem viele schwarze Hände greifen. Eine auf den Punkt gebrachte optische Umsetzung des Inhalts der "Bordellballade", die auch die Gestaltung des Pogrammhefts durchzieht, an dem sich manches Theater ein Beispiel nehmen könnte.

    Die "Bordellballade" spielt in einem grenznahen Etablissement, dem die Freier ausbleiben. Puffmutter Rosl hat eine geniale Idee: Nur im Tauschgeschäft kann man die Wirtschaftskrise bezwingen. Das scheint zu funktionieren: Die Damen geben sich kostenfrei hin, kassieren dafür Geschenke der Freier. Doch dieser freien Wirtschaft macht schnell der mafiöse Zuhälter Kirschgarten einen Strich durch die Rechnung - Puffmutter Rosl und alle anderen machen letztendlich weiter wie bisher.

    Das Bühnenbild ist genial gelungen: Wie eine große rote Torte steht in der FH-Aula ein riesiges Lotterbett, das alle Auf- und Abritte ermöglicht und von den Huren nur verlassen wird, um (zuvor verteilte) Geschenke einzusammeln. Regisseur Heyder inszeniert ein reges Treiben auf diesen wenigen Quadratmetern - und hat in der kurzen Probenzeit eine schlüssige, gut erzählte Umsetzung aufgezogen, die den Figuren ihre Doppelbödigkeit lässt und keine Gags noch hinzuerfinden muss.

    In liedhafter Durchdringung

    Auf diesem Schlachtfeld der käuflichen Liebe agiert ein Sängerensemble, das mit dem von Moritz Eggert geforderten Idiom des singenden Schauspielers gut zurechtkommt. Keine Operndramatik, sondern liedhafte Durchdringung der deftigen Franzobel-Texte, die alle Sänger mit großer Überzeugung abliefern. Laura Demjan gibt der unglücklichen Hure Ferkel einen hochsensiblen, feinen Sopran mit, Christina Bock versieht die Zuckergoschel mit vollem Körpereinsatz und wohligen Mezzotönen, Bariton Richard Logiewa kann selbst dem fiesen Kirschgarten mit edler Stimme noch Haltung abgewinnen, Christian Palm gibt den Metzger Alfred geschickt auf der Grenze zwischen derber Komödie und abgrundtiefer Tragödie, Barbara Arneke trifft als Rosl echten Diseusenton ohne falsches Pathos.

    Das Instrumentalensemble setzt unter Leitung von Andreas Arneke die Musik Moritz Eggerts atmosphärisch dicht um: Was im Gewand bester und anspruchsvollster Unterhaltungsmusik daherkommt, ist eine hochintelligente, im Detail hochkomplexe Ehrerbietung an verschiedene Tanzmusikstile, an Brecht/Weill, an Operette und Heurigen-Lieder: ein großer Abend, und die längst fällige Wiederbegegnung mit einem sehr gut gemachten Werk, dem die Mainzer Produktion - und das ist der einzige Wermutstropfen - aus dramaturgischen Gründen das starke Ensemble-Finale gestrichen hat.

     Karten für die Vorstellung am  Freitag, 19.30 Uhr, am FH-Standort Holzhofstraße gibt es beim Mainzer Musikalien-Zentrum in der Großen Langgasse 1. Claus Ambrosius

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